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Mit Hund und Kegel: Eine große Wandergruppe war am Sonntag bei Glashütten unterwegs.

Freizeit

Von Glasbläsern und Römern im Hochtaunus

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Mehr als 200 Menschen starten mit dem Naturpark in die Wandersaison.

Ingrid Berg hebt ein grünes Stück Glas in die Höhe. Es hatte einmal der Boden einer Flasche werden sollen, doch etwas war schiefgegangen – und so war die Scherbe Anfang des 15. Jahrhunderts im Abfall einer Glashütte an der Embsbachschlucht gelandet.

Zum Glück. Denn so können Archäologen und Lokalhistoriker wie Ingrid Berg heute noch nachvollziehen, wie im Spätmittelalter mitten im Taunuswald Glas hergestellt worden ist. Zumal auch von der Glashütte an der Embsbachschlucht noch Relikte erhalten sind.

Sie war eine der Stationen der Auftaktwanderung des Naturparks Taunus, bei der am Sonntag mehr als 200 Menschen auf dem sieben Kilometer langen Rundweg um den Glaskopf bei Glashütten unterwegs waren.

Beide verdanken ihre Namen dem damaligen Handwerk. Der Wald dürfte im späten Mittelalter allerdings nicht ganz so romantisch ausgesehen haben wie heute. Denn für die Glasherstellung wurde eine Menge Holz benötigt. Und wenn ein Hang abgeholzt war, zogen die Glasbläser zum nächsten weiter.

Aber auch schon mehr als 1000 Jahre zuvor war der Taunus bei Glashütten besiedelt. Jedenfalls bewachten römische Soldaten hier den Limes, der als Grenze des Römischen Reiches zu den germanischen Gebieten diente. Der Wachtturm am „Teufelsquartier“ war sogar die höchstgelegene Stelle des gesamten Grenzwalls, der sich seinerzeit über 550 Kilometer vom Rhein bis zur Donau zog.

Wer wollte, konnte darüber hinaus die in den 50er-Jahren in geschwungener Form aus Beton errichtete Kirche der evangelischen St. Lukas-Gemeinde besichtigen. Andere genossen lieber bei herrlichem Sonnenschein die Frühlingsnatur.

Am Start in die Naturpark-Saison nahm auch eine fünfköpfige Delegation aus dem slowenischen Triglav-Nationalpark teil, der mit dem Naturpark Taunus seit mehr als 30 Jahren eine Partnerschaft pflegt. Dabei könne man immer wieder gute Ideen voneinander abschauen, sagte der Direktor des Triglav-Parks, Janez Rakar. Diesmal sei es vor allem um den Umgang mit Mountainbikern gegangen.

Das Triglav-Gebiet sei für sie bislang noch komplett gesperrt, das halte viele aber nicht davon ab, die Berge trotzdem hinabzurasen. „Wir suchen nach Lösungen“, sagte Rakar. Die offiziell ausgewiesenen Strecken im Taunus seien da ein sehr interessanter Ansatz.

Rund 90 geführte Wanderungen bietet der Naturpark Taunus in diesem Jahr an. Erstmals gibt es auch Touren in Fremdsprachen, vier auf Englisch und eine auf Spanisch. Begleitet werden die Wandergruppen von insgesamt 25 zertifizierten Naturparkführern. Das gesamte Angebot findet sich auf www.naturpark-taunus.de.

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