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Einblick in Flüchtlingspolitik und Bundeswehr: Man kann Franco A. fast dankbar sein

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Von: Stefan Behr

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Franco A. hat einen dankenswerten Einblick in die Bundeswehr gewährt.
Franco A. hat einen dankenswerten Einblick in die Bundeswehr gewährt. © Sebastian Gollnow/dpa

Franco A. hat gezeigt: In der Flüchtlingspolitik lag manches im Argen. Er hat aber auch gezeigt, was bei der Bundeswehr los ist.

Frankfurt – So meschugge das klingen mag: Man kann Franco A. für zwei Sachen dankbar sein. Da wäre zum einen seine Scharade als syrischer Geflüchteter. A. sagt, er habe Missstände in der Flüchtlingspolitik aufdecken wollen. Das ist ihm gelungen. Auch wenn die Aktion aus einem ekligen Weltbild resultiert. Für A. haben Flüchtlinge „alle nur ein Ziel: deutsche Frauen zu penetrieren“.

Aber davon abgesehen ist es A. tatsächlich gelungen, Missstände zu zeigen. Zeugen erzählten von den damaligen Zuständen im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Geschichten, die klangen, als hätten sie Franz Kafka, Samuel Beckett und Monty Python in einer fidelen Drogennacht erdacht.

Das aufzudecken ist ja gut, besser wäre es freilich gewesen, wenn A. eine Idee gehabt hätte, wie man es hätte besser machen können. Hatte er nicht, darum hält sich die Dankbarkeit diesbezüglich auch in Grenzen.

A. deckte ungewollt auch Missstände bei der Bundeswehr auf

Dankenswerter ist der Einblick, den A. in die Bundeswehr gewährte. Wie kann es sein, dass A., der 2013 an der Militärschule eine Masterarbeit vorlegte, die vor Antisemitismus nur so strotzt, weiterhin militärische Karriere machen darf und bloß die Arbeit wiederholen muss? Wie kommt es, dass A. auf Kameradschaftsabenden unwidersprochen Thesen äußern darf, für die sich selbst der AfD-Flügel schämen würde. Wie ist es möglich, dass ein Offizier mit türkischen Wurzeln, der sich als einziger A.s Blut-und-Boden-Geschwätz verbittet, als Zeuge vor Gericht resigniert angibt, dass er solche Vorfälle mittlerweile nicht mehr seinen Vorgesetzten melde – weil diese A.s Weltbild bestenfalls ignorant, schlimmstenfalls wohlwollend gegenüberstünden. Wie ist es zu erklären, dass etliche von A.s Kameraden Extremschwurbler wie den englischen Reptiloiden-Fachmann David Icke oder den krachledernen Wahrsager Alois Irlmaier als investigative Aufklärer betrachten?

Was ist da bloß los bei der Bundeswehr?

A. hat gewollt Missstände in der Flüchtlingspolitik aufgedeckt. Die waren gravierend. Und er hat ungewollt Missstände in der Bundeswehr aufgedeckt. Die sind untragbar. (Stefan Behr)

Am Freitag (15. Juli) verkündete das Oberlandesgericht Frankfurt das Urteil: Franco A. muss für fünfeinhalb Jahre in Haft.

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