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Gebühren steigen kräftig

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Das Wasserwerk in der Talstraße gehört zum Versorgungssystem der Stadt Friedrichsdorf. Das kostbare Nass wird in Zukunft teurer. priedemuth
Das Wasserwerk in der Talstraße gehört zum Versorgungssystem der Stadt Friedrichsdorf. Das kostbare Nass wird in Zukunft teurer. priedemuth © jp

Bürger und Bürgerinnen müssen mehr fürs Wasser bezahlen

friedrichsdorf - Friedrichsdorf will an der Gebührenschraube drehen, und das nicht zu knapp. Im Hauptausschuss und Ausschuss für Finanzen, Wirtschaftsförderung und Digitalisierung standen gleich vier Punkte auf der Tagesordnung, die der Magistrat sich vorgenommen hat. Außer den Elternbeiträgen in den Kitas sollen auch die Wasser-, die Abwasser- und die Abfallgebühren steigen.

Und, um es vorwegzunehmen: Dass die Friedrichsdorfer von Januar an mehr bezahlen sollen, sorgte im Ausschuss für heftige Diskussionen - und mehrere Sitzungsunterbrechungen. Am Ende bekamen die Satzungsänderungen beim Wasser und Abwasser mit den Stimmen der Koalition aus Grünen, FWG und SPD grünes Licht.

Vier Erhöhungen in einer Sitzung, das sei „schwer auszuhalten“, bekannte Rathauschef Lars Keitel (Grüne). „Aber wir müssen das wirklich angehen.“ Die Müllgebühren hätten aus Vertragsgründen neu berechnet werden müssen. Bekanntlich war die Abfallentsorgung fürs Stadtgebiet neu ausgeschrieben worden, weil der bestehende Vertrag mit der Firma Knettenbrech und Gurdulic zum Jahresende ausläuft.

Die Trink- beziehungsweise Brauchwassergebühren indes würden alle zwei Jahre neu kalkuliert, und diesmal soll auf Beschluss der Betriebskommission auch die Grundgebühr abgeschafft und fortan in die Beträge hineingerechnet werden - als Anreiz zum Wassersparen, sagte Keitel. Die Gebühren für Regen- und Schmutzwasser wurden zuletzt 2010 angepasst - und decken längst nicht mehr die Kosten: Von 2014 bis 2021 kamen im Bereich Abwasserentsorgung Fehlbeträge in Höhe von 4,1 Millionen Euro zusammen, wie die Stadt in der Beschlussvorlage vorrechnet. Dabei bestehe ein gesetzlich fixiertes Kostendeckungsgebot, sagte Stadtkämmerer Uwe Hild. Keitel: „Nichts zu tun, geht am Ende zulasten des Ergebnishaushalts. Und ein defizitärer Haushalt belastet die Allgemeinheit auch.“

Die kostendeckenden Beträge, die durch ein Fachbüro berechnet wurden, bedeuten zum Teil saftige Erhöhungen: Die Gebühr für einen Kubikmeter Trinkwasser soll von 2,55 Euro auf 3,30 Euro (kalkulatorische Verzinsung in Höhe von vier Prozent) oder 3,18 Euro (drei Prozent) steigen.

Für den Kubikmeter Brauchwasser könnten künftig 2,55 Euro beziehungsweise 2,47 Euro fällig werden. Unterm Strich bedeutet das: Ein vierköpfiger Friedrichsdorfer Haushalt (200 Kubikmeter Verbrauch) zahlt statt 542 Euro in Zukunft 660 oder 636 Euro, also um die 100 Euro mehr. Wenn anteilig auch Brauchwasser genutzt wird, fällt die Differenz halb so hoch aus. Bei der Entwässerung stehen die höchsten Steigerungen ins Haus: Ein Kubikmeter Schmutzwasser - kostendeckend - könnte von 2023 an statt 2,27 Euro 3,41 oder 3,28 Euro (kalkulatorische Verzinsung von drei Prozent) kosten, Niederschlagswasser 85 oder 80 Cent (bisher: 56 Cent). Der Vier-Personen-Haushalt, der 200 Kubikmeter Wasser verbraucht, zahlt so fürs Schmutzwasser mindestens 200 Euro mehr: nämlich rund 650 Euro statt wie bisher 450 Euro (Variante: drei-prozentige Verzinsung). Dazu kommt das Niederschlagswasser je nach versiegelter Fläche.

Fest steht: Die angepassten Abwassergebühren sorgen je nach Variante für beachtliche Mehreinnahmen - in der Beschlussvorlage ist von einem Plus in Höhe von 1,9 bis 2,2 Millionen Euro die Rede. „Wir müssen die Ertragsseite stärken, das hat uns die Aufsichtsbehörde schon in die Haushaltsgenehmigung 2022 geschrieben“, unterstrich Kämmerer Hild. Die Stadt habe „massive Liquiditätsprobleme“.

Man müsse nach Erleichterungen suchen, sagte auch Birgit Brigl (SPD). „Aber wenn wir überhaupt nicht erhöhen, kommen wir an einen Punkt, wo wir noch mehr erhöhen müssen. Wir müssen seriös haushalten und wir müssen die Infrastruktur erhalten“, so Brigl, die ein schrittweises Vorgehen vorschlug, das laut Stadt aber nicht umsetzbar ist. Am 3. November hat das Parlament das letzte Wort.

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