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Eine aktuelle Studie des Verbands Bildung und Erziehung untermauert die Kritik der GEW an der Umsetzung der Inklusion.

Schulen

"Förderschulen auflösen"

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Die Lehrergewerkschaften GEW und VBE beklagen eine schlechte Umsetzung von Inklusion. Der Frust wachse auch bei Eltern. Und dann sind da noch die maroden Gebäude.

Mit Blick auf die Landtagswahl im nächsten Jahr verstärkt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) den Druck auf die Politik, um bessere Lern- und Arbeitsbedingungen an den Schulen zu erreichen. Vor allem bei der Inklusion, dem gemeinsamen Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen, hake es gewaltig, sagt Hessens GEW-Vorsitzende Birgit Koch.

„Es läuft sehr schlecht, in den Regelschulen gibt es viel zu wenig Ressourcen, um Inklusion wirklich umsetzen zu können“, beklagt Koch. So gebe es zu wenige Förderstunden, Lehrkräfte müssten oft alleine zu große Klassen unterrichten, zu denen auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gehörten. In solchen Klassen müsse es viel häufiger möglich sein, auch zu zweit zu unterrichten. Gleichzeitig werde ein teures Parallelsystem aus Regelschulen und Förderschulen aufrechterhalten. „Wir müssen die Förderschulen auflösen und die Sonderpädagogen an die Regelschulen bringen“, fordert Koch.

Eine aktuelle Studie des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) untermauert die Kritik der GEW an der Umsetzung der Inklusion. Die meisten Lehrerinnen und Lehrer müssten ohne Unterstützung durch andere und nicht ausreichend fortgebildet in zu großen Klassen und zu kleinen Räumen unterrichten.

Zwar sprechen sich laut VBE noch 54 Prozent der Lehrkräfte für den gemeinsamen Unterricht aus. Stefan Wesselmann, Vorsitzender des VBE Hessen, warnt aber vor steigendem Frust: „In den vergangenen Jahren ist die Ressource für sonderpädagogische Unterstützung, welche für jedes einzelne Kind mit Förderbedarf zur Verfügung steht, stetig gesunken.“ In der Umfrage gibt fast ein Fünftel an, dass die Regelschule den erhöhten Förderbedarf behinderter Kinder nicht leisten könne. Die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Maike Wiedwald berichtet, dass viele Sonderpädagogen damit unzufrieden seien, als „Reiselehrer“ an mehreren Regelschulen eingesetzt zu sein. „Die Kollegen wollen selbst unterrichten, werden aber sehr oft mit nur wenigen Stunden je Schule vor allem als Berater eingesetzt“, sagt Wiedwald. Besser funktioniere Inklusion dort, wo Sonderpädagogen mit einer vollen Stelle zum Kollegium einer Regelschule gehörten.

Bei einem Bildungskongress in Frankfurt hat die Gewerkschaft am Dienstag zur Sprache gebracht, worum es in den nächsten Monaten gehen soll. Neben der Inklusion sind das vor allem der Ausbau von Ganztagsschulen, die Beschulung von Zuwanderern und die Sanierung maroder Schulgebäude. Überall dort müsse massiv investiert werden, forderte die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe.

So will die GEW auch mit Blick auf die ebenfalls im kommenden Jahr stattfindende Bundestagswahl deutschlandweit für die Aufwertung von Bildung kämpfen. „Allein für die Schulgebäude brauchen wir 35 Milliarden Euro“, Tepe. Eines habe man immerhin erreicht: „Das Thema ist inzwischen bei allen Parteien angekommen.“

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