"Faires Handwerk"

Gegen die Sub-Sub-Kultur

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Maler und Lackierer rufen Initiative "Faires Handwerk" ins Leben.

Dumping-Löhne auf dem Bau schaden allen. Davon sind die Urheber der Initiative „Faires Handwerk“ bei der Maler- und Lackierer-Innung Rhein-Main überzeugt. Den Wanderarbeitern, die zuweilen in menschenunwürdigen Zuständen hausen und teilweise um ihren Lohn geprellt werden. Den Verbrauchern, weil sie unter Umständen jegliche Gewährleistung für die erbrachten Leistungen verlieren. Den Fachbetrieben, die ihre Mitarbeiter ordentlich bezahlen. Und nicht zuletzt dem Fiskus, dem durch scheinselbstständig arbeitende Subunternehmer Steuern entgehen. 

„Wir haben festgestellt, dass wir bei marktüblichen Preisen nicht mehr in der Lage sind, unsere Mitarbeiter zu bezahlen“, erläutert Guido Mensinger, Geschäftsführer der Mensinger Malerwerkstätten aus Frankfurt, den Ursprung der Idee. 

Entstanden ist sie ihm zufolge in der sogenannten Elefantenrunde, in der sich die großen Malerbetriebe der Innung regelmäßig treffen und besprechen. Die Preise anpassen oder den Markt verändern – diese Alternative habe es gegeben. Ziel ist es nun, mit der Initiative den Markt zu verändern. „Der sich angeblich selbst kontrollierende Markt ist erheblich gestört“, sagt Jürgen Jobmann, Obermeister der Innung. Und Felix Diemerling, Geschäftsführer der Maler- und Lackierer-Innung Rhein-Main ergänzt: Es gebe zwar viele Gesetze, aber der Staat setze sie oft nicht ausreichend durch. 

Die Folge seien sozial erpressbare Wanderarbeiter, sorglose Kunden und ordentlich arbeitende Betriebe, die im Wettbewerb nicht mehr bestehen könnten. Dadurch, dass sich seit 2004 auch Handwerker ohne  Meisterbrief selbstständig machen können, gebe es zudem immer weniger Ausbildungsbetriebe, moniert Isabell Walter vom Malerbetrieb Roland Walter aus Werheim (Hochtaunus). 

Im Kern geht es um eine Selbstverpflichtung der Betriebe, nur sozialversicherungspflichtige und angestellte Mitarbeiter mit der Arbeit zu beauftragen. Mit der Initiative wollen die Maler und Lackierer zwei Dinge verändern: Einerseits wendet sie sich gegen die „Sub-Sub-Kultur“. Durch die Weitergabe von Aufträgen an Subunternehmer, die wiederum Subunternehmer beauftragten, sparten die ursprünglichen Auftragnehmer Kosten ein, „die die ehrlichen nicht kompensieren können“, so Diemerling. Dafür soll bei den Kunden ein Bewusstsein geschaffen werden. Außerdem fordert Diemerling die Wiedereinführung der Meisterpflicht sowie mehr Personal für die zuständigen Kontrollbehörden.

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