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Einen Tag lang drückte ein Banner am Zaun der hübschen Villa den Protest der Bevölkerung aus. Foto: privat
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Einen Tag lang drückte ein Banner am Zaun der hübschen Villa den Protest der Bevölkerung aus.

Dreieich

Gezählte Tage einer altehrwürdigen Villa in Dreieich

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Ein Investor will eine geschichtsträchtige, stattliche Villa in Dreieich abreißen und stattdessen ein modernes Wohnhaus entstehen lassen. Teile der Bevölkerung protestieren.

Sie ist ehrwürdig, hat Charme und bald 100 Jahre auf dem Buckel: Die sogenannte Wienand-Villa an der Eisenbahnstraße im Dreieicher Stadtteil Sprendlingen ist nicht nur stadtbildprägend, sondern auch ein Zeitzeugnis – und soll trotzdem abgerissen werden. Zumindest sind das die Pläne des Investors, der das rund 6500 Quadratmeter große Grundstück samt Villa gekauft hat und dort eine Wohnbebauung anstrebt. „Damit würde ein Zeugnis der Dreieicher Heimatgeschichte verlorengehen“, sagt Wilhelm Ott, Vorsitzender der „Freunde Sprendlingens“, des örtlichen Vereins für Heimatkunde.

Sein Verein hatte zusammen mit dem Geschichtsverein Buchschlag Mitte November einen offenen Brief an den Investor sowie an die Stadt Dreieich und den Kreis Offenbach verfasst. Darin sprachen sie von „Profitmaximierung“ und baten die regionale Investmentfirma, die namentlich nicht genannt werden will, den Abrissantrag zurückzuziehen und die Villa in das Bauprojekt zu integrieren. Der Investor suchte daraufhin das Gespräch mit den Vereinsvertreter:innen und erklärte, ein Gutachten habe ergeben, dass der Erhalt der Villa finanziell nicht machbar sei – auch wenn er technisch realisierbar sei. „Der Investor findet seiner Auskunft nach kein realistisches Nutzungskonzept für die Villa, die Investitionen wären höher als der Ertrag“, sagt Ott.

Denkmalschutz verweigert

Das Landesamt für Denkmalpflege habe das Gebäude im Rahmen des Verkaufs sogar besichtigt, so Ott, habe aber eine Entscheidung bestätigt, die es schon 1985 bei der Erstellung der Denkmaltopografie im Kreis Offenbach traf: Die Villa sei kein schützenswertes Einzeldenkmal. Innen sei zu viel umgebaut worden. Damit ist es auch der Stadt Dreieich und dem Kreis Offenbach nicht möglich, den Abriss zu verhindern.

Das Gebäude ist laut Corinna Molitor, Leiterin des Dreieich-Museums, von historischer Bedeutung, weil es ein Zeugnis für die Industriegeschichte der Stadt ist. Es ist das letzte sichtbare Zeichen der Zahnfabrik, die die Brüder Heinrich und Friedrich Wienand im Jahr 1908 an der Eisenbahnstraße errichteten. Die Firma stellte künstliche Zähne her und war „der größte Arbeitgeber am Ort“, so Molitor. In ihrem Museum sind noch Bilder und Exponate ausgestellt. Das Betriebsgelände von rund 22 000 Quadratmetern wurde Anfang der 2000er-Jahre verkauft, die Firmengebäude wurden abgerissen, Einfamilienhäuser und ein Seniorenheim an ihrer Stelle errichtet. Nur die Villa, die Heinrich Wienand 1926 baute und die bis in die 60er Jahre von Familienmitgliedern bewohnt war, blieb auf den restlichen 6500 Quadratmetern stehen. Das Gelände mit der Fabrikantenvilla gehörte zuletzt einer englischen Investmentgesellschaft, die es an die Hotelketten Dorint und Mercure sowie zuletzt Best Western verpachtete. „Das Haus diente als Tagungsstätte“, so Ott. Ein Wasserschaden nach heftigen Regenfällen im Juni dieses Jahres veranlasste die Hotelkette, den Vertrag zu kündigen. Der regionale Investor kaufte das Areal und reichte bei der Bauaufsicht des Kreises Offenbach einen Abrissantrag ein.

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