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Gute Besserung nach Thüringen. Hessen darf sich nicht anstecken. Die Kolumne aus dem Landtag. Die Kolumne.

Es herrscht Virenalarm im Hessischen Landtag. Erst waren es die Smartphones, von denen sich aus Sicherheitsgründen keine Mails mehr abrufen ließen, um jede Ansteckung zu vermeiden. Nun trifft es die Menschen.

Corona? Ach was. Die Erkältungswelle ist angekommen. Warum sollte es Politikern anders gehen als anderen Menschen?

Der FDP-Abgeordnete Yanki Pürsün ist wieder auf dem Damm, nachdem er wegen einer Influenza ein paar Tage im Krankenhaus verbringen musste. Die SPD-Abgeordnete Elke Barth hingegen hat es voll erwischt, was sie nicht davon abhielt, sich am Donnerstag aufs Podium der Landespressekonferenz zu setzen und mit einem letzten Rest Stimme für ihren Entwurf zum Vergabegesetz zu werben. Auch CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg gab den Journalisten beim Hintergrundgespräch sicherheitshalber nicht die Hand, um niemanden anzustecken.

Mal schauen, wer nächste Woche überhaupt kommt, wenn im Landtag Debatten geführt werden – passenderweise auch zur „Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung“. Doch selbst wenn sich die Reihen lichten sollten: Immerhin muss gerade kein Ministerpräsident gewählt werden.

Andernorts gibt es größere Probleme, mit einem Drei-Tage-Ministerpräsidenten hier und Kramp-Karrenbauer-Dämmerung dort. Ansteckend gute Laune findet man in solchen Zeiten nur bei der traditionellen Fastnachtssitzung der Landtagsbediensteten.

Man kommt ja aus vielerlei Gründen ins Grübeln beim Blick ins benachbarte Thüringen, wo der Hesse Bodo Ramelow bis vor kurzem als Ministerpräsident amtierte. Inzwischen ist sein Kurzzeit-Nachfolger Thomas Kemmerich (FDP) zwar zurückgetreten – der erste Ministerpräsident, der nie eine Regierung benannt hat. Doch geschäftsführend muss er weitermachen, solange kein Nachfolger gewählt ist.

In Hessen regierte zuletzt Roland Koch (CDU) 2008 geschäftsführend. Politisch war die Zeit sogar produktiv und die Verhältnisse geordnet, da die Minister geschäftsführend weitermachten. In Erfurt ist das anders. Dort gibt es derzeit keine Minister. So kränkelt Thüringens Politik dahin.

Nach der Wahl des übermannten FDP-Mannes Kemmerich in Erfurt hatte die hessische FDP nicht etwa gute Besserung gewünscht, sondern zur Wahl gratuliert. Ungerührt von dem Umstand, dass Kemmerich mithilfe der AfD ins Amt gekommen war. „Ein aufrichtiger Demokrat hat die Wahl gewonnen“, schrieb der hessische Fraktionsvorsitzende René Rock kurz nach der Wahl. Er wünsche „Herrn Kemmerich eine glückliche Hand bei der Ausübung seines Amtes“ und freue sich „auf die weitere Zusammenarbeit mit den Freien Demokraten in unserem Nachbarland“.

Die Freude dürfte sich inzwischen gelegt haben, nachdem selbst die Bundes-FDP mit Christian Lindner eingesehen hat, dass es keine so gute Idee von Kemmerich war, sich von den Stimmen der AfD um den hessischen Lehrer Björn Höcke abhängig zu machen. „Eine glückliche Hand bei der Ausübung seines Amtes“ kann man dem Thüringer jedenfalls nicht gerade bescheinigen. Und den Schülern in Hessen kann man nur wünschen, dass sie es nie mehr mit einem Lehrer Höcke zu tun bekommen. Alles andere wäre ungesund.

Bodo Ramelow macht als angeblich linker radikaler Politiker in Thüringen vor, wie staatsmännische Konsens-Demokratie funktioniert. Er blamiert auch eine bewegungsunfähige CDU. Der Kommentar.

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