Wölfersheim

SPD greift Kritiker von Rewe-Lager an

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Polemik als Antwort auf Offenen Brief mit der Forderung nach Transparenz

Wegen des geplanten rund 660 Meter langen und 35 Meter hohen Rewe-Lagers liegen in Wölfersheim die Nerven blank - offenbar besonders bei den Befürwortern. Anlass ist aktuell ein offener Brief einer Initiative aus zwölf Bürgern an alle Gemeindevertreter. Darin wird im unaufgeregtem Ton eine Stellungsnahme zu Fragen und mehr Transparenz gefordert. Aus den Reihen der SPD gab es dazu Kritik und verbale Schläge, namentlich vom Gemeindevertreter Rudger Rauch. Die Initiative hat mit einer Pressemitteilung darauf reagiert. Die gestrige Gegenreaktion der Sozialdemokraten, darunter die von Bürgermeister Eike See (SPD), liest sich wenig besänftigend. Man weiß darin auch den wahren Schuldigen zu benennen, der Bürger aufstachelt.

„Es entsteht der Eindruck, dass hier eine schnell getroffene Entscheidung in keinem Fall mehr angezweifelt werden darf“, schreibt die Initiative in ihrem Brief. Eine Einschätzung, die SPD-Mann Rauch in seiner langen schriftlichen Antwort bestätigt, mit autoritären Ton. So liest er aus dem Brief Unterstellungen, etwa dass die Rewe-Ansiedlung eine Entscheidung Einzelner sei, wegen bestimmter Beziehungen. So etwas könne laut Rauch nur noch mit „Volksverräter“, „See muss weg“ und „Wir sind das Volk“ getoppt werden. Eine andere E-Mail an die Initiative überschreibt er mit „An das „Zentrums für Desinformation und Intransparenz“ und definiert die Unterzeichner als ein „paar Komiker“, die jüngst selbst auf bestem Wetterauer Acker gebaut haben.

„Wer Ohrfeigen austeilt, sollte auch selbst welche einstecken können“, sagt Gerhard Weber, Vorsitzender der Gemeindevertretung und SPD-Mitglied. Die Überreaktion, die er sich nicht zu eigen macht, erklärt er mit den aggressiven Leserbriefen in der Lokalpresse. Die ehrenamtlichen Gemeindevertreter müssten bei diesem Projekt viel einstecken, so Bürgermeister See. Er bezeichnet Rauchs Ton als „nicht glücklich“, versteht aber, dass einem mal der „Kragen platzen kann“. Dies habe er der Initiative während eines einstündigen Gesprächs auch gesagt.

„Taktik der Grünen“

SPD-Fraktionschef Matthias Appel bemerkt, dass seit zwei Jahren von den Gegnern viele Aussagen verbreitet und widerlegt worden sein. Die würden nun ständig wiederholt, von den „Wölfersheimer und Echzeller Grünen beziehungsweise der grün-geführten Bürgerinitiative und jetzt von den Briefverfassern, die ebenfalls eindeutig aus dem Umfeld der Wölfersheimer Grünen kommen“. See erkennt darin eine Taktik der Grünen. „Sie nutzen vermeintlich neutrale Bürger als Deckmantel. Mit deren Hilfe soll davon abgelenkt werden, dass der Protest von den Grünen politisch gesteuert und instrumentalisiert wird.“

Am 8. April soll die dritte Offenlage zum Rewe-Projekt beginnen. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat in den Antragsunterlagen Mängel entdeckt, die eine Genehmigung derzeit nicht zulassen. Im Februar endete die zweite Offenlage, zu der es laut See rund 2000 Einwendungen gab. Der BUND klagt wegen der Versiegelung von 30 Hektar größtenteils bestem Ackerboden. Die BI Bürger für Boden, der etwa auch die Kirchen und der Bauernverband angehören, haben einen Klagefonds für Bürger eingerichtet.

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