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Vor allem die Vereine mit Kinder- und Jugendmannschaften profitieren vom Geld aus dem Sponsoring-Pool.

Dreieich

Geldsegen bis 2022 für sämtliche Fußballvereine

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Der SC Hessen Dreieich verzichtet auf den Regionalliga-Aufstieg und schüttet stattdessen das Füllhorn über sämtliche Dreieicher Amateurkicker aus.

Hans Nolte, Gründer der Fluggesellschaft Hahn Air und Mäzen des Fußballvereins SC Hessen Dreieich, hat sein im Jahr 2013 gegebenes Versprechen wahr gemacht: Er unterstützt die Basisarbeit in den Dreieicher Fußballvereinen finanziell. Statt eine Million Euro in den bezahlten Fußball in der Regionalliga zu pumpen, bekommt nun jeder örtliche Fußballverein jährlich 3000 Euro Grundförderung, ein nicht näher beziffertes Weihnachtsgeld, sowie 75 Euro monatlich für jede aktive Mannschaft. Fünf Jahre lang dauert dieser Geldsegen, beginnend ab der kommenden Saison.

Ende März hatte der SC Hessen Dreieich in der Sportwelt Schlagzeilen gemacht: Als souveräner Tabellenführer der Hessenliga gab er bekannt, auf den Aufstieg in die Regionalliga zu verzichten. Die Sponsoren-Gelder der örtlichen Wirtschaft, die in einem zentralen Sport-Sponsoring-Pool liegen, sollten nicht in den Profifußball in der Regionalliga, sondern an alle Amateurfußballvereine in der Stadt fließen. Schließlich war die Dreieich Sportstätten Betriebs- und Marketing GmbH (DSBM), die den SC Hessen Dreieich vermarktet, von Nolte als Dachmarke der sporttreibenden Dreieicher Vereine gegründet worden.

Nun hat Nolte also die konkreten Summen genannt, mit denen er den Fußball in Dreieich unterstützen will. Für die sieben aktiven Vereine – den SC Hessen nicht mitgezählt – sowie zwei Jugendfußball-Fördervereine heißt das: Sie haben bis 2022 Planungssicherheit, können Trainingsmaterial und Trikots anschaffen, müssen nicht jeden Cent zweimal umdrehen. Zumal auch die Stadtverordneten am Dienstagabend beschlossen haben, die zeitweise erhobenen Sportplatznutzungsgebühren bis 2018 auszusetzen.

„Die Vereine haben auf der einen Seite weniger Gebühren und auf der anderen Seite die Unterstützung der DSBM“, erklärt Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos), der auch als Vorsitzender des Verwaltungsrates des SC Hessen Dreieich fungiert. Die Ausgestaltung des Sponsoring-Vertrages finde seine „volle Zustimmung“. Unter dem Strich werden die Vereine mit Nachwuchsteams am meisten profitieren, ist er sich sicher. Mehr als 1000 Kinder und Jugendliche kicken in Dreieich.

Zwei Jugendfußball-Fördervereine (JFV) – Ausbildungsvereine für den Fußballnachwuchs – gibt es in Dreieich. Sie haben sehr viele Teams im Spielbetrieb. 26 Jugendmannschaften, von den Bambinis bis hinauf zur A-Jugend, hat etwa der JFV Dreieich angemeldet, in dem die SKG Sprendlingen und SuSGO Offenthal kooperieren. Bei 75 Euro Förderung pro Team macht das 23.400 Euro, die jährlich auf die 3000 Euro Grundförderung obendrauf kommen.

„Für einen Verein wie uns ist das viel Geld“, sagt Vorstandsvorsitzender und Jugendleiter Falko Frank. Mehr als 26.000 Euro pro Jahr würden die Saisonplanung nun einfacher machen. Bisher finanzierte sich der JFV Dreieich über Sponsoren, Spenden und die Mitgliedsbeiträge in den beiden Stammvereinen.

Frank ist mit der Sponsoring-Summe der DSBM hoch zufrieden. „Jugendarbeit ist teuer und aufwendig. Über jede Entlastung sind wir dankbar – egal, wo sie herkommt.“ Für seinen Verein sei die Entscheidung des SC Hessen Dreieich positiv – auch wenn sich sein Sportlerherz schon über eine heimische Mannschaft in der Regionalliga gefreut hätte. Weil jeder Club die gleiche Förderung erhält – egal, ob er Jugend- oder nur Seniorenteams im Spielbetrieb hat – dürfte es „in der Stadt keinen Neid geben“, meint Frank.

Neid aus den Nachbarstädten wird den Dreieicher Fußballern aber wohl gewiss sein – zumal so manche Stadt die Vereinsförderung auf Geheiß der Aufsichtsbehörden zurückschrauben musste. Frank sieht das gelassen: „Zu den auswärtigen Vereinen stehen wir sowieso immer in Konkurrenz.“ Trotzdem hofft er, dass Hans Nolte mit seiner „Dachmarken-Strategie“ in anderen Kommunen Nachahmer findet. „Ich fände es nicht schlecht, wenn sich auch in anderen Städten potenzielle Geldgeber finden würden.“ Schließlich sei es doch besser, die Jugend im Verein zu binden als sie auf der Straße zu haben.

Das sieht auch Hans Nolte so. Wenn die beste Amateurmannschaft Hessens ihren Erfolg „nicht auf dem Altar der Maßlosigkeit opfert, sondern damit ihren Nachwuchs und den Breitensport nährt“, werte das vielleicht den Amateur-Fußball in Deutschland insgesamt auf.

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