Bad Homburg

Golfen auf der Streuobstwiese

  • vonAnke Hillebrecht
    schließen

Der Royal Homburger Golf Club 1899 freut sich über 125 neue Mitglieder im Corona-Jahr 2020 und hat seinen Platz modernisiert.

Die 1200 Mitglieder des Royal Homburger Golf Club 1899 (HGC) haben das Glück, dass ihr Sport draußen stattfindet und man gut Abstand halten kann. Nach kurzem Hin und Her Anfang November, als die Landesregierung bei der coronabedingten Schließung von Tennis- und Golfplätzen zurückruderte, sind nun selbst an regnerischen Tagen einige Spieler auf dem „New Course“ am Rande von Dornholzhausen anzutreffen. 125 neue Mitglieder hat der Club im Corona-Jahr 2020 bekommen.

„Man kann immer golfen, außer es liegt Schnee“, weiß HGC-Präsident Ralf Klinge. Ob die Greens weiß sind, sehen die Golfer schon zu Hause über die Webcam – und über die, so Klinge, könne lückenlos nachverfolgt werden, wie viele Spieler auf dem Platz sind.

Auf dem Platz wurde in den vergangenen Monaten einiges modernisiert. Die alte Abschlagshütte der „Driving Range“ wurde durch eine neue, größere ersetzt. Dort können nun mehr Spieler gleichzeitig lange Schläge üben. Die „Tee Line“ hat einen künstlichen Teppich sowie Abstandshalter bekommen. Und weil immer mal ein Golfball auf der Terrasse des Clubhauses gelandet war, wurde der Ballfangzaun auf 15 Meter erhöht. Als einer der wenigen deutschen Clubs hat der HGC nun zudem in ein Track-Man-System investiert – eine Radartechnik, die Schlaglängen vermisst sowie Abflugwinkel und Spin-Raten analysiert. „Solches Hightech gibt es hierzulande bisher nur in Hamburg und Karlsruhe“, so Klinge.

Jugendabteilung noch einmal gewachsen

Weil mit dem System auch spielerisches Training möglich ist, sei die Jugendabteilung noch einmal gewachsen, erläutert HGC-Sportkoordinator Nils Reinhardt. 83 Kinder seien derzeit zum Training in 14 Gruppen angemeldet. „Wir haben die größte Jugendabteilung Hessens“, so Klinge. Die Elektronik macht’s möglich – und für die erwachsenen Spieler sogar noch eine kleine Reise, die wegen Corona derzeit real nicht geht. Auf dem hintersten Platz in der neuen Abschlagshütte können sie sich die 70 schönsten Golfplätze der Welt auf eine große Leinwand projizieren lassen. Anstatt auf die Bad Homburger Driving Range schlägt man dann zum Beispiel auf die Greens von „Pebble Beach“ in Kalifornien. „Unser Platz ist aber auch unter den 70 schönsten Plätzen“, triumphiert Greenkeeper Jörg Maas.

Als Manko empfinden die Golfer allerdings den fehlenden Platz, um kurze Schläge zu üben. Dreimal so groß wie das bisherige „Chipping Green“ soll das neue Areal dafür werden. Dafür haben die Golfer drei benachbarte Streuobstgrundstücke gepachtet. Hier sei in den vergangenen 20 Jahren nichts gemacht worden, sagt der Greenkeeper; viele Bäume seien tot. „Um hier etwas verändern zu dürfen, brauchten wir eine Ausnahmegenehmigung“, erklärt Maas. Diese hat die Stadt den Golfern Anfang des Jahres mittels eines öffentlich-rechtlichen Vertrags gegeben. Die Streuobstwiese darf in eine Sportfläche umgewidmet werden. Auch das Regierungspräsidium habe zugestimmt.

Nun warten die Golfer noch auf die Baugenehmigung. Es würden nicht alle Bäume gefällt, wie Naturschützer, etwa der BUND, es befürchten, beteuern Klinge und Maas. Schöne Solitäre sollen erhalten bleiben. 3000 Quadratmeter groß soll das neue „Chipping Green“ werden, 500 davon die Fläche, auf der gespielt wird. „Hier wird grüner Wald stehen“, freut sich Klinge. Es könne gar ein „Signature Hole“ entstehen – ein besonders charakteristischer Bereich eines Golfplatzes. Besonders am Homburger Golfclub ist auch seine Historie – es handelt sich um einen der ältesten auf dem europäischen Kontinent. Bis Anfang der 1980er Jahre wurde im Kurpark geputtet. Im Corona-Sommer war der beengte „Old Course“ länger gesperrt. Weil sich nun aber Freiwillige zur Verfügung stellen, die auf die Einhaltung der Abstandsregeln achten, hat der Platz von 10 bis 16 Uhr für angemeldete Spieler geöffnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare