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Und so tanzte man im Sommer 1998 in der Flughafen-Disco Dorian Gray.

Clubs in Hessen

Erinnern Sie sich noch an diese Clubs?

FR-Redakteure erinnern sich an ihre wilde Feiern und durchgetanzte Nächte in Clubs in Hessen, die inzwischen Geschichte sind ...

Club 74: Hippie-Idyll im Hintertaunus

Zugegeben, Waldems-Esch liegt am Ende der Welt. Aber für uns Hippies ist das Kaff im Hintertaunus eine Zeit lang eine Reise wert gewesen. Dort residierte der legendäre Club 74. Ein mythischer Ort, an dem langhaarige Barfußtänzer aus der ganzen Region sich friedlich die holzgetäfelte Tanzfläche mit der Dorfjugend teilten. Trinkfeste Kerbeburschen schäkerten mit düsteren Grufties an der Theke, eine ganze Bandbreite an Subkulturen stand um den Flippertisch und feuerte die Spieler an. Spötter krittelten: „Da musst Du doch eine Mistgabel mitnehmen, sonst lassen sie Dich nicht rein.“ Was für ein Quatsch! Dem Club war es ja gerade egal, wer Du warst und wie Du aussahst, ob Du Dich unter den Achseln rasiert hattest oder den Rücken gewaxt. Das Esch hatte keine kritische Tür, kein Nur-Stammgäste-Gefasel, keinen Kostümzwang wie das Schnösel-Gray am Flughafen. Im Club 74 musste man nicht cool sein, die richtigen Songs kennen, den richtigen Gesichtsausdruck machen. Dafür haben wir auch die weite Anfahrt in Kauf genommen. Dann ist der Laden leider ins Gewerbegebiet umgezogen und hat etwas an Flair eingebüßt. Und schließlich ganz geschlossen. sky

Halli-Galli: Bergziegen und nasse T-Shirts

Ich bin im Vordertaunus aufgewachsen, zusammen mit den Kindern der Männer, die jeden Tag die Banken- und Versicherungshochhäuser Frankfurts bevölkern. Doch wer jetzt meint, die Jeunesse dorée aus dem Main-Taunus-Kreis habe ihre Nächte in den schicken Schuppen der Frankfurter Innenstadt verbracht, irrt: Der Club unserer Jugend war irgendwo zwischen Cinestar und Toom-Baumarkt in den Eingeweiden des sogenannten „Griesheim-Centers“ untergebracht und hatte viele Namen: „A66 Dancecenter“ oder auch „Halli Galli – das verrückte Discostadl“. Und so absurd, wie das klingt, war es dort auch: Auf dem Hüttendach über der Tanzfläche langweilte sich eine in die Jahre gekommene Bergziege, es gab Wet-T-Shirt-Contests und billigen „Erdbeerlimer“. Dass das alles nicht ganz mit rechten Dingen zuging, war uns auch klar. Aber mit 16 kann man nicht wählerisch sein. lic

Unity: Happy music

In meiner Studizeit fand ich Frankfurt schwierig, wenn man feiern gehen wollte. Entweder man hatte diese furchtbaren After-Work-Partys mit gelackten Banker-Typen, die einen anbaggerten. Oder es gab die Läden, wo schlimmer Elektro lief – und man sich bitte bloß nicht zu viel bewegen durfte! Auch der Sinkkasten war nicht meins. Ich erinnere mich, wie da eines Abends ein paar Leute so einen merkwürdigen Tanz, bei denen sie wie Hühner die Köpfe rausstreckten (eine Art Paarungstanz?), ablieferten. Das Unity war für mich der erste coole Club. Es gab tanzbare Musik, tolle Leute und Jackson, den Türsteher. Nachdem wir den Minztee ausgetrunken hatten, wurden die Tische rausgetragen, und wir tanzten los. DJ Julian Smith legte alles von den Jackson Five bis Timberlake auf: happy music. Einmal kam sogar Jan Delay und legte auf. Wir tanzten auf engstem Raum. Happy times. rose

Dorian Gray: Nur für Schnösel

Anfang der 80er Jahre galt der Begriff Club als Synonym für Verein. Jeans mit Löchern gab es nicht zu kaufen, die mussten man sich erarbeiten beziehungsweise ertragen. Die Ausgehgemeinde trennte sich fein säuberlich. Hier die adrett gekleideten, aufgebrezelten Tussis und Schnösel. Auf der anderen Seite wir, die Rockmusik und die Doors liebten, die Flaschenbier tranken, unsere Kippen selbst drehten, nach Patschuli dufteten, in indischen Flatterkleidern unterwegs waren. Keine Chance, in diesem Aufzug im Dorian Gray Einlass zu erhalten. Aber auch keine Interesse. Wir fühlten uns in der Batschkapp wohl, im Sinkkasten, in der Gallus-Disco. Fuhren auch mal nach Langen ins Second Life. Um die vor 40 Jahren eröffnete erste Großraumdiskothek Deutschlands am Frankfurter Flughafen machten wir einen riesigen Bogen. Bis heute glaube ich nichts verpasst zu haben. jur

Living: Schwer auffindbar

Wie zwei Blondinen vom Land in der großen Stadt, so fühlten wir uns, als wir vor Jahren mal nach Frankfurt fuhren, um feiern zu gehen, meine Freundin und ich. Auf Google Maps (damals noch ohne Smartphone, wir haben uns die Wegbeschreibung tatsächlich ausgedruckt!) sah der Weg zum Living am Fuße des ehemaligen EZB-Gebäudes am Willy-Brandt-Platz gar nicht weit aus. Irgendwann standen wir dann vor den Appartements der „LiV’iN Residence by Fleming’s“ in der Seilerstraße, von Party weit und breit nichts zu sehen. Ich kann mich zwar nicht mehr erinnern, ob wir das richtige Living damals noch gefunden haben oder in einem ganz anderen Club gelandet sind. Unvergesslich war die Nacht aber so oder so, denn wann immer ich heute durch die Seilerstraße komme, muss ich schmunzeln – und mich auch ein bisschen schämen. Immerhin finde ich heute alle Clubs auf Anhieb. elm

025: Tanzen im Tunnel

Ich weiß noch, dass es im O25 immer verdammt heiß war; je weiter man in die Gewölbe in der Ostparkstraße vordrang, desto wärmer wurde es. Und ich erinnere mich an zwei tunnelartige Räume, der eine war oft in rotes Licht getaucht. Aber sonst war es dort ganz cool, ein Gegenstück zu den vielen Schickimicki-Discos. Und auch die Getränkepreise waren nicht so hoch wie in manch anderen Clubs. Eine Zeit lang tanzten wir zu Reggae und Dancehall, aber auch zu Indie. Im Sommer konnte man auf der Terrasse mit Beach Feeling ausruhen. Mehr als ein Jahrzehnt war der Club im Ostend zu Hause. Im Jahr 2010 hat er dann zugemacht, da gehörte ich aber schon längst nicht mehr zu den Besuchern. Danach wechselten die Betreiber, etwa versuchte der Inhaber des Clubkellers dort mit dem „Röderberg“ sein Glück, das war aber nach ein bisschen mehr als einem halben Jahr zu Ende. Ob dort heute noch getanzt und geschwitzt wird, weiß ich nicht. jkö

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