Not gemeinsam lindern

Das Geld dreimal umdrehen

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Obwohl Julia Sch. lange gearbeitet hat, reicht die Rente nicht zum Leben. Sie hofft auf Unterstützung der FR-Altenhilfe.

Es sei schon sehr frustrierend, sagt Julia Sch. Um ihre drei Kinder habe sie sich weitgehend allein gekümmert und dazu noch mehr als 30 Jahre lang gearbeitet, zunächst in einem Hotel, dann an einer Tankstelle. „Ich war immer da, nie krank“, sagt die gelernte Verkäuferin. Dennoch ist sie nun darauf angewiesen, ihre Rente durch Grundsicherung aufzustocken, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Was aber auch nur mehr schlecht als recht gelinge.

Gerade einmal 230 Euro blieben ihr im Monat zum Leben, rechnet die 1949 geborene Julia Sch. vor. Ein Eis oder ein Cappuccino seien da nur selten drin. „Ich muss das Geld dreimal umdrehen.“ Und das im reichen Bad Homburg.

Dennoch sei sie nicht allzu neidisch auf die Millionäre in der Nachbarschaft. Schließlich gebe es auch Leute, die es noch schlimmer treffe, etwa diejenigen, die für ihren Lebensunterhalt Flaschen sammeln müssten.

Sie selbst nutzt alle zwei Wochen das Angebot der Bad Homburger Tafel, um sich ein günstiges Lebensmittelpaket abzuholen. Leider seien die Geschäfte nicht mehr so spendabel wie früher, hat sie festgestellt. Voll des Lobes ist Julia Sch. hingegen für den „Bad Homburg Pass“ der Stadt. Für nicht einmal zwölf Euro pro Monat könne sie damit unbegrenzt mit den Stadtbussen fahren.

Und auch über ihre persönliche Situation wolle sie nicht klagen. Gut sei, dass alle ihre Kinder im selben Haus wie sie lebten. Falls sie einmal gesundheitliche Probleme habe, sei vor allem ihre Tochter schnell da, um zu helfen.

Seit dem vergangenen Jahr wird Julia Sch. von der Altenhilfe unterstützt. „Ich habe geheult wie ein Schlosshund“, als sie davon erfahren habe, schildert die Bad Homburgerin.

Von dem Geld habe sie sich eine kleine Gefriertruhe kaufen können – als Ersatz für ihre Kühltruhe, die nach 20 Jahren den Geist aufgegeben hatte. „Die hatte ich damals noch von meinem Chef bekommen.“ Und sogar ein Paar Schuhe und eine neue Hose habe sie sich einmal gönnen können, freut sich Julia Sch.   

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