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Früher Thriller: „Regeneration“ von 1915.

Oper Frankfurt

Swing für Gangster und Leinwandlegenden

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Der Name Stummfilm täuscht: Kaum einer der Streifen lief ohne teils extrem aufwendige Orchestrierung. Wie das gewesen sein könnte, zeigt die Oper Frankfurt am 24. Februar.

Mareike Wink, Dramaturgin an der Frankfurter Oper, kommt ins Schwärmen, wenn sie von dem Stummfilm „Regeneration“ spricht, der 1915 in die Kinos kam. „Der hat damals unfassbar eingeschlagen“, sagt sie. Normalerweise liefen solche Filme drei Tage, dieser lief in New York drei Wochen!“

Nun hatte der immerhin schon 70 Minuten lange Film aber auch alles, was ein richtiger Blockbuster braucht: Das Drehbuch beruhte auf der Autobiografie eines reuigen Gangsters, es ging um Gewalt, Leidenschaft und schöne Frauen. Regisseur Raoul Walsh drehte später auch mit Hollywoodstars wie John Wayne und Gregory Peck.

Ein Abend in den zahlreichen Kinos war ein Spektakel, oft wurden ganze Orchester aufgefahren, und bekannte Komponisten arrangierten eigene Filmmusiken.

Ein wenig vom Glanz der großen Stummfilmzeit versucht die Oper Frankfurt jetzt zu rekonstruieren: Zu „Regeneration“ hat der Komponist Peter Reiter-Schaub die Musik geschrieben, für zwei weitere Stummfilme, Charlie Chaplins Klassiker „The Immigrant“ von 1917 und die Dokumentation „Manhatta“ über das New York von 1921, hat Ensemble-Modern-Mitglied Uwe Dierksen einen neuen Sound komponiert.

„Die Musik verändert die Wirkung der Bilder“, sagt Wink. „Inwieweit sie mitgeht mit dem Film und wie sie die Szenen auch gegen den Strich bürstet, ist ein Spannungsfeld. Da gewinnen die Bilder einen ganz eigenen Raum.“ Dabei, so betont die Dramaturgin, seien die alten Filme eingebettet in ihre Zeit, zwischen Industrialisierung und großer Armut. All das spiegelt sich in den Szenen wider, die viel kantiger und unmittelbarer sind als spätere Filme.

Bei dem Stummfilm-Musik-Varieté sind Film und Live-Musik aber noch nicht alles. Angelehnt an die glanzvollen Vorstellungen in den Kinos vor 100 Jahren, holt die Oper auch Sänger und Tänzer auf die Bühne, und auch die Rollkunstläufer vom „Roll’s Royce Hanau“ haben einen Auftritt. „Wir machen ein bisschen Showprogramm“, sagt Wink. „Das ist tatsächlich das erste Mal hier in unserem Haus.“

Und auch ein bisschen Lokalkolorit schmückt den Abend. Das Team der Oper hat zahlreiche historische Filme aus dem Frankfurt des frühen 20. Jahrhunderts gesichtet und dabei einige höchst interessante Streifen entdeckt. Ein echtes Juwel des Abends, wenn auch ein ganz kurzes, dürfte dabei ein Stummfilm mit einer Schlangentänzerin sein, der 1909 auf dem Dach des Hauses Kaiserstraße 64 gedreht wurde.

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