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Gesprächskreis für Trauernde

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Die Trauerbegleiterinnen Vincentia Beck-Wagner (l.) und Martina Hahn gehören zum Team des offenen Trauertreffs. dostalek © Anne-Rose Dostalek

Die Tische in dem Veranstaltungsraum des „KUHtelier“ in Groß-Karben sind liebevoll eingedeckt. Das übernimmt Chef Peter Mayer, der auch für die Bewirtung sorgt. Seit April lädt die Hospizhilfe einmal im Monat zu einem gemeinsamen Sonntagnachmittag in das Kommunikationszentrum ein. „Wir haben im Trauertreff bislang vor allem Gäste gehabt, die einen Lebenspartner verloren haben“, sagt Martina Hahn von der Hospizhilfe.

Im Schnitt seien mindestens vier Menschen zu den Treffen gekommen. Einige kämen regelmäßig, weil sie die Atmosphäre und den Kontakt schätzten. Hahn ist eine der vier ehrenamtlichen Trauerbegleiterinnen, die am Sonntagnachmittag den Trauertreff behutsam moderieren. Oft würden sie schon am Telefon gefragt, ob man reden müsse. Nein, niemand müsse sein Inneres nach außen stülpen. Trauer sei immer individuell und nicht jedem Menschen liege es, sich in einem Kreis fremder Menschen spontan zu öffnen.

„Wir bieten an, an einem neutralen und geschützten Ort zusammenzukommen und sich auszutauschen“, erklärt Trauerbegleiterin Vincentia Beck-Wagner. „Wir möchten den trauernden Menschen die Sicherheit geben, dass das, was sie fühlen, normal ist.“ So gebe es Angehörige, die fast schuldbewusst erzählten, dass sie nach Monaten immer noch weinten. Andere kämpften damit, dass sie antriebslos sind und den Sinn im Leben verloren haben. Es fehle vielen Trauernden ein Gesprächspartner, weil sich Freunde und Familienmitglieder zurückzögen. Die Unsicherheit, wie man sich verhalten solle, sei groß. Auch bei den Trauernden. Manchmal tragen die Menschen auch noch Verletzungen mit sich herum, die sie nicht aussprechen konnten. „Wir sind keine Therapeuten, aber wir möchten Ideen und Lösungswege anbieten. So kann es hilfreich sein, verletzte Gefühle in Form eines Briefes aufzuschreiben: Was ich Dir noch sagen wollte.“

Zum vierköpfigen Trauertreff-Team, von dem immer mindestens zwei an einem Sonntag die Leitung übernehmen, gehören neben Hahn und Beck-Wagner auch Daniela Taron und Waltraud Schuld. Sie haben alle eine Ausbildung als Trauerbegleiterin gemacht und sind ehrenamtlich für die Hospizhilfe Karben tätig.

NÄCHSTE TREFFEN

Offener Trauertreff Karben: Nächster Termin für den Trauertreff ist am 13. November von 15 bis 17 Uhr im „KUHtelier“, Burggräfenröder Straße 2d in Groß-Karben; Folgetermine sind am 18. 12., 8. Januar und 12. Februar. Um Anmeldung wird gebeten. dos

Aus diesen Erfahrungen heraus haben sie das Konzept für den Trauertreff entwickelt. Am Anfang steht die Begrüßung der Gäste und eine Vorstellungsrunde, bei der jeder seinen Namen nennt und den Grund des Kommens. Es werden die Gesprächsregeln vermittelt: Einander zuhören und die Gefühle der anderen achten. Weinen ist erlaubt und auch lachen. Was in der Runde gesagt wird, bleibt im Raum und unterliegt der Verschwiegenheitspflicht. Die Themen bestimmen die Gäste. Es gibt keinen festen Fahrplan, außer dass nach zwei Stunden Schluss ist. „Wir sagen an: Die Zeit ist um und leiten eine Abschlussrunde ein“, sagt Hahn. Manchmal hätten sie noch ein Gedicht dabei, das sie vorläsen.

Den Erfolg des Trauertreffs messen die Teammitglieder nicht daran, wie viele Gäste kommen, sondern wie sie sich nach den zwei Stunden verabschieden. „Wenn jemand aufsteht und sagt, der Nachmittag habe gutgetan, dann wissen wir, dass wir das Richtige tun“, sagt Hahn.

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