In Memoriam

Gedenkfeier für ermordeten Politiker Karry

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Der Hessische Landtag erinnert an den 1981 erschossenen Politiker Heinz-Herbert Karry. Landtagspräsident Boris Rhein nennt ihn „ein Vorbild für uns“.

Für Boris Rhein (CDU) ist es keine Frage, wie Heinz Herbert Karry auf die NSU-Morde, das Attentat auf Kassels Regierungspräsidenten Walter Lübcke oder das „Massaker in Hanau“ reagiert hätte. „Er hätte seine Stimme deutlich erhoben“, sagt der Präsident des Hessischen Landtags bei der Gedenkveranstaltung am Dienstag anlässlich des 100. Geburtstags des langjährigen Wirtschaftsministers, dessen Ermordung nach knapp 40 Jahren immer noch nicht aufgeklärt ist. Der volksnahe FDP-Politiker habe zu seinen Überzeugungen gestanden, ohne intolerant zu sein. „Da ist er ein Vorbild für uns.“

Auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hebt die Konsequenz hervor, mit der Karry seine Ziele verfolgt habe: „Für seine Überzeugung hat er mit dem Leben bezahlt.“ Das möge allen eine Mahnung sein: „Alle Härte und Klarheit der Auseinandersetzung“ rechtfertige nicht Hass und Gewalt. „Das ist eine dauerhafte Verpflichtung.“

Heinz-Herbert Karry

Der Kaufmann und Schuhimporteur, geboren im März 1920, zog 1960 für die FDP in den Hessischen Landtag ein, dem er bis 1978 angehörte.

Als Wirtschaftsminister amtierte Karry von 1970 bis zu seiner Ermordung.  


Als treibende Kraft galt Heinz-Herbert Karry beim Ausbau der Atomkraft, der Autobahn und bei dem Bau der Startbahn West am Frankfurter Flughafen.

Am 11. Mai 1981 wurde er in seinem Haus in Frankfurt-Seckbach erschossen. Drei Wochen später bekannten sich die Revolutionären Zellen zu dem Attentat. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt. jur

Im Musiksaal des Landtags gedenken Landespolitiker und einstige Weggefährten des Mannes, der, so Bouffier, erheblich zur wirtschaftlichen Prosperität Hessens beigetragen hat. Der ein „Musterbeispiel für das Wirtschaftswunder“ war. Schon sehr früh die Fühler nach China oder Russland ausstreckte, um Handelsbeziehungen zu schmieden. Die Wurzeln seines Handels hätten in den Erfahrungen des Dritten Reichs gelegen, in dem der Halbjude Karry Zwangsarbeit leisten musste. „Er wusste, was Ausgrenzung, Abgrenzung und Gewalt bewirken.“

„Für seinen Einsatz für die politische Mitte, für Innovation, Infrastruktur und das Eintreten für die soziale Marktwirtschaft hat er mit dem Leben bezahlt“, sagte FDP-Landesvorsitzende Stefan Ruppert. „Der feige Mord linker Extremisten an unserem liberalen Vorbild ist uns Mahnung und Anspruch, die freiheitlich-demokratische Grundordnung gegen ihre extremistischen Feinde, gleich welcher Prägung, zu verteidigen.“

Zu hören sind aber nicht nur nachdenkliche Töne, sondern auch Anekdoten. Boris Rhein hat in einem Zeitungsarchiv einen Artikel über eine Karnevalssitzung gefunden. Kein Politiker hatte demnach so viel Applaus bekommen, wie der „Frankfurter Bub“ Karry.

Ministerpräsident Bouffier erzählt von seiner ersten Begegnung mit dem FDP-Politiker. Er selbst war damals Vorsitzender der Jungen Union. Zuvor habe er den Politiker nur aus der beliebten TV-Apfelweinserie mit Heinz Schenk gekannt. „Mein Bild von ihm hatte ich im Wesentlichen aus dem Blauen Bock gewonnen.“

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