+
Schülerinnen informieren Mitschüler über Vorurteile und jahrhundertelange Ausgrenzung.

Gutenbergschule in Darmstadt

Gegen Antiziganismus

  • schließen

Der Leiter der Gutenbergschule im Darmstädter Stadtteil Eberstadt geht möglicher Diskriminierung von Sinti nach.

An der Gutenbergschule im Darmstädter Stadtteil Eberstadt werden Kinderrechte großgeschrieben. An der Wand des Gebäudes hängt ein Schild mit der Aufschrift „Modellschule für Kinderrechte“. Auch die ersten drei Buchstaben im Logo der nach dem Mainzer Buchdrucker Johannes Gutenberg benannten Kooperativen Gesamtschule werden großgeschrieben. Doch ob auch bei den Themen Ausgrenzung und Rassismus alles gut in seinem Haus ist, will Schulleiter Andreas Stüber nun herausfinden.

Erst dieser Tage, während der Eröffnung einer Ausstellung über den „Weg der Sinti und Roma“, erfuhr Stüber aufgrund einer entsprechenden Nachfrage der Frankfurter Rundschau davon, dass es vor einigen Jahren offenbar „antiziganistische Vorfälle“ an der Schule gegeben hat und dass es möglicherweise nach wie vor auch im Lehrerkollegium Ressentiments gegenüber Sinti und Roma gibt. Ein ehemaliger Schüler berichtete Stüber am Rand der Vernissage, dass er seinerzeit von einem Lehrer als Sanktion für ein Fehlverhalten dazu gedrängt worden sei, die Schultoilette zu putzen. Der junge Mann empfand dies als diskriminierend und vermutet, dass die Strafe im Zusammenhang mit seiner Sinti-Zugehörigkeit stand.

Er habe dem Lehrer angeboten, eine andere Arbeit zu erledigen, was dieser abgelehnt habe. Die Mutter des jungen Mannes berichtete, sie sei von einem Lehrer der Gutenbergschule stets mit dem Nachnamen einer anderen in Eberstadt bekannten Familie angesprochen worden, obwohl sie dem Pädagogen ihren richtigen Namen gesagt habe. Auch dies empfand die Frau als diskriminierend.

In einer Mitteilung der Stadt Darmstadt, in der Repräsentationstermine des Magistrats aufgelistet waren, hatte es zur Ankündigung der Ausstellungseröffnung geheißen, das Projekt „Aufklärung über Antiziganismus in Eberstadt“ sei von der Unterarbeitsgruppe „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ der AG Kinder und Jugend in Darmstadt-Eberstadt initiiert worden. Anlass hierfür sei gewesen, „dass vermehrt von antiziganistischen Vorfällen an der Gutenbergschule und im Sozialraum Eberstadt-Süd berichtet wurde“.

Präventiv Ressentiments   bekämpfen

Von solchen Vorfällen hatten bisher weder Schulleiter Stüber noch Susanne Flath, die als Sozialpädagogin in Eberstadt tätig ist, und auch nicht Ralph von Kymmel, der Leiter des Staatlichen Schulamts für den Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Stadt Darmstadt, etwas gehört. Stüber, der erst seit knapp drei Jahren als Schulleiter an der Gutenbergschule tätig ist, bot der Mutter und dem ehemaligen Schüler spontan an, sich mit ihm zu treffen, um über die Vergangenheit zu sprechen und gegebenenfalls Konsequenzen für die Zukunft ziehen zu können.

Schulamtsleiter von Kymmel sagte am Freitag der FR, alle Schulleiter seien angewiesen, ausländerfeindliche und rassistische Vorkommnisse dem Schulamt zu melden. Von Kymmel lobte zugleich die „Schulprojekttage gegen Antiziganismus“ an der Gutenbergschule, um auch präventiv Ressentiments und Ausgrenzungen zu bekämpfen.

Noch bis zum nächsten Freitag, 26. Oktober, werden Schülerinnen und Schüler, die in Workshops zu „Guides“ ausgebildet wurden, ihr erworbenes Wissen an einzelnen Stationen der Ausstellung an Mitschüler und Besucher weitergeben. Die vom Marburger Historiker Udo Engbring-Romang mit dem hessischen Landesverband Deutscher Sinti und Roma zusammengestellte Ausstellung, die den Untertitel „Wie ,Zigeuner’-Bilder und Vorurteile möglich machen können …“ trägt, thematisiert die kontinuierliche Ausgrenzung und Verfolgung von Sinti und Roma seit ihrer Ankunft im deutschsprachigen Raum vor mehr als 600 Jahren. Auf 37 Informationsflächen wird die Geschichte der Vorurteile gegen Sinti und Roma, deren Auswirkungen auf die Minderheit und die Gegenwehr gegen den Antiziganismus präsentiert.

Heute Abend werden die Schüler-Guides von 17 bis 21 Uhr bei einem „offenen Abend“ durch die mobile Ausstellung führen. Am kommenden Freitag besteht dazu von 10 bis 13 Uhr bei einem „offenen Vormittag“ erneut die Gelegenheit. Die Ausstellung kann zudem zu den Schulöffnungszeiten in der Aula der Eberstädter Gutenbergschule, Gabelsbergerstraße 4-8, bei freiem Eintritt besichtigt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare