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Gedenken an Halit Yozgat.

NSU-Opfer Halit Yozgat

Kassel: Getrenntes Gedenken an NSU-Opfer Halit Yozgat

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Das ganze Wochenende wird in Kassel an das NSU-Opfer Halit Yozgat erinnert.

Vor 13 Jahren, am 6. April 2006, wurde Halit Yozgat in seinem Internetcafé in Kassel erschossen. Die Tat wird heute den Rechtsterroristen vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) zugerechnet. Jahrelang wurde immer am Todestag des jungen Mannes, der nur 21 Jahre alt wurde, auf dem nach ihm benannten Halitplatz an Yozgat erinnert. Das Gedenken wurde gemeinsam von allen getragen, denen es ein Anliegen war: von den Angehörigen des Opfers, Mitgliedern der türkischen Gemeinde, der Stadt Kassel und der „Initiative 6. April“, einer Gruppierung aus der Zivilgesellschaft.

Doch mit der Einigkeit ist es endgültig vorbei. Im vergangenen Jahr sagte die Stadt Kassel erstmals die städtische Gedenkfeier ab. Begründet wurde der Schritt mit Sicherheitsbedenken, weil zuvor Brandsätze auf eine Moschee geworfen worden waren. Obwohl die Polizei betonte, sich den Schutz der Veranstaltung zuzutrauen, blieb die Stadt bei ihrer damals viel kritisierten Entscheidung. Man befürchte Vorfälle, die den „Charakter und würdigen Rahmen einer Gedenkveranstaltung“ beeinträchtigen könnten, hieß es. Erinnert wurde trotzdem an Halit Yozgat: Rund 300 Menschen nahmen an einer Veranstaltung der „Initiative 6. April“ teil, die bei ihrer Planung geblieben war.

Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) will am Halitplatz an Halit Yozgat erinnern

In diesem Jahr ist die Lage noch komplizierter. Die Stadt Kassel hat sich entschieden, im Gedenken an Halit Yozgat einen „Kasseler Preis als Zeichen gegen Rassismus, Ausgrenzung, Extremismus, politisch motivierte Gewalt und Antisemitismus“ zu stiften. Ab 2020 sollen mit dem neuen Preis, so heißt es, wissenschaftliche Arbeiten oder Initiativen ausgezeichnet werden, die sich „mit Extremismus, Rassismus und Antisemitismus auseinandersetzen“. Am Sonntag ist die Auftaktveranstaltung des Preises geplant, dabei soll unter anderem Barbara John sprechen, die Ombudsfrau der Bundesregierung für die NSU-Opfer. Zuvor wollen Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und andere Vertreter der Stadt am Halitplatz an Halit Yozgat erinnern – es soll ein „stilles Gedenken“ werden.

Die „Initiative 6. April“ hatte für Samstag, 6. April, eine Kundgebung auf dem Halitplatz angemeldet, die Anmeldung aber wieder zurückgezogen. Laut Vertretern der Initiative hatte man den Platz lediglich für die Familie Yozgat „reservieren“ wollen, um sicherzustellen, dass es am eigentlichen Todestag überhaupt eine Gedenkfeier gebe. Die Familie geht aber inzwischen eigene Wege und will bereits am heutigen Freitag, 5. April, an Halit Yozgat erinnern. Zu der Kundgebung ist auch Burak Kararti eingeladen, der türkische Generalkonsul mit Sitz in Frankfurt.

Gemeinsam mit der Kasseler Linkspartei, dem Asta der Uni Kassel und anderen Akteuren ruft die „Initiative 6. April“ nun für Samstag zu einer Demonstration mit dem Motto „Solidarität statt Schlussstrich“ auf. Die Organisatoren fordern Solidarität mit den Betroffenen rassistischer Gewalt und eine weitere Aufklärung des NSU-Komplexes. Zentrale Fragen, etwa nach der Auswahl der Opfer oder der Verstrickung des Staates in die NSU-Morde, seien bis heute ungeklärt.

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