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Eine Biene sucht im Frankfurter Bethmannpark Lavendelblüten nach Nektar ab.
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Eine Biene sucht im Frankfurter Bethmannpark Lavendelblüten nach Nektar ab.

Naturschutz

Geballt für Artenvielfalt in Hessen

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Das Lore-Steubing-Institut soll künftig über die Biodiversität in Hessen wachen. Es vereint viele Fachleute unter einem Dach in Gießen.

Das Windschutzproblem lag Lore Steubing am Herzen, und der Tau. „Der Tau und seine Beeinflussung durch Windschutzanlagen“ hieß ein Teil ihrer Habilitationsschrift von 1952. Sechs Jahre später kam sie nach Gießen, wo sie bald als Professorin und Direktorin Einzigartiges schaffen sollte: ein botanisches Institut mit ökologischer Ausrichtung – und schließlich die Gesellschaft für Ökologie, heute die weltweit drittgrößte Vereinigung ihrer Art.

Veranlassung genug also, eine Neugründung im Steubing’schen Sinne nach der vor neun Jahren verstorbenen Pionierin zu benennen: Das am Mittwoch offiziell seiner Bestimmung übergebene Zentrum für Artenschutz und Biodiversität in Hessen heißt Lore-Steubing-Institut (LSI). Es soll die Biodiversitätsforschung bündeln, damit Forschungseinrichtungen und der behördliche Naturschutz künftig enger zusammenarbeiten können. Nach Angaben der Landesregierung ist es der bundesweit erste institutionenübergreifende Biodiversitätsforschungsverbund.

Mit im Boot sind das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), die Universitäten von Frankfurt, Gießen, Marburg, Darmstadt und Kassel, die Hochschule Geisenheim und die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung.

Sie wollen gemeinsam Forschungsprojekte planen, die Politik beraten, mit weiteren Naturschutzorganisationen und Engagierten zusammenarbeiten. Themen sind etwa das Insektensterben in Hessen, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Artenvielfalt, Auenrenaturierung, neu zuwandernde Arten sowie „Management und Monitoring“ von Tier- und Pflanzenarten – die Begriffswahl zeigt: Es geht auch um neue Methoden, und die haben häufig englische Namen.

„Wir wollen den Artenschwund aufhalten, und deshalb brauchen wir eine fundierte wissenschaftliche Grundlage“, sagte Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) am Mittwoch in Gießen, „kombiniert mit den Erfahrungen aus der Praxis, um weiter gezielt die richtigen Rahmenbedingungen setzen zu können.“ Das LSI werde dabei ein wichtiger Ratgeber sein.

Das Institut vereine Know-how und hochkarätige Forschung unter einem Dach, betonte die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne). Es sei damit „ein hervorragendes Beispiel für die geballte Kraft von Forschungsverbünden“.

Einen „Quantensprung in der Biodiversitätsforschung für Hessen“ nannte HLNUG-Präsident Thomas Schmid die Gründung des Lore-Steubing-Instituts. Joybrato Mukherjee, der Präsident der von Anfang an beteiligten Justus-Liebig-Universität Gießen, sagte, die Bündelung der hessischen Expertise unter einem Dach mache die wichtigen Zukunftsthemen besser sichtbar und helfe, den regionalen Auswirkungen des Klimawandels wirksam entgegenzutreten.

Das Institut wird damit nicht alleinstehen. Am 1. Januar 2022 nimmt das Hessische Zentrum für Artenvielfalt in Gießen seine Arbeit auf. Ihm werden weitere Facheinrichtungen angehören, etwa das Wolfszentrum und die aus Frankfurt ausgelagerte Vogelschutzwarte.

Der BUND gab seiner Hoffnung Ausdruck, das LSI möge schnell „die bisherige Lücke im schnellen Wissenstransfer zwischen wissenschaftlichem Kenntnisstand und Behördenpraxis“ schließen. Verwaltung und Landwirtschaft müssten sich offen für wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, um das Artensterben zu bremsen. Es sei nun wichtig, auch die Aus- und Fortbildung zum Naturschutz für alle Verwaltungen in der Naturschutzakademie zu bündeln, die ebenfalls Teil der HLNUG und des Zentrums für Artenvielfalt werden soll.

Lore Steubing war übrigens eine der ersten Professorinnen in Gießen, und nicht nur dort. China und Chile ernannten sie zur Honorarprofessorin, in Ungarn erhielt sie die Ehrendoktorwürde.

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