Pflegeheime

Gratwanderung in den Heimen

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Odenwaldkreis geht eigenen Weg.

Der Odenwälder Landrat Frank Matiaske (SPD) hat die von der Landesregierung beschlossene Lockerung des Besuchsverbots für Pflegeheime scharf kritisiert. „Es kann nicht sein, dass die hessische Regierung ignoriert, dass Pflegeeinrichtungen massiv von dem Virus betroffen sind. Die darin wohnenden alten und kranken Menschen werden damit unabwägbaren Gefahren ausgesetzt“, so Matiaske in einer Mitteilung. Der Erbacher Kreishauschef kündigte zugleich an, Besuche in Odenwälder Pflegeheimen per Allgemeinverfügung weiterhin unterbinden zu wollen. Die Verfügung soll vom Montag an gelten.

Die Landesregierung hatte angekündigt, vom kommenden Montag, 4. Mai, an unter bestimmten Bedingungen Besuche in Pflegeheimen wieder zuzulassen. Der Odenwälder Landrat hält es jedoch für „nicht hinnehmbar, Pflegeheime wieder für Besuche zu öffnen“. Auch wenn die Zahl und Dauer der Besuche beschränkt werden solle, werde doch „das Infektionsrisiko erhöht“, äußerte Landrat Matiaske. Jeder, der zusätzlich zu den Bewohnern und dem Personal in die Einrichtungen gelassen werde, sei „ein potenzieller Überträger“ des Virus.

Im Odenwaldkreis hatten von den 48 im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion verstorbenen Menschen 33 zuvor in Pflegeheimen gelebt. Derzeit stehen noch fünf Häuser ganz oder teilweise unter Quarantäne. Noch vor kurzem waren es sieben. Laut Landrat Matiaske musste erst am Dienstag die Quarantäne in einer betroffenen Einrichtung ausgeweitet werden.

Das Gesundheitsamt des Kreises lässt seit Wochen viele Menschen in Pflegeheimen testen, was die vergleichsweise hohe Zahl von 349 positiv Getesteten im Odenwaldkreis erklärt. Aus diesem Grund, so Matiaske, „werden letztlich auch mehr Verstorbene in der Corona-Statistik geführt als andernorts“.

SPD-Landtagsabgeordneter Frank-Tilo Becher begrüßt grundsätzlich die Lockerungen. Nachdem die Läden unter Auflagen wieder öffnen durften, seien die strikten Verbote von Gottesdiensten und Kirchenbesuchen kaum noch darstellbar. Besuche in Altenheimen hingegen seien „eine Gratwanderung“. Man könne Pflegebedürftigen nicht dauerhaft die sozialen Kontakte verwehren, da sie auch die psychische Gesundheit stärkten. Andererseits hätten die vergangenen Wochen gezeigt, welch schwere Folgen Infektionsausbrüche in diesen Einrichtungen haben könnten.

„Für den wichtigen Weg aus der Einsamkeit erwarten wir deshalb von der Landesregierung, dass sie das Grundproblem in den Alten- und Pflegeheimen, nämlich den Mangel an Schutzausrüstung, schnellstens behebt“, so Becher. „Das muss im Sinne der Bewohner und der Beschäftigten in den Heimen Bestandteil der Lockerung des Besuchsverbotes sein.“ 

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