Justiz

Geldstrafe für rassistische Worte

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Ein Fußballfan ist am Amtsgericht Langen wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Er hatte einen dunkelhäutigen Security-Mitarbeiter beschimpft und bespuckt.

Gerade einmal zehn Minuten ist das Regionalliga-Fußballspiel zwischen dem SC Hessen Dreieich und dem SV Waldhof Mannheim alt, da wird ein 42-jähriger Anhänger des Gästeteams ausfällig. Er tituliert einen dunkelhäutigen Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes als „Nigger“ sagt „Geh Baumwolle pflücken“ und versucht, den 21-Jährigen anzuspucken. Mehr als sieben Monate nach diesem Vorfall im Hahn-Air-Sportpark in Dreieich bekommt er die Quittung für seine Entgleisungen: Am Langener Amtsgericht verurteilt ihn Richter Christos Anastasiadis wegen Volksverhetzung in Tateinheit mit Beleidigung zu einer Geldstrafe von 6400 Euro.

Mit seinem Urteilsspruch geht der Richter am Freitag sogar über das Strafmaß hinaus, das der Staatsanwalt angeregt hat. Der Vertreter der Anklage sieht 120 Tagessätze à 40 Euro als schuldangemessen an, Richter Anastasiadis macht daraus 160 Tagessätze. Es hätte für den Waldhof-Fan aber noch viel schlimmer kommen können: Das Gesetz sieht Delikte bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe vor. Wobei ihm das Wort „Freiheitsstrafe“ durchaus geläufig ist. Schon zweimal saß er im Gefängnis – einmal wegen versuchter räuberischer Erpressung, einmal wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Insgesamt bringt es der Mannheimer auf stolze 16 Vorstrafen, viele davon wegen Körperverletzung.

„Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn am 8. Dezember 2018 nicht der Zaun zwischen Ihnen und dem Geschädigten gewesen wäre“, sagt der Richter angesichts der zahlreichen Voreintragungen. Den Worten des Angeklagten, er sei „normalerweise nicht rechtsradikal und ausländerfeindlich“, schenkt er wenig Glauben. „So was kommt doch nicht aus dem Nichts“, sagt der Richter.

Weitere Beschimpfungen

Auch der als Zeuge vernommene Gruppenleiter des Sicherheitsdienstes zeichnet ein anderes Bild. Bevor er den Angeklagten damals der Polizei übergab, hatte er ihn nämlich zu seinem Motiv befragt. „Das ist meine Einstellung, ich kann Schwarze nicht leiden“, habe der Waldhof-Anhänger damals von sich gegeben. Und habe auch noch einen anderen farbigen Mitarbeiter an einem anderen Notausgang in ähnlicher Weise beschimpft.

Der Geschädigte, ein Auszubildender zum Fachinformatiker, kann sich vor Gericht noch an einen weiteren Ausspruch erinnern: „Guck mal, der Neger hat einen Sitz, und wir stehen hier“, habe der Angeklagte, der sich mit seiner Gruppe auf der Stehtribüne befand, gesagt. „Er hat mich angespuckt, aber ich bin ausgewichen“, sagt der Frankfurter, der seinen Security-Job nach dem Vorfall an den Nagel gehängt hat.

Dass der Fan auf dem Weg von Mannheim nach Sprendlingen nach eigenen Angaben eine Flasche Wein geleert hat und der Alkoholtest tatsächlich 2,04 Promille anzeigt, hilft ihm vor Gericht nicht weiter. „Er konnte damals ganz normal reden und gehen“, sagt der als Zeuge geladene Polizeibeamte. Der Staatsanwalt sieht keine verminderte Schuldfähigkeit, und der Richter glaubt dem Waldhof-Fan seine Gedächtnislücken nicht.

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