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Gedenken an Hanau: Keine Ruhe, kein Vergessen

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Von: Timur Tinç

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Hunderte Menschen gedenken auf dem Hanauer Marktplatz der Opfer des rassistischen Anschlags.
Hunderte Menschen gedenken auf dem Hanauer Marktplatz der Opfer des rassistischen Anschlags. patrick scheiber © Patrick Scheiber

In Hanau wird am dritten Jahrestag des rassistischen Anschlags vom 19. Februar der Opfer gedacht. Angehörige und Initiativen fordern weiter Aufklärung, die Politik ruft zum Kampf gegen Rassismus auf.

Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtovic, Vili Viorel Paun, Fatih Saraçoglu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov. Am 19. Februar 2020 wurden diese neun Menschen Opfer eines rassistischen Anschlags in Hanau. Am Sonntag ist ihnen am dritten Jahrestag des Anschlags in vielen Städten in Deutschland gedacht worden.

Zur zentralen Gedenkstunde nach Hanau kamen rund 500 Menschen, darunter Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU). An der anschließenden Demonstration gegen Rassismus, Behördenversagen und für eine lückenlose Aufklärung der Tatnacht nahmen mehrere Hundert Menschen teil.

Rhein und sein Stellvertreter Tarek Al-Wazir (Grüne) sagten am Sonntag, dass es für die „grausamen, unfassbaren“ Morde niemals ein Vergessen geben könne. „Wir müssen alles in unserer Macht Stehende dafür tun, damit sich so eine furchtbare Tat nicht wiederholt. Nicht in Hanau und nirgendwo sonst“, sagte Rhein.

Terror in Hanau

Online-Dossier: Die Frankfurter Rundschau begleitet seit dem rassistischen Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 die Familien - und analysiert die politischen Konsequenzen. Gebündelt im Online-Dossier „Terror in Hanau“.

Multimedia-Reportage: FR-Redakteurin Yağmur Ekim Çay und FR-Redakteur Gregor Haschnik haben mit Hinterbliebenen gesprochen, ihre Geschichte und den Stand der Recherchen aufgeschrieben. Fotograf Michael Schick hat die Menschen porträtiert und die Orte des Geschehens und des Gedenkens in Bildern festgehalten. Crossmedia-Redakteurin Monika Gemmer hat eine multimediale Web-Story mit interaktiven Grafiken produziert.

Nach dem Gedenkakt kamen die Teilnehmenden auf dem Hauptfriedhof in Hanau zusammen. Dort wurde für jedes der Opfer ein Blumengesteck niedergelegt, ebenso auf den anderen Friedhöfen im In- und Ausland, auf denen die Opfer beerdigt sind. Zu der anschließenden Demonstration hatte unter anderem die Initiative 19. Februar aufgerufen: „Wir werden weiter für Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen kämpfen. Aber heute gedenken wir.“

In Frankfurt fand am Samstag neben einer Kundgebung der Kommunalen Ausländerinnen- und Ausländervertretung (KAV) auf dem Rathenauplatz abends eine Demonstration mit rund 300 Menschen statt. Bei einer Gedenkstunde an der Paulskirche wurde am Samstagabend die Fassade des Gebäudes mit den Namen der neun Opfer und dem Spruch „Say their names“ illuminiert. Zuvor hatten Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg und Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner (beide Grüne) einen Gedenkkranz vor dem Graffito unter der Friedensbrücke niedergelegt.

„Das sind keine Zufallstaten, die von einzelnen Personen verübt werden. Solche Gewalttaten sind Botschaftstaten, sie haben System“, sagte die Bürgermeisterin. Sie forderte ein härteres Vorgehen gegen geistige Brandstifter, die selbst keine Gewalt ausübten, aber den Nährboden für das Wachsen und Stabilisierung rechter und rassistischer Ressentiments legten. In Gedenken an die neun Opfer sagte Eskandari-Grünberg: „Wir werden euch niemals vergessen“. (mit dpa/epd)

Claus Kaminsky (l.), Boris Rhein und Nancy Faeser legen Kränze nieder.
Claus Kaminsky (l.), Boris Rhein und Nancy Faeser legen Kränze nieder. © dpa

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