Audioguide im Weinbaumuseum

Hochheim

Per Audioguide durch Hessens einziges Weinbaumuseum

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Winzer führen die Besucher per Audioguide durch Hessens einziges Weinbaumuseum. Dazu gibt es Originaltöne aus dem Arbeitsalltag.

Bodo Hartmann hat mehrere Tage gebraucht, ehe er das mittägliche Glockengeläut der Hochheimer Pfarrkirche Sankt Peter und Paul im Kasten hatte. „Mal waren nur die Motoren der Trecker zu hören, die aus den Weinbergen gefahren sind. Dann hat der Fluglärm die Kirchenglocken übertönt“, erzählt er. Am Ende hat es geklappt mit der Aufnahme für die „Lauschtour“, die Besuchern des Weinbaumuseums einen lebendigen Eindruck von der Arbeit der Hochheimer Winzer rund ums Jahr vermitteln soll. Die Glocken von Sankt Peter und Paul erklingen gleich an der zweiten Station der Audioführung: Auf einem großen Bild ist dort die katholische Pfarrkirche zu sehen und davor eine der besten Weinlagen im Rheingau: die Hochheimer Domdechaney.

Bodo Hartmann ist ehrenamtlicher Mitarbeiter des kleinen Spezialmuseums, das seit bald zehn Jahren im Souterrain des Hauses der Vereine untergebracht ist. Für die 30-minütige Audioführung durch die Ausstellung hat er diverse Geräusche und Originaltöne gesammelt, die typisch sind für die Arbeit in den Hochheimer Wingerten und Weinkellern: Das metallene Schnippen der Rebscheren ist zu hören; der dumpfe Schlag der Harken, die den Boden umgraben, ehe die jungen Reben gesetzt werden. „Bütt, Bütt, Bütt“ ruft die Jungwinzerin Janine Preis, um dem Büttenträger zu signalisieren, dass ihr Eimer voll ist mit handverlesenen Trauben. An einem der nächsten Lauschpunkte quietscht die über 100 Jahre alte hölzerne Traubenpresse. Später blubbert es kräftig im Fass, wenn der Zucker aus dem Traubensaft sich in Alkohol verwandelt und die Gärung einsetzt.

„Die Audioführung verstärkt die visuelle Wahrnehmung der Besucher. Sie sollen ein lebendiges Mittendrin-Gefühl bekommen im Weinbaumuseum“, sagt Isabel Bootz, die im städtischen Kulturamt arbeitet und das Museum leitet. „Jeder Lauschpunkt macht neugierig auf den nächsten.“ Neben Jungwinzerin Janine Preis, die vor einigen Jahren Hochheimer Weinkönigin war, kommt auch der altgediente Winzermeister Klaus Schmikl zu Wort. Er babbelt im Hochheimer Dialekt, erzählt Anekdoten aus der Weinbaugeschichte der Stadt und erklärt das Handwerkszeug, das die Winzer in früheren Zeiten verwendeten.

Vieles davon ist in dem zum Museum umgestalteten Gewölbekeller ausgestellt: Butten und Waagen gibt es, eine Traubenmühle, einen alten Weinbergs-pflug und einen Geißfuß zum Setzen veredelter Reben. Auch das sogenannte Hörnchen zählt zu den Exponaten im Weinbaumuseum. Die Winzer hatten es früher am Gürtel hängen. Es war mit Rindertalg gefüllt und diente zum Einfetten der Hände während der Arbeit.

Die Mainzer Firma Lauschtour, gegründet von dem ehemaligen Hörfunk-Reporter Marco Neises, hat die Audioführung durch das Hochheimer Weinbaumuseum konzipiert. „Die Besucher sollen nah dran sein am Winzer, ihm quasi bei der Arbeit über die Schulter schauen können“, sagt Neises. Gleichzeitig vermittle die Museumstour im Kopfhörer Wissenwertes über den Weinbau. „Viele Menschen fachsimpeln gerne über Wein. Da ist eine Führung mit dem Audioguide eine ideale Ergänzung.“

Das Weinbaumuseum in Hochheim ist das einzige seiner Art in Hessen. Pro Jahr kommen rund 2500 Besucher. Rundgänge unter fachkundiger Leitung können auch außerhalb der Öffnungszeiten gebucht werden. Die Audioführung, die über die Lauschtour-App auf das eigene Smartphone geladen werden kann, soll noch mehr Interessierte in die Ausstellungsräume locken. Schon Grundschulkinder könnten den Ausführungen problemlos folgen, sagt Museumsleiterin Isabel Bootz. Für Besucher aus dem Ausland kann die Lauschtour auch in englischer und französischer Sprache abgerufen werden.

Lauschtour: Die Führung

Premiere für die Führung mit Audioguide im Hochheimer Weinbaumuseum, Wiesbadener Straße 1, ist am Sonntag, 17. Februar, ab 15 Uhr.

Die App dazu kann unter dem Suchwort „Lauschtour“ kostenlos aufs eigene Smartphone geladen werden.

Wer ein Gerät im Museum mit Kopfhörer ausleihen möchte, zahlt 3 Euro und bekommt ein Glas Krönungswein oder Traubensaft dazu.

Geöffnet ist das Museum freitags 17 bis 19 Uhr und sonntags 15 bis 17 Uhr.

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