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Lebensgefahr durch Oberleitungen

Bahnanlagen in Hessen

Hessen: Bahn warnt vor lebensgefährlichen Aktionen 

Selfies auf Bahngleisen sind bei Jugendlichen in Mode gekommen. Die Bahn warnt vor solchen leichtsinnigen Aktionen.

Scheinbar verlassene Gleise, abgestellte Waggons und hohe Masten zum Klettern: Bahnanlagen ziehen junge Leute auf der Suche nach Abenteuern an. Tatsächlich handelt es sich um eine hochgefährliche Umgebung, warnt die Deutsche Bahn. So kam im Januar im Kreis Fulda ein 21-Jähriger ums Leben, der nachts auf einem Waggon mitgefahren und beim Abspringen gegen einen Mast geprallt war. Vergangenen Sommer erlitt in Darmstadt ein 13-Jähriger einen tödlichen Stromschlag auf einem abgestellten Güterwaggon.

Erst vor wenigen Tagen gab es einen Beinahe-Unfall in der Nähe von Marburg: Ein 18-Jähriger stand am 11. Juni auf den Schienen, mit Tempo 140 raste der Regionalexpress Kassel-Frankfurt auf ihn zu. Der junge Mann konnte rechtzeitig zur Seite springen, nun wird gegen ihn ermittelt.

Besonders Kinder und Jugendliche wüssten oft nicht um die Gefahr, die von Zügen und Oberleitungen ausgehe, sagt Christian Altenhofen von der Bundespolizei in Koblenz. Deshalb verstärken Bahn und Polizei zu Beginn der Sommerferien ihre Präventionsarbeit. Bahnanlagen dürften nicht betreten werden und seien kein Platz für Abenteuer, warnen sie.

Altenhofen sagt, um einen tödlichen Stromschlag zu erleiden, genüge es, sich einer Oberleitung auf nur 1,50 Meter zu nähern. 20 Unfälle im Zusammenhang mit Oberleitungen registrierte die Bahn im vergangenen Jahr bundesweit – darunter den tödlichen in Darmstadt.

Auch fahrende Züge seien eine große Gefahr, denn sie seien viel leiser unterwegs als allgemein angenommen und könnten nicht ausweichen. Der Bremsweg könne bis zu einen Kilometer lang sein. Eine Abkürzung über Gleise zu nehmen oder Schienen für Mutproben zu nutzen, sei deshalb ausgesprochen leichtsinnig.

Auch das Phänomen „Selfie im Gleis“ habe sich zu einer lebensgefährlichen Angewohnheit entwickelt, die nicht nur das Leben kosten, sondern sogar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könne, sagt Altenhofen.

73 Störungen und Unfälle im Bahnbereich zählte die Bundespolizei vergangenes Jahr im Land, im Jahr zuvor waren es 84. Auch der Fall von „S-Bahn-Surfen“ des 21-Jährigen, der im Januar in Osthessen tödlich endete, ist kein Einzelereignis gewesen. Ein 18-Jähriger ließ sich im vergangenen September auf dem Dach der Taunusbahn nieder und fuhr kilometerweit mit.

Fahrgäste alarmierten die Polizei, die den jungen Mann schließlich fasste. „Sehr gefährlich, nicht witzig und schon gar nicht cool“, befanden die Beamten auf Facebook.

Selbst beim Warten am Bahnsteig drohe Gefahr, wenn die Regeln nicht beachtet würden, sagt Altenhofen. Ein in den Gleisbereich hineinragender Rucksack etwa könne bei Einfahrt eines Zuges zu schweren Unfällen führen. Die weißen Sicherheitslinien seien nicht umsonst auf den Bahnsteigen angebracht. (dpa)

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