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Giganten, Pioniere und moderne Oper

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Schauspielerin Dagmar Manzel wird in Wiesbaden viel zu tun haben.
Schauspielerin Dagmar Manzel wird in Wiesbaden viel zu tun haben. © Janine Guldener

In Wiesbaden ist wieder Maifestspielzeit. Erwartet werden Ur- und Erstaufführungen sowie Gäste aus Graz, Wien und Berlin.

Von Katinka Fischer

Eine moderne Oper über die Verrohung der Menschen in Zeiten des Krieges, Dagmar Manzel nicht als Fernseh-Tatort-Ermittlerin, aber in 30 anderen Rollen. Und Bühnen-Gigant Claus Peymann auf Abschiedstournee.

So lautet die etwas überspitzte Zusammenfassung der Highlights der Internationalen Maifestspiele (IMF) 2016 im Staatstheater Wiesbaden. Am 30. April eröffnen „Die Soldaten“ das inzwischen 120 Jahre alte Traditionsfestival – eine 1965 uraufgeführte Oper von Bernd Alois Zimmermann nach dem Drama von J.M.R. Lenz. Trotz sperriger Ingredienzen wie Zwölftonmusik, expressionistischer Collagetechnik und einem deprimierenden Ende wurde das Werk zuletzt in Salzburg, München, Zürich und Berlin zum Publikumsrenner. Vasily Barkhatovs Inszenierung kommt als Wiesbadener Erstaufführung auf die Bühne.

Neben den Soldaten sticht das als „vokalinstrumentales Melodram“ apostrophierte Werk „Agota“ aus dem musikalischen Programm hervor. Komponiert hat es der 1961 geborene Helmut Oehring im Auftrag des Staatstheaters. Am 4. Mai wird es uraufgeführt. In der Hauptrolle der ungarischen Exilschriftstellerin Ágota Kristóf sieht das Publikum Dagmar Manzel. Ihre Vielschichtigkeit spielt die Schauspielerin noch ein weiteres Mal aus: In der Operette „Eine Frau, die weiß, was sie will“, mit der die Komische Oper Berlin in Wiesbaden gastiert, übernimmt sie neben Max Hopp alle 30 Rollen.

Etwas ganz Neues ist die Annäherung von IMF und RMF. Bislang hatten sich die Wiesbadener Theaterleute und ihre Kollegen vom Rheingau-Musik-Festival aus eher skeptischer Distanz beäugt. Nun aber kooperieren sie bei Thomas Hengelbrocks inszenierter Konzertversion von Henry Purcells Oper „Dido und Aeneas“.

Peymann liest und inszeniert

Höher ist die Gastspiel-Dichte wie gewohnt im Schauspiel. Aus Graz kommt „Merlin oder Das wüste Land“ von Tankred Dorst. Das Hamburger Thalia Theater gastiert mit Luc Percevals Inszenierung von „Liebe. Trilogie meiner Familie 1“ in Wiesbaden. Das Stück basiert auf neun der insgesamt 20 Bände, die Émile Zolas Romanzyklus „Die Rougon-Macquart“ umfasst. Am 14. und 15. Mai stattet Jasna Fritzi Bauer ihrer Heimatstadt einen Besuch ab. Sie tritt in Wenedikt Jerofejews Stück „Die Reise nach Petuschik“ auf, einer Produktion des Wiener Burgtheaters.

Dort herrschte einst auch Claus Peymann, dessen Abschied als Intendant des Berliner Ensembles inzwischen ebenfalls naht. Zuvor ist er aber noch zweimal in Wiesbaden zu erleben. Zunächst blickt er zurück auf seine Wiener Anfänge, die Thomas Bernhard in seinem Roman „Holzfällen“ verarbeitet hat. Peymann liest daraus am 23. Mai. Am Tag darauf kommt seine Inszenierung von Peter Handkes „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ auf die Bühne des Großen Hauses.

Um eine Pionierin des zeitgenössischen norwegischen Balletts handelt es sich bei Ina Christel Johannessen. In ihrer Choreographie, die den tiefstapelnden Titel “... It’s only a rehearsal“ trägt, interpretieren zwei Tänzer der in Oslo beheimateten Compagnie Ovids antiken Mythos von Artemis und Aktaion neu.

Zum festen IMF-Baustein hat sich unterdessen die „Junge Woche“ entwickelt. Zu den Produktionen, die von 23. bis 29. Mai auf dem Programm stehen, gehören „Kibubu“ aus Spanien und zwei Nachmittage mit dem polnischen Teatr Atofri. Zum IMF-Abschluss am 29. Mai nimmt Loriots „Wagners Ring an 1 Abend“ zumindest ironisch schon etwas von der nächsten Spielzeit vorweg, in der das Mammutwerk schließlich in voller Länge gezeigt werden soll.

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