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Zigarettenkippen, achtlos auf der Karlstraße an der Ecke Bansastraße ausgedrückt.

Neu-Isenburg

Gegen die Vermüllung in Neu-Isenburg

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Die Stadt Neu-Isenburg tut viel für die Sauberkeit: Sie hat mehr Papierkörbe und Dogstations angebracht als andere Städte. Trotzdem beschweren sich die Bürger.

Ein Hundehaufen neben einem Baum im Bansapark, hier und da Papierfetzen, achtlos weggeworfene Getränkebecher, Verpackungsreste und Einwegmasken auf dem Boden, Unkraut am Wegesrand und jede Menge Zigarettenstummel – das ist die Bilanz eines Rundgangs durch die Neu-Isenburger Innenstadt, den der Erste Stadtrat Stefan Schmitt (CDU) am Donnerstagvormittag organisiert hatte. Nachdem es vor allem wegen Hinterlassenschaften von Hunden „Beschwerden auf allen Kanälen“ gegeben habe, wollte er zeigen, wie groß das Problem in der Stadt ist und was die Verantwortlichen dagegen und gegen die Vermüllung allgemein tun.

Um es vorwegzunehmen: Die Neu-Isenburger jammern anscheinend auf hohem Niveau – wenn man die Verschmutzung mit Städten wie Offenbach oder Dietzenbach vergleicht. Beim Rundgang, an dem auch Mitarbeiter des Dienstleistungsbetriebs (DLB) und des Ordnungsamtes teilnahmen, fand man keinen einzigen Abfallbehälter, der überquoll. Auch von Hundekotbeuteln, die angeblich gefüllt in die Umgebung geworfen werden, war nichts zu sehen.

In der Stadt gibt es insgesamt 68 Dogstations für 1650 angemeldete Hunde. Zum Vergleich: Dreieich hat nur 20 dieser Spender für Hundekotbeutel mit darunterhängenden Abfalleimern. Dass es dennoch „schwarze Schafe“ gibt, berichtete Petra Klink, Vorstand des DLB Dreieich-Neu-Isenburg. Ihre Gärtner, die die Grünanlagen pflegen, könnten ein Lied davon singen. Und auch Harald Schäfer, Bereichsleiter Straßenreinigung beim DLB, berichtete, im Moment finde man fast an jedem Stadtbaum Hundekot – auch wenn am Donnerstag davon wenig zu sehen war. Seitdem die Stadt die Hundesteuer von 30 auf 60 Euro verdoppelt habe, sei das Problem größer geworden, so Silvia Gabriel vom Ordnungsamt.

Sauberkeit in Zahlen

574 Papierkörbe und 68 Dogstations gibt es in Neu-Isenburg. Das sind 14,5 Papierkörbe pro 1000 Einwohner; der Bundesdurchschnitt liegt bei 11,5 Papierkörben.

Auf die Fläche betrachtet heißt das: 23,6 Papierkörbe pro Quadratkilometer – mehr als doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt (11,4 pro Quadratkilometer).

Jeden Tag leeren die sieben Mitarbeiter des Dienstleistungsbetriebs (DLB) 120 volle Papierkörbe mit einem Gewicht von rund acht Kilogramm.

Knapp 500 000 Euro gibt die Stadt jährlich für die Entsorgung, die Reparatur und den Aus tausch der Papierkörbe und Dogstations, die Reinigung öffentlicher Wege und Plätze, sowie die Straßenreinigung mit der Kehrmaschine aus.

„Die Hundesteuer ist eine Regulierungssteuer. Damit verhindern wir, dass jemand zehn Hunde hat“, sagte Petra Klink. Aussagen von ertappten Sündern, die sich mit dem Satz „Ich zahle doch Hundesteuer“ verteidigen, seien fehl am Platz.

Der DLB ist täglich mit sieben Leuten und zwei Kehrmaschinen im Einsatz, um Papierkörbe zu leeren und Straßen sowie Plätze von Unrat zu befreien. Aktuell fahren die Mitarbeiter fünfmal statt zweimal pro Woche „neuralgische Punkte“ wie die Frankfurter Straße, den Bansapark oder den Wilhelmsplatz an, und sie sind auch am Wochenende unterwegs. „Meine Männer haben immer mehr zu tun“, beklagte sich Harald Schäfer. Es gebe zwar einen Tourenplan, doch müssten sie oft auf Beschwerden reagieren.

Die Stadt will noch mehr in die Sauberkeit investieren: Sie schafft jetzt eine Maschine an, die Zigarettenstummel aufsaugt, vor allem die in der Nähe von Sitzgelegenheiten.

Neu-Isenburg erhebt übrigens keine Straßenreinigungsgebühr, die etwa Bürger in Offenbach oder Langen zu zahlen haben. Damit haben die Grundstückseigentümer aber die Pflicht, einmal pro Woche bis zur Straßenmitte zu kehren, Unkraut zu rupfen und die Baumscheiben zu reinigen. Das Engagement könnte größer sein, zeigte der Rundgang. Einige Anlieger werden wohl in den kommenden Tagen eine Aufforderung in ihrem Briefkasten vorfinden.

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