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Gewerbe-Areal kann kommen

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Ein Silicon Valley im Taunus? Die Kurstadt will auf dem Areal am Kronenhof Start-ups ansiedeln. jp
Ein Silicon Valley im Taunus? Die Kurstadt will auf dem Areal am Kronenhof Start-ups ansiedeln. jp © JP

Geplantes Gebiet am Kronenhof nimmt Hürde im Ausschuss / Hitzige Debatte

Bad homburg - Das vom Magistrat geplante neue Gewerbegebiet am Kronenhof hat eine erste Hürde genommen: Am Dienstagabend stimmten CDU, SPD und FDP (acht Stimmen) für die von OB Alexander Hetjes (CDU) unterzeichnete Vorlage. Grüne und BLB (drei Stimmen) waren dagegen, ebenso der fraktionslose Peter Braun.

Final entscheidet am Donnerstag, 29. September, das Stadtparlament über die Aufstellung des neuen Bebauungsplans, der aus 18 Hektar der jetzigen Ackerflächen Bauland machen würde. Dort sitzen zwar dieselben Mehrheiten, allerdings hat sich kürzlich schon der Ortsbeirat Ober-Eschbach trotz CDU-Mehrheit gegen die Pläne ausgesprochen; die Ortsbeiräte Innenstadt und Gonzenheim tagen noch mal einen Tag vor der Parlamentssitzung. Zwar haben sie kein Stimmrecht, könnten aber die Stimmung beeinflussen.

Eine harte Diskussion gab es bereits jetzt im Ausschuss. „Wir sind gerade dabei, Bad Homburg zuzupflastern“, sagte Eva Wingler (Grüne). Man wisse ja, dass es einige Büro-Leerstände in der Stadt gebe - warum würden diese nicht so aufgepeppt, dass sie vermarktbar sind? „Ackerfläche, die versiegelt wird, ist unwiederbringlich verloren; sie wird der Menschheit genommen.“

Auch Armin Johnert (BLB) war entrüstet. „Wie kann man im Jahr 2022 auf die Idee kommen, wertvolle Agrarflächen zu opfern, um dort Rechenzentren hinzusetzen?“, so seine rhetorische Frage - die Ansiedlung von Rechenzentren ist in der Magistratsvorlage zwecks Energieversorgung erwähnt. Die Stadt habe seit 100 Jahren seine Grünzüge geschützt: „Das ist es, was Bad Homburg ausmacht.“ Jetzt sei man dabei, einen Fehler zu machen. Er habe schmunzeln müssen, als er in der Vorlage von den Start-ups las, die man anziehen wolle, sagte Tobias Ottaviani (SPD); „wir werden kein Homburger Silicon Valley.“ Es handele sich erst einmal um einen Aufstellungsbeschluss; ob und wie dort gebaut werde, werde man noch sehen und diskutieren. Hauptsache, man sei in der Lage, dort Flächen zu kaufen, um entscheiden zu können, was passiere.

Kronenhof-Chef hat noch Gesprächsbedarf

„Nichts anderes tun wir heute“, pflichtete Michael Velten (CDU) bei. Eine Diskussion, was und wie viel gebaut werden soll, sei verfrüht. Als vor knapp zehn Jahren das Krankenhaus im Feld vorm Kronenhof errichtet wurde, sei auch vorher viel diskutiert worden, „und heute sind wir froh, dass wir es haben“. Die FDP schließt sich der Koalitionsmeinung an. Die Entwicklung des Gebietes sei eine vernünftige Idee, befand Rudolf Pietzke.

„Netter Versuch, den Aufstellungsbeschluss kleinzureden“, entgegnete Eva Wingler den Worten Veltens. Auch Johnert wollte ihnen keinen Glauben schenken: „Wir werden hier für blöd verkauft.“ Er erinnerte daran, dass, als die Klinik ins Feld gebaut wurde, dies die absolute Ausnahme bleiben sollte.

SPD-Fraktionschef Ottaviani wies darauf hin, dass für die wegfallenden Ackerflächen Ausgleichsflächen ausgewiesen werden müssten, wenn auch möglicherweise weiter weg. Nun schaltete sich auch Peter Braun (PfB) ein. „Die Erfahrung zeigt, dass diese Regelungen nur eine Alibifunktion haben“, sagte er. „Wo sollen diese Ausgleichsflächen denn sein? Werden sie anderen Bauern weggenommen? Es gibt keine übrigen Flächen.“ Es sei ein „verlogenes Argument“.

Eine Mitarbeiterin der Stadtplanung beantwortete in der Sitzung Fragen der Stadtverordneten. Wie viel gehöre der Stadt eigentlich im angestrebten Areal? „Der Anteil städtischer Flächen ist erheblich untergeordnet“, sagte sie. „Es gibt so gut wie keinen Spielraum für die Stadt zu gestalten.“ Grundstücksgeschäfte seien noch nicht getätigt worden, es brauche den Auftrag der Politik. Und wie lange werde es dauern, bis im Gebiet etwas passiere, wenn nun dieser Auftrag erteilt werde? Dazu wollte die Mitarbeiterin nichts sagen; es hänge von vielen Faktoren ab. „Es dauert ewig lang“, so Velten, deshalb wolle man die Umwandlung auch heute schon angehen. „Wir brauchen die Gewerbesteuer. Ein OB muss auch in die Zukunft blicken.“

Und was sagt einer, den eine Veränderung des Areals unmittelbar beträfe? Anruf bei Hans-Georg Wagner, dem Eigentümer des Kronenhofs, der die Äcker rundum bewirtschaftet - sie sind teils sein Eigentum, teils hat er sie vom Sankt-Katharinen- und Weißfrauenstift gepachtet. „Wir sind ein landwirtschaftlicher Betrieb und wollen diesen auch erhalten“, erklärt Wagner. „Ich habe Kinder und Enkel.“ Wagner wurde von der Stadt nicht in die Planungen für das Gebiet um seinen Hof miteinbezogen. Die Dimension gefalle ihm nicht. „Deshalb habe ich noch unbedingt Gesprächsbedarf.“

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