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Justiz

Gerichtsvollzieher für Hessen gesucht

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Das Land Hessen setzt aus Personalmangel zukünftig auf externe Interessenten. Vom Bundesverband der Gerichtsvollzieher kommt Kritik.

Hessen gehen die Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher aus. Im demografischen Wandel fehlen junge Menschen, die den oft herausfordernden Job machen wollen. Bislang können den Beruf in Hessen nur Personen ergreifen, die bereits im mittleren Justizdienst tätig sind und eine 20-monatige Weiterbildung machen. Um dem sich abzeichnenden Personalmangel etwas entgegen zu setzen, bietet Hessen nun auch Menschen außerhalb der Justiz die Möglichkeit, „Geldeintreiber“ zu werden. „Berufe in der Justiz haben gerade in der Pandemie deutlich an Attraktivität gewonnen“, wirbt Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) in dem öffentlichen Aufruf.

Gerichtsvollzieher

In Hessen gibt es derzeit 330 Gerichtsvollzieher:innen. Sie sind Beamt:innen des mittleren Vollzugsdienstes oder Justizfachangestellte und selbstständige Organe der Rechtspflege.

Zu ihren Aufgaben gehören Zustellungen von Schriftstücken, Ladungen und Vollstreckungen. In ihrer Arbeit sind sie weitgehend selbstständig. Über eine Bürokostenpauschale bekommen sie ihre Leistungen zusätzlich honoriert. ote

Karlheinz Brunner hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als er die Anzeige sah. Brunner ist Bundesvorsitzender im Deutschen Gerichtsvollzieher-Bund. „Das sind keine Überzeugungstäter, das sind Triebtäter“, sagt Brunner zu einer Entwicklung, die zuvor auch schon in anderen Bundesländern zu beobachten war. Denn auch Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt haben sich beim Kampf gegen den Personalmangel zur Möglichkeit des Seiteneinstiegs entschlossen. „Das ist der falsche Weg“, ist Brunner überzeugt und verweist auf das Land Baden-Württemberg, das einen umgekehrten Weg geht. Dort gibt es für den Beruf des Gerichtsvollziehers ein dreijähriges Bachelor-Studium, um auf die vielfältigen rechtlichen Herausforderungen vorzubereiten.

Interessent:innen in Hessen müssen eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine dreijährige Berufspraxis vorweisen, bevor sie die 26-monatige Weiterbildung zum Gerichtsvollzieher in Angriff nehmen dürfen. Das Justizministerium wünscht sich Interessierte aus kaufmännischen Berufen, etwa Bankkaufleute. Doch während der Weiterbildung, die größtenteils in Monschau nahe der belgischen Grenze erfolgt, erhalten die Weiterzubildenden monatlich 2700 Euro brutto – für Bankkaufleute mit dreijähriger Berufserfahrung finanziell nicht unbedingt lukrativ. Michael Achtert, Sprecher des hessischen Justizministeriums, hält dem entgegen, dass es da „um mehr als um Geld“ ginge. Schließlich biete der Beruf die Möglichkeit zur Verbeamtung und daher auch Sicherheit.

Auf die Nachfrage der FR, welche Voraussetzungen denn notwendig seien, hieß es, neben der Berufsausbildung brauche es eine mindestens dreijährige Tätigkeit „in einem förderlichen Beruf“. Das Justizministerium will möglichst offen an die Sache rangehen. Laut Brunner wird dies auch notwendig sein. In Nordrhein-Westfalen seien bei dem Seiteneinstieg von 300 Interessierten letztlich 20 übrig geblieben. In Baden-Württemberg hingegen gebe es seit der Umstellung auf den Studiengang keine Probleme mehr. Auf 30 offene Stellen habe es 200 Interessenten gegeben. Hessen will dem Modell nicht folgen. „Die dem Gerichtsvollzieherdienst übertragenen Aufgaben erfordern keine Fachhochschulausbildung“, hieß es aus dem Ministerium.

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