Beethoven

Gigantischer Geburtstag

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Beethoven wird 250 – das soll ganz groß gefeiert werden. Ein Verein sucht hessenweit Wohnzimmer für Konzerte.

Beethoven ist ein Gigant, ganz klar. Johanna Kurth reicht dem Komponisten, den der Künstler Georg Kolbe muskelstrotzend in massiver Bronze in der Frankfurter Taunusanlage verewigt hat, mal grade so eben bis zum Knie. Neben dem riesenhaften Denkmal schläft ein Obdachloser und lässt sich vom FR-Fotografen nicht in seinem morgendlichen Schlummer stören, die Stadtreinigung durchforstet die Sträucher drumherum nach Müll, und auch die ersten Touristen sind schon da und machen Bilder. Beethoven, vor 249 Jahren in Bonn am Rhein auf die Welt gekommen, ist schließlich einer der berühmtesten Deutschen überhaupt.

Es steht ein runder Geburtstag an, und den soll Beethovens Heimatland gebührend feiern, so wünscht es sich das Bonner Beethovenhaus, das Museum im Geburtshaus des Komponisten – am besten in jedem Wohnzimmer. Dass das große Fest auch in Hessen begangen wird, ist eine Herausforderung für Johanna Kurth, die an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Theater- und Orchestermanagement studiert und für die gemeinnützige „Beethoven-Jubiläums-Gesellschaft“ zwischen Kassel und Bensheim das ungewöhnliche Geburtstagsfest organisieren soll.

So ein vielfach bewunderter und geliebter Musiker könnte, so die Idee, auf die Art geehrt werden, die Beethoven vielleicht selbst am besten gefallen hätte: Landauf, landab sollen Privatleute ihre Wohnungen öffnen und Musiker und Musikfreunde zu zahllosen Hauskonzerten einladen. Zu seinen Lebzeiten war Hausmusik äußerst populär, in beinahe jedem bürgerlichen oder adligen Wohnzimmer wurde musiziert. Platz für ein Geburtstagskonzert wäre dabei auch heute theoretisch in der kleinsten Hütte. „Da können auch nur zehn Zuschauer reinpassen“, sagt Kurth. Etliche Spielorte stehen bereits fest.

Neben privaten Gastgebern beteiligen sich auch Firmen und öffentliche Einrichtungen wie die Uni Kassel oder der Frankfurter Mousonturm. Die bieten natürlich deutlich mehr Platz als ein Privathaus. Ein Honorar kann die Beethoven-Jubiläums-Gesellschaft den Musikern nicht bieten, auch die Gastgeber erhalten keine Miete. „Es wäre aber schön, wenn nach dem Konzert ein Hut herumginge für Spenden“, sagt Kurth (23). „Das könnte eine kleine Aufwandsentschädigung für die Musiker sein.“Mitmachen können Profis, aber auch musikalisch bewanderte Laien, einzig und allein die Musikauswahl – nämlich ein Bezug zu Beethoven – steht fest. Aber das sollte bei einem so vielseitigen Komponisten, der vom Lied bis zur Sinfonie, vom Klavierstück bis zum Orgelwerk praktisch jedes Klassik-Genre bedient hat, kein Problem sein.

Wer Platz hat, aber keine Musiker kennt, kann sich genauso an Kurth wenden wie Musiker, die Lust auf ein Konzert in einem unbekannten Wohnzimmer haben. „Grade sucht zum Beispiel ein Gitarrist eine Auftrittsmöglichkeit, die ich vermitteln würde“, sagt Kurth. Sie werde sich alle potenziellen Spielorte persönlich vorab ansehen, verspricht sie. „Grade war ich mit einer Pianistin in einem Seniorenheim“, berichtet sie. „Dort haben wir uns zusammen auch das Klavier angesehen.“ Melden kann man sich als Gastgeber oder Musiker noch bis Ende November.

Streng genommen ist das musikalische Wochenende ein Vor-Jubiläumsfest, denn der große Tag ist erst 2020. „Wir wissen außerdem gar nicht genau, wann Ludwig van Beethoven eigentlich geboren wurde“, sagt Kurth. „Nur der Tauftag am 17. Dezember 1770 ist bekannt.“ Dass das Kind nicht am Tag seiner Geburt getauft wurde, ist anzunehmen. Beethovens Geburtstag könnte also durchaus am 14. oder 15. Dezember 1770 gewesen sein. Die Hauskonzerte sollen nur der Auftakt für das Jubiläumsjahr 2020 sein. „Im nächsten Jahr gibt es dann zum Beispiel in Bonn ein ganz großes Festkonzert mit Daniel Barenboim“, schwärmt Kurth.

Ein Geburtstagsfest

Vor dem großen Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 wird am 14. und 15. Dezember dieses Jahres schon gefeiert. Die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft in Bonn will zum 249. Geburtstag des Komponisten einen Auftakt bieten, über den geredet wird: Bundesweit soll die berühmte Musik in zahlreichen Privatwohnungen, in Altersheimen oder Firmengebäuden als Hauskonzert erklingen.

Für Hessen organisiert die Frankfurter Studentin Johanna Kurth die Hauskonzerte und sucht noch möglichst viele Gastgeber, aber auch Musiker, egal ob Solisten oder Ensembles, Profis oder Laien, die bereit sind aufzutreten. Der Eintritt ist kostenlos, allerdings müssen sich die Besucher im Internet anmelden, damit die Gastgeber planen können. Ob sie etwas zu essen und zu trinken anbieten, bleibt ihnen überlassen. Die Aufführungen sollten allerdings mindestens 45 Minuten dauern.

Melden kann man sich bei Johanna Kurth unter Tel. 0157/72021047 oder kurth@beethovenbeiuns.de. Unter www.beethovenbeiuns.de sind auch alle Aufführungen zu finden, das Programm wird bis kurz vor dem Festwochenende laufend online aktualisiert und ergänzt. 

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