Rainald Mohr ist Sprecher des BVDM im Hochtaunuskreis.

Interview

„Gegen Raser hart durchgreifen“

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Rainald Mohr vom Motorradverband BVDM wehrt sich gegen Kollektivstrafen und kündigt Protest gegen dauerhafte Straßensperrungen an.

Herr Mohr, die anstehende Sperrung von Straßen rund um den Feldberg ist vorerst nur ein Test. Was stört Sie daran?
Wir sehen in einer Streckensperrung eine Diskriminierung von Bürgern, die sich regelkonform verhalten. Schließlich zahlen alle Motorradfahrer Steuern, mit denen auch die Straßen rund um den Feldberg unterhalten werden. Wenn ich mich korrekt verhalte, muss es mir auch erlaubt sein, dass ich diese Straßen benutzen darf. Ein Streckenverbot, das alle trifft, anstelle der Verfolgung von Rasern und Lärm-Chaoten, ist das Eingeständnis von Staatsversagen.

Die Ergebnisse der Testsperrungen sollen ergebnisoffen ausgewertet werden. Glauben Sie das nicht?
Der BVDM hat inzwischen viele Erfahrungen mit Streckensperrungen und den entsprechenden Gerichtsverfahren gemacht. Wir gehen davon aus, dass der Test nur dazu dienen soll, eine bereits geplante Sperrung gerichtsfest zu machen.

Ihr Verband hat für den 16. Juni eine Demonstration mit über 1000 Motorrädern angemeldet. Was wollen Sie damit erreichen?
Wir wollen deutlich machen, dass eine große Zahl von Motorradfahrern gegen eine Straßensperrung ist, und die Politik hier eine rote Linie überschreitet. Wir wollen aber auch den Bikern, die sich nicht an die Regeln halten, ins Gewissen reden. Dabei setzen wir auf ein gutes Einvernehmen mit den Ordnungsbehörden. Deshalb haben wir bewusst einen Termin jenseits des Testwochenendes gewählt.

Anwohner klagen über zunehmenden Lärm, die Polizei verzeichnet steigende Unfallzahlen mit Motorrädern in der Feldbergregion. Wie geht Ihr Verband damit um?
Für die Sorgen der Anwohner haben wir Verständnis. Auch wir wollen, dass der Lärmpegel signifikant gesenkt wird. Das Aufkommen an Motorrädern ist rund um den Feldberg deutlich höher als anderswo, daher ist es logisch, dass es zu mehr Unfällen kommt. Allerdings gibt es tatsächlich Leute, die solche Strecken mit dem Nürburgring verwechseln. Gegen die muss man hart durchgreifen.

Rainald Mohr (62) ist Sprecher des Bundesverbandes der Motorradfahrer (BVDM) für den Hochtaunuskreis. 

Der Verein mit Sitz in Köln feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen und hat deutschlandweit mehr als 1000 Mitglieder.

Wie?
Wir fordern ausdrücklich stärkere Kontrollen und Strafen. Die Polizei muss personell und technisch deutlich besser ausgerüstet werden, damit sie ihre Aufgabe erfüllen kann. Außerdem müssen wir dahin kommen, dass bei Verstößen künftig der Halter des Motorrads haftet, sollte sich der Fahrer einer Identifizierung entziehen. Wir werden noch in diesem Jahr den Ordnungsbehörden Maßnahmen anbieten, bei welchen wir direkt pädagogisch auf Raser und Lärm-Chaoten einwirken wollen. Wir werden auch sehr praktische straßenbauliche Maßnahmen vorschlagen, die das Tempo der Motorräder herabsetzen können.

Was ist mit dem Lärm?
Manipulierte Auspuffanlagen lehnen wir selbstverständlich ab. Aus unserer Sicht sollte schon ihr Verkauf strafrechtlich verboten werden. Auch sind die Zulassungsbestimmungen nicht streng genug. So lassen die aktuellen Bestimmungen den Herstellern legale Hintertürchen offen, ähnlich wie bei den Abgastests für Dieselautos. Ein Beispiel ist die Lärm generierende Auspuffklappensteuerung, die aus unserer Sicht verboten gehört.

Was werden Sie tun, wenn es zu dauerhaften Streckensperrungen kommen sollte?
Dagegen wird der BDVM juristisch vorgehen. In vergleichbaren Verfahren haben wir bislang in sieben von zehn Fällen vor Gericht gewonnen. Diese Gerichtsverfahren werden durch weitere, massivere Demonstrationen begleitet.

Warum ist es überhaupt so attraktiv für Biker, in den Taunus zu kommen?
Wegen der schönen Landschaft und der kurvenreichen Straßen. Außerdem ist das Feldberg-Plateau für viele ein Treffpunkt, an dem man in angenehmer Atmosphäre einen Kaffee trinken und mit Gleichgesinnten ein Schwätzchen halten kann.

Interview: Torsten Weigelt

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