MARKTFÜHRER

Wo Graf von Kanitz mit der Öko-Edelsüßen flirtet

Mit Waldemar Thomas bei Bio-Wein VinOc in Offenbach

Wer immer noch glaubt, Öko-Weine seien rustikale, ungeschliffene Tropfen, ist nicht auf der Höhe der Zeit. Ein Besuch bei Klaus Schopf und seinen Mannen schafft Abhilfe und ist außerdem sehr vergnüglich. Denn mit Öko-Wein ist es wie mit Wein überhaupt: um Bescheid zu wissen, gibt es nur eines - viel probieren.

VinOc steht für Wein aus Okzitanien, jener historischen Landschaft im Süden Frankreichs, dem Midi. Alles begann vor gut 25 Jahren mit Solidaritätsaktionen aus Friedensbewegung und Bürgerinitiativen mit dem Kampf okzitanischer Winzer für ihre kulturelle und ökonomische Existenz. Deutsche und Franzosen kämpften gemeinsam gegen militärische Aufrüstung.

Wein, erinnert sich Klaus Schopf, diente gewissermaßen als Transportmittel, seine Vermarktung in gut 300 deutschen Orten half den Winzern, vom schlecht bezahlten Fasswein weg zu kommen und mit ordentlichen Flaschenweinen Erlöse zu erzielen, die ihre Existenz auf Dauer sicherten.

Schopf, gelernter Lehrer, der in Bioläden kaufmännische Erfahrungen sammelte, erzählt, dass sich erst im Rahmen des sprießenden Bewusstseins für Lebensmittelqualität das Interesse an ökologisch erzeugtem Wein zu entwickeln begann. "Wir haben die Winzer systematisch dazu überredet, und bei 95 Prozent von ihnen hat das auch geklappt." VinOc dehnte ihre Einkäufe auf Öko-Weine auf ganz Frankreich aus, Deutschland folgte, sodann Italien, Österreich, zur Zeit holen spanische Winzer mit Riesenschritten auf.

Heute findet man sie alle: schöne Rheingauer vom Graf von Kanitz; die erstaunlichen Weine des Naturland-Betriebes Wittmann aus dem rheinhessischen Westhofen oder die von Heyl zu Herrnsheim, um nur die bekanntesten zu nennen. Es gibt den ersten Öko-Edelsüßen aus Sauternes, Château La Garenne. Der kalifornische Winzer Fetzer-Vineyards hat auch die Zeichen der Zeit erkannt und mit "Bonterra" eine eigene Öko-Weinlinie geschaffen.

Die wahrscheinlich großartigsten Tropfen sind nach wie vor die des Loire-Winzers Nicolas Joly, der nach den biologisch-dynamischen Prinzipien des Demeter-Bundes arbeitet. Er schildert sie in seinem spannend zu lesenden Buch "Beseelter Wein", das man sich bei VinOc zulegen kann.

Jolys Spitzengewächs, "La Coulée de Serrant" gehört zu den fünf größten Weißweinen Frankreichs und kann wunderbar alt werden. Der 94er beginnt jetzt trinkreif zu werden, die Flasche ist für 39,50 Euro zu haben und beschert ein außergewöhnliches Weinerlebnis. Sein Zweitwein, Clos de la Bergerie, macht auch viel Freude und kostet 24,40 Euro.

Viele VinOc-Weine kommen nach wie vor aus Okzitanien, es ist aber auch die Heimat des Cassoulets. Jenes wundervollen Eintopfs aus weißen Bohnen, eingemachter Gans und anderem mehr. Cassoulet ist wie geschaffen für unwirtliche Wintertage, passende Weine dazu findet man ganz bestimmt bei VinOc.

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