+
Umringt von Fans und Securityleuten: Martin Schulz beim Internationalen Sommerfest auf dem Schlossplatz.

Wiesbaden

Martin Schulz und die internationale Welt

  • schließen

Der SPD-Kanzlerkandidat kreuzt bei einem Sommerfest auf und genießt das Gespräch mit dem Volk.

Wiesbaden ist bunt. Wiesbaden tanzt bunt und macht bunte Musik. Wiesbaden isst bunt. Die Landeshauptstadt feiert bunt, und das ist das Entscheidende beim Internationalen Sommerfest auf dem Schlossplatz. Man ist „Entre Amigos“, wie der Deutsch-Spanisch-Lateinamerikanische Verein schon im Namen kundtut. Man ist unter Freunden. An den Ständen, an Tischen und auf Bänken, vor der Bühne am Abend beim Tanz zu mitreißender Musik. Kolumbianer zwischen Serben und Kroaten, das Alevitische Institut für Kulturpolitische Forschung neben der polnischen Samstagsschule Polska Skola Sabotnia, eine Tamilische Frauenorganisation neben türkischen Frauen in Kopftüchern, die nationale Leckereien am laufenden Meter backen.

Salsa-Musik zur Einstimmung

Kubanische Salsa-Musik von der großen Bühne begleitet die Eröffnung des Festes am frischen Morgen. In die sonnige Musik kommt vom nahen Wochenmarkt her ein Pulk grauer Herren mit kleinen Mikrofonen im Ohr und ernster, wichtiger Miene im Blick. Umringt von Fotografen und Kameramännern, die meisten genauso grau oder schwarz, viele im Rückwärtsgang, damit sie ihr Subjekt der Begierde ablichten können. Der zweite Ring sozusagen um den Mann in der Mitte, den es zu schützen gilt, obwohl er sich doch unbedingt zeigen will in diesen ernsten Zeiten. er will, dass alle ihn kennen, wenn in zwei Wochen die Wahlurne ruft.

Ein paar Hundert mehr werden ihn im Fernsehen erkennen nach der Runde über das 42. Internationale Sommerfest zwischen Rathaus und Landtag. Für manche wird es eine ewige Erinnerung, etwa für das Hochzeitspaar, mit dem er sich volksnah ablichten lässt. Die vielen Selfies aber mit dem Mann, der im Frühjahr als Heilsbringer für die Sozialdemokratie gekürt wurde, werden im weltweiten Netz der Likes und Daumen-runter-Zeichen vielleicht kaum den 24. September überleben.

Ja, es ist wirklich Martin Schulz, die Marktfrau vom letzten Obst- und Gemüsestand vor der Party-Zone hat es verraten. Es war eine herzliche Umarmung vor den Kartoffeln. „De Martin iss en Gude“, sagt einer nach dieser Szene. Der Kanzlerkandidat, der von Zelt zu Zelt zieht, grüßt freundlich, lächelt, hört kurz zu und antwortet artig, wenn er etwas gefragt wird. Hat ein Ohr hat für die Menschen, auch für die vielen hier auf dem Platz, die wohl kein Stimmrecht haben, wenn der neue Bundestag gewählt wird. Was der kleine Mann im dunklen Anzug mit dunkelblauer, zart gepunkteter Krawatte zu sagen hat, hört nur der jeweils innerste Zirkel, ein Mikrofon trägt keiner vor ihm her. Und keiner wird erfahren, was in dem braunen Umschlag steckte, den ihm eine Dame im Rollstuhl reichte, als er einen Moment bei ihr verweilte. Die resolute alte Sozialdemokratin ein paar Schritt weiter nimmt indes kein Blatt vor den Mund. Große Koalition, das will unter ihresgleichen keiner mehr. „Wenn es wieder nur Einheitsbrei gibt, rühre ich keinen Finger mehr für die Partei“, verspricht sie. Seit 50 Jahren gehört sie dazu, eine Widmung hat Martin Schulz ihr dafür in sein Buch mit dem Titel „Was mir wichtig ist“ geschrieben.

Martins Runde dauert eine Stunde

„Martins Runde“ dauert eine knappe Stunde; in seinem Dunstkreis und im Blickfeld der Fotografen stets zu sehen: die „rote Heidi“. Viele Jahre lang war Heidemarie Wieczorek-Zeul Entwicklungsministerin unter Gerhard Schröder, heute ist sie im SPD-Ortsbezirk Wiesbaden-Nord und im Gefolge des Hoffnungsträgers unterwegs. „Wir Frauen müssen Martin wählen“, skandieren ein paar andere SPD-Frauen, die sich noch zum Gruppenfoto um Schulz drängen, ehe er in einer schwarzen Limousine zum nächsten Wahltermin entschwindet.

Martin ist weg, auf der Bühne tanzt eine grazile tamilische Frau einen Pfauentanz, Wiesbaden wird von Stunde zu Stunde bunter. Und „Entre Amigos“ werden auch später immer mal wieder Selfies gezeigt: Menschen aus vielen Ländern und Kulturen mit dem freundlichen Mann mit Bart und Brille, der Bundeskanzler werden will. Es sollte ja ein Fest der Begegnungen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare