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Arztkittel und Stethoskop hängen auf einem Bügel.

Ärzte in Hessen

Gesundheitsämter ohne Chef

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Ärzte im öffentlichen Dienst sind in Hessen knapp. Eine Ursache ist die ungleiche Bezahlung gegenüber den Kollegen in den Kliniken, sagen ihre Vertreter.

Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst haben ein breites Tätigkeitsfeld. Sie untersuchen Kinder vor der Einschulung, sorgen dafür, dass sich keiner mit Tuberkulose ansteckt oder Salmonellen sich nicht weiter verbreiten. Die Kontrolle der Trinkwasserqualität gehört ebenso zu ihrer Aufgabe wie die der Hygiene in Kliniken oder Arztpraxen. Und dies sind nur einige wenige Beispiele.

„Wir sind für die Gesundheit der Bevölkerung zuständig“, sagt Jürgen Krahn, Vorsitzender des Landesverbands der Ärzte und Zahnärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Ein Auftrag, der zunehmend schwieriger zu erfüllen sei. Denn es sei immer schwieriger, Personal zu finden, sagt Krahn, der das Gesundheitsamt für Darmstadt und den Kreis Darmstadt-Dieburg leitet. Zu dem allgemeinen Nachwuchsmangel kommt bei seiner Profession hinzu, dass Ärzte im öffentlichen Gesundheitswesen schlechter bezahlt werden als ihre Kollegen in der Klinik. Die Folge: Geeignete Kandidaten machten schnell einen Rückzieher, wenn sie erführen, was kommunale Arbeitgeber bereit sind, zu zahlen, so die Erfahrung Krahns: „Die Gehaltsunterschiede können bei Fachärzten bis zu 1000 Euro brutto monatlich betragen.“

Mit einer Kundgebung am heutigen Donnerstag in Gießen will der Landesverband auf das Problem hinweisen, das ein bundesweites ist. „Die Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung und Gefahrenabwehr, einige der zentralen Aufgaben des öffentlichen Gesundheitsdienstes, sind gefährdet“, heißt es in der Ankündigung. Die Zahl der in den Gesundheitsämtern tätigen Ärzte sei in den vergangenen 18 Jahren um rund ein Drittel zurückgegangen. Spätestens in zehn Jahren seien die meisten der jetzt aktiven im Ruhestand. Um Nachwuchs zu generieren, müsse die Ungleichbehandlung gegenüber Klinikärzten ein Ende haben. Eine Chance dafür sieht der Landesverband in den Tarifverhandlungen im nächsten Jahr.

Kundgebung in Gießen

Die Zeit dränge, sagt Krahn. In seiner Behörde in Darmstadt etwa sei seit eineinhalb Jahren die Stelle eines Facharztes für Psychiatrie vakant, als Chef für den sozialpsychiatrischen Dienst mit einem Dutzend Sozialarbeitern. Andere hessische Gesundheitsämter hätten keine Leitung. Fachärzte für das öffentliche Gesundheitswesen seien rar, die Ausbildung sei lang und teuer. Es gebe bereits Aktivitäten, doch sie allein könnten diese Missstände nicht beheben.

Dazu zählt die bundesweiten Kampagne, mit der die Ärzte um Nachwuchs werben. Auch die Landesregierung sieht Handlungsbedarf, sagt Markus Büttner, Sprecher im hessischen Sozialministerium. „Der öffentliche Gesundheitsdienst ist eine elementare Säule in der gesundheitlichen Versorgung und Vorsorge für die Bevölkerung.“ Mit der ambulanten und stationären Versorgung bilde er die Basis des Gesundheitswesens. In einer Arbeitsgruppe mit Vertretern der Städte und Kreise erarbeite das Ministerium derzeit Vorschläge zur Verbesserung der Fachkräftegewinnung. Dazu gehöre auch, dass Medizinstudenten Teile ihrer Ausbildung in Gesundheitsämtern absolvieren können. Möglich sei dies bereits in Frankfurt, Gießen solle demnächst folgen.

Was die Bezahlung betrifft, setzt das Ministerium auf einen Beschluss der diesjährigen Gesundheitsministerkonferenz. Darin habe sie bekräftigt, dass die Besoldung an die Vergütung in Krankenhäusern angelehnt werden soll.

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