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Die Kundgebung auf dem Hanauer Freiheitsplatz wurde per Livestream übertragen.

Reaktionen

Bundesweite Solidarität

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Für die Absage der Demonstration hagelte es heftige Kritik. Bundesweit sendeten Aktivist:innen solidarische Grüße nach Hanau. In Offenbach wurde eine spontane Demo verboten.

Die kurzfristige Absage der Demonstration in Hanau am 22. August stieß auf viel Kritik. Vor allem, weil noch vor wenigen Tagen Corona-Leugner auf den Straßen demonstrieren durften und in Nordrhein-Westfalen weiterhin ein Konzert mit mehr als 10 000 Menschen geplant ist.

Ein Angehöriger von Gökhan Gültekin, eines der neun Opfer vom rassistisch motivierten Anschlag, sagte am Samstag auf der Kundgebung, dass die kurzfristige Absage der Demonstration respektlos sei. „Wir handelten über Wochen ein Hygienekonzept mit der Stadt aus. Wir haben uns so viel Mühe gegeben und so viel Energie hineingesteckt. Das ist einfach nur beschämend für diese Stadt und für Oberbürgermeister Claus Kaminsky“, sagte er.

Auch in den sozialen Medien hagelte es Kritik. Die Klimaaktivistin Carola Rackete schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Was ist das für ein Land, in dem alle Corona-Leugner wochenlang in großen Gruppen ohne Masken demonstrieren, die Gedenkdemo mit Hygienekonzept in Hanau aber am Abend vorher abgesagt wird?“

Die Politikwissenschaftlerin Rosa Burç kommentierte die Absage ebenfalls auf Twitter: „Staaten konstruieren ihre Erinnerungskultur immer nach nationalen Ausschlusskriterien. Eindeutig, dass hier keine Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit und Gegenwart gewollt ist und unsere Lebenswirklichkeiten von der Geschichte dieses Landes ausgeschlossen werden.“

„Wir verlieren auf Dauer Glaubwürdigkeit und jedes Vertrauen der Angehörigen der Opfer, wenn Corona-Leugner ohne Maske und Abstand aufmarschieren, Corona-Partys stattfinden, S-Bahnen aus allen Nähten platzen, aber die Gedenkdemo von Hanau abgesagt wird“, schrieb Helge Lindh, SPD-Bundestagsabgeordneter, auf Twitter.

In kurzer Zeit organisiert

Doch trotz der Kritik an der Absage der Demonstration kam es bundesweit zu Solidaritätsbekundungen. Innerhalb weniger Stunden organisierten die „Initiative 19. Februar“ gemeinsam mit antirassistischen Initiativen und Kollektiven bundesweit einen Livestream von der Kundgebung in Hanau, der in über 50 Städten ausgestrahlt wurde.

Allein in Frankfurt fanden elf Kundgebungen statt. Unter anderem an der Hauptwache. Von dort startete nach der Kundgebung eine spontane Demonstration.

Auch bundesweit fanden neben den Kundgebungen weitere Aktionen statt. In Chemnitz malten am Samstagabend Aktivist*innen ein Graffiti mit den Namen der Opfer an einen Holzbauzaun mit der Aufschrift: „In Gedenken an die Ermordeten von Hanau. Yallah yalla Migrantifa.“

In Würzburg wurden auf eine Brücke die Namen der Opfer mit Kreide gemalt, in Potsdam versammelten sich rund 550 Menschen für eine Demonstration. Auch in Offenbach wollte Janina Hirth mit ihren Freunden am Samstag demonstrieren. Doch die Stadtpolizei lehnte am Freitagabend ihren Antrag mit der Begründung ab, dass der Anschlag von Hanau sechs Monate her sei und es daher keinen Grund für eine spontane Demonstration gebe, sagte Hirth der FR. „Ich habe daraufhin meinen Anwalt kontaktiert. Er sagte, die Begründung sei nicht möglich. Wir werden im Nachhinein Widerspruch einlegen“, sagte Hirth.

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