Klimawende

Gießen soll klimaneutral werden

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Eine Bürgerinitiative wirbt für verbindliche Ziele bis zum Jahr 2035. Jetzt sammelt sie Unterschriften, um die Politiker zum Handeln zu zwingen.

Gießen soll zur Modellstadt in Sachen Klimaschutz werden. Das ist das erklärte Ziel des Vereins Lebenswertes Gießen. Am Dienstag hat der bürgerschaftlich getragene Verein die zu diesem Zweck entwickelte Kampagne „2035Null – Klimaneutrales Gießen“ vorgestellt.

Zu den Mitteln, wie dieses Ziel erreicht werden soll, gehört der massive Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Konkret fordern die Initiatoren die Wiedereinführung von Straßenbahnen und die Ausweisung von Fahrradstraßen. Der Innenstadtring soll autofrei werden, in einzelnen Stadtteilen soll es autofreie Sonntage geben. Außerdem wollen die Vertreter der Kampagne, dass geprüft wird, ob und wo Seilbahnen zur Verkehrsentlastung eingesetzt werden können.

„Es wird höchste Zeit, die Anstrengungen zum Klimaschutz auch und gerade auf der kommunalen Ebene zu intensivieren“, sagte Lutz Hiestermann, Vorsitzender von Lebenswertes Gießen. Je früher die Stadt klimaneutral werde, desto mehr werde sie davon profitieren.

Vermeiden Klimaneutralbedeutet, dass durch ein Produkt , eine Tätigkeit oder Dienstleistung die Menge an klimaschädlichen Gasen in der Atmosphäre nicht erhöht wird. Das Vermeiden solcher Gase bringt den größten Effekt.

Um Klimaneutralitätzu erreichen, kann der Ausstoß von Gasen kompensiert werden, etwa durch das Pflanzen von Bäumen oder die Förderung energiesparender Maßnahmen. pgh

So werde die Lebensqualität durch weniger Verkehrslärm zunehmen, die Luft werde besser, es gebe mehr Grün, und das Image der Stadt verbessere sich außerdem. Gießen sei als jüngste Stadt Hessens und die Stadt mit dem höchsten Anteil an Studierenden dafür besonders geeignet.

Als weiteres Aktionsfeld sehen die Initiatoren den Umbau der Stadtwerke zu einem Klimaschutzdienstleister. Die Stadtverwaltung solle bei der Umsetzung der einzelnen Schritte eine Vorreiterrolle einnehmen, die Hochschulen sollen die Ziele durch eine eigene Vorlesungsreihe zur Transformation Gießens zu einer klimaneutralen Stadt unterstützen.

Nun setzen die Kampagnenvertreter darauf, dass auch genug Bürgerinnen und Bürger die Aktion mit ihrer Unterschrift unterstützen und so einen Bürgerantrag in die Stadtverordnetenversammlung einbringen. Gießen verfügt im Unterschied zu vielen anderen Städten über eine Bürgerbeteiligungssatzung, die ein solches Verfahren überhaupt erst ermöglicht. „Wir sind sehr optimistisch, dass wir deutlich mehr als die erforderliche Zahl an Unterschriften zusammenbekommen“, sagte Vereinsmitglied Eckart Schneider. 825 Unterschriften sind laut Lebenswertes Gießen für einen Bürgerantrag erforderlich. Mit dem Antrag solle erreicht werden, dass Magistrat und Stadtverordnetenversammlung das Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2035 verbindlich beschließen.

Unterstützt wird die Aktion unter anderem von Michael Düren, Vorstandsmitglied des Zentrums für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung der Justus-Liebig-Iniversität sowie Dieter Eißel vom Institut der Politikwissenschaften. Als Unterstützer nennt die Initiative außerdem mehrere weitere Hochschulprofessoren.

Am  Donnerstag, 2. Mai, wollen die Initiatoren damit beginnen, die erforderlichen Unterschriften zu sammeln.

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