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Da ist er, der Quotenmann: Mathias Wagner.

Kolumne

Goldfisch Mathias

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Ein Quotenmann macht Karriere, ganz ohne Pool. Gut gebrüllt - die Kolumne aus dem Hessischen Landtag.

Endlich hat Hessen seinen Quotenmann. Er heißt Mathias Wagner, ist Fraktionschef der Grünen im Landtag und gehört seit neuestem dem Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks an.

Dass er diesen Posten einnehmen darf, hat Wagner seinem Geschlecht zu verdanken. Das Amt musste nämlich laut Gesetz an einen Mann vergeben werden.

Prompt bekam der Grüne von einer Journalistin die Frage zu hören, ob er den Posten nur wegen seines Geschlechts und nicht aufgrund seiner Qualifikation bekommen habe. Die Frage war nicht ganz ernst gemeint, sondern eher als Parodie auf den gängigen Verdacht, dass Quotenfrauen nicht gut genug für ihre Ämter seien. Wagner nahm sie gelassen auf. Das Gesetz führe „hoffentlich sehr bald dazu, dass weder Frauen noch Männern diese Frage mehr gestellt wird“.

Was war geschehen? Auf Drängen der Grünen hatte der Landtag 2016 eine neue Form der Quotierung für das HR-Aufsichtsgremium festgeschrieben. Im Rundfunkrat sitzen Vertreterinnen und Vertreter der Politik und aus Verbänden, von den Handwerkskammern bis zum Bauernverband. Bisher waren Männer immer deutlich in der Überzahl.

Nun sieht das Gesetz vor, dass auf jeden Mann im Gremium eine Frau folgen muss, wenn Verbände neue Delegierte entsenden. Umgekehrt haben Organisationen, die von einer Frau vertreten wurden, danach einen Mann zu benennen. So war es bei der Grünen-Fraktion, die bislang Angela Dorn in den Rundfunkrat geschickt hatte, die nun Wissenschaftsministerin geworden ist. Ihr Nachfolger: Mathias Wagner. Wie wichtig die Regelung ist, zeigen die Nominierungen der vergangenen Jahre. Drei neue Gruppierungen zogen seit 2017 in den Rundfunkrat ein: Die Islamverbände, der Jugendring und die AfD-Fraktion. Alle drei haben Männer geschickt. Wenn die Nachfolge fällig wird, schlägt die Zeit der Frauen – nicht nur bei diesen Organisationen. Das gilt auch für die Grünen-Fraktion, wenn Wagner dereinst auf seinem Posten im Rundfunkrat abgelöst wird.

Wenn das Schule machen würde! Dann gäbe es nicht mehr neun Männer unter elf Richterinnen und Richtern am Staatsgerichtshof, nicht mehr neun Männer unter zwölf Staatssekretärinnen und Staatssekretären (bei der CDU sind es sieben von sieben). Dann würde der Landtag nach der Amtszeit von Boris Rhein (CDU) von einer Frau geleitet und die Regierung nach der Amtszeit von Volker Bouffier (CDU) ebenso.

Aber, wenden Kritiker gerne ein, gibt es überhaupt genug qualifizierte Frauen? Ja, die gibt es. Selbst bei der hessischen FDP, die sich ein weiteres Mal auf die Fahnen geschrieben hat, mehr Frauen in Verantwortung zu bringen.

Während die Partei beim Landesparteitag vor einer Woche ein Präsidium mit zwei Frauen und sieben Männern wählte, erklärten die Liberalen Frauen, wie man die weibliche Seite stärken wolle: durch die Einrichtung eines „Goldfischglases“. Was das ist? „Es soll ein Pool mit Frauen entstehen, die ein öffentliches Amt anstreben.“ Na dann: Auf in den Pool für die Gleichberechtigung. Klingt ja auch besser als Quotenfrauen und -männer.

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