Noch längst ist nicht alles behindertengerecht.

Inklusion

Gemeinsam Hürden abbauen

Nach zehn Jahren Behindertenrechtskonvention zieht Sozialminister Klose eine positive Bilanz. Trotzdem bleibe weiterhin viel zu tun.

In Hessen darf kein Gesetz verabschiedet werden, wenn es zur Diskriminierung von behinderten Menschen führen würde. Das regelt ein Leitfaden, der 2016 verbindlich festgeschrieben wurde. Dieses Vorgehen zählt zu den Konsequenzen, die Hessen aus der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen gezogen hat. Sie wurde vor zehn Jahren ratifiziert.

Beim Tag für Menschen mit Behinderungen im Hessischen Landtag nahm Sozialminister Kai Klose (Grüne) dieses Jubiläum zum Anlass, eine vorläufige Bilanz zu ziehen. Als positive Ergebnisse für Hessen nannte der Minister etwa die 20 Modellregionen, die mit zwei Millionen Euro Förderung barrierefreies Leben und inklusive Programme schaffen würden. Auch andere Kommunen könnten sich beim Ministerium um Mittel zum Abbau von baulichen Barrieren bewerben.

Tatsächlich gebe es im Bereich Inklusion aber weiterhin viel zu tun, äußerte Klose und versprach den behinderten Menschen: „Sie können sich darauf verlassen, dass wir weiterhin mit Ihnen und nicht über Sie reden werden.“ Auf dem Plan stehe derzeit zum Beispiel ein Entwurf für Gehörlosengeld, das hörbehinderten Menschen die Möglichkeit gebe, auch im Alltag Dolmetscherdienste wahrzunehmen.

Behinderung in Hessen
In Hessen haben zehn Prozent der Bevölkerung einen Schwerbehindertenausweis. Das entspricht etwa 617 800 Einwohnerinnen und Einwohnern (Stand 2018).

56 Prozent aller Schwerbehinderten sind 65 Jahre alt oder älter.

Etwa 127 600 Menschen, die einen Anspruch auf den Ausweis hätten, haben ihn nicht beantragt.

Auch im Kunst- und Kulturbereich sei noch viel Raum für Verbesserung, berichteten die Schauspielerin und Aktivistin Carina Kühne und der Moderator Axel Schiel. Kühne, die in Berlin auf der Theaterbühne zu sehen ist, wurde mit 18 Jahren für ihre erste Filmrolle entdeckt. Schon immer rebellierte sie gegen das Vorurteil, dass sie aufgrund ihres Downsyndroms zu anspruchsvollen Aufgaben wie der Schauspielerei nicht fähig sei.

Schiel hat in seinem Umfeld schon immer Wert auf Vielfalt gelegt. So lernte er auch ohne eigene Behinderung Gebärdensprache, um zu zeigen, „dass man ein TV-Projekt problemlos zweisprachig moderieren kann“.

Moderator Andreas Winkel wies darüber hinaus auf den Nutzen und die Notwendigkeit einer „leichten Sprache“ hin, die er durch die konstante Erklärung von Fremdworten auch gleich umsetzte.

In diesem Sinne wurde das Treffen im Landtag nicht nur von einer Gebärdendolmetscherin, sondern auch von einer Schriftdolmetscherin übersetzt. Ihren Text konnten die Anwesenden während der Reden in Echtzeit mitverfolgen.

Neben dem offiziellen Empfang hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Workshops auch die Gelegenheit, sich mit verschiedenen Anbietern und Unternehmen über Inklusion in bestimmten Lebensbereichen auszutauschen. Schwerpunkte lagen auf der Beteiligung im Ehrenamt, dem barrierefreien Internet und Kino sowie der bestmöglichen Unterstützung für Sehbehinderte und Blinde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare