Gesundheit

Gewalt auch in den Arztpraxen

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Die Kassenärzte machen die Politik für überzogene Ansprüche der Patienten verantwortlich. Das führe zu Konflikten.

Wer gegen medizinisches Personal gewalttätig wird, braucht ein „klares Signal“, fordert der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen. Menschen wollten nicht mehr warten, wenn es um ärztliche Versorgung geht, und griffen deshalb das Personal an. „Hier ist die Politik gefragt – und zwar nicht damit, den Menschen mit Phantastereien im Gesundheitsbereich ein X für ein U vorzumachen.“

Anlass ist die Situation in den Notaufnahmen der Kliniken. Die FR hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass die hessische Koalition im Laufe der Legislaturperiode dort flächendeckend ein System einführen will, wie es sich in Frankfurt-Höchst bewährt hat. Die Techniker Krankenkasse geht davon aus, dass sich damit Wartezeiten und auch automatisch Aggressionen verringern lassen. Christiane Böhm, gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, begrüßt die anvisierte Ausweitung sogenannter Portalpraxen. Das Personal in Notfallambulanzen werde entlastet, für Patienten entstehe mehr Transparenz. Derzeit wüssten viele nicht, wer für sie zuständig ist.

Die KV will keine 24-Stunden-Portalpraxen für Hessen, sondern, wie in Höchst, lediglich einen gemeinsamen Tresen, den Klinik und KV gemeinsam betreiben. Wie in den Portalpraxen werden die Patienten dort, je nach Schweregrad, den zuständigen Ärzten zugeführt. Der Unterschied ist die Organisationsform. Die KV will ihre 56 Bereitschaftsdienstzentralen weiter betreiben oder Patienten von der Notaufnahme in Praxen vermitteln. Mehr sei mit dem knappen Personal nicht machbar.

Untätigkeit wirft der Vorstand der Politik vor: Sie solle die Kliniken anhalten, Patienten mit Bagatellerkrankungen in die Praxen zu schicken: „Angemessene Gesundheitspolitik besteht nicht darin, das Blaue vom Himmel zu versprechen“, sondern zu steuern, wo es notwendig sei.

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