Das Rednerpult im hessischen Landtag noch leer.
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In dieser Woche hieß es im hessischen Landtag: Absagen, Absagen, Absagen.

Gut gebrüllt

Geschmacklose Weine

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Eine Woche der Absagen und klammen Reporterfinger. Die Kolumne aus dem Landtag.

Absagen, Absagen, Absagen. Das Virus wirft jede Menge Pläne der Landespolitik über den Haufen. Reißt wieder Löcher in die Terminkalender.

Kleiner Landesparteitag der SPD am 7. November in Dreieich-Sprendlingen: abgesagt. Ersatzweise berät der Landesvorstand in einer digitalen Sitzung die Voten der Antragsprüfungskommission. Entlassung der Gemeinde Hünfelden aus der Hessenkasse in Beisein von Finanzminister Michael Boddenberg (CDU): abgesagt. Startschuss zum regionalen Verkehrsmanagement: abgesagt. Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) übergibt Förderbescheid für Umwelt- und Freizeitprojekt am Kinzig-Stausee: abgesagt. Die ausgezeichneten hessischen Weine und Sektsorten werden online vorgestellt. Wie geschmacklos! Und leider mussten selbst die Träger des 17. Hessischen Integrationspreises ohne offiziellen Akt auskommen. Schade. Sie haben Lobreden verdient.

Außer Pressekonferenzen per Video- und Telefonschalte kam in dieser Woche eine neue Variante hinzu: Die „Outdoor-Pressekonferenz“ des Bunds der Steuerzahler Hessen. Im Hof der Geschäftsstelle in der vielbefahrenen Wiesbadener Bahnhofstraße berichtete der Vorsitzender Joachim Papendick, wie hessische Politiker unser Geld verschwenden. Grauer Himmel, der wilde Wein leuchtete gelb, die Müllabfuhr lärmte im Hintergrund, die Finger der Reporter wurden kalt und klamm. Das nächste Mal nur mit Handschuhen und mit Mütze. Aber immerhin hielt das Wetter. Es regnete nicht.

So können kleine Dinge eine große Freude bereiten und schaffen es sogar in diese Kolumne. Weil in diesen Zeiten erfreuliche Nachrichten besonders gut tun hier noch eine weitere: Für Tarek Al-Wazir und Kai Klose ist die Quarantänezeit vorbei. Und Wissenschaftsministerin Angela Dorn, ebenfalls Grüne, ist nicht mehr infektiös, fühlt sich gesund und ist an ihren Schreibtisch in Wiesbaden zurückgekehrt. Das Kabinett kann wieder in voller körperlicher Präsenz tagen.

Zu tun gibt es auch ohne Pressekonferenzen genug. Die Infektionszahlen steigen rasant. Ebenso dramatisch sind die gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Doch Corona absagen, das funktioniert leider nicht.

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