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Wo’s blinkt, da fliegt’s.

DFS 

Zu Gast bei den Dirigenten der Lüfte

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Die Flugsicherung in Langen ist dafür verantwortlich, dass es keine Kollisionen im Flugverkehr gibt. Dafür müssen die Fluglotsen auch eine eigene Sprache lernen.

Der Projektor wirft eine übermannsgroße schwarze Fläche an die Wand. Darauf flitzen etliche orange Punkte wild durcheinander. Anders als die Besucher der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen, behält Axel Raab bei dem scheinbaren Chaos den Überblick. Mit der Projektion erklärt er einer Schar von Interessierten, womit es die Fluglotsen jeden Tag zu tun haben: Flugzeuge, dargestellt als orange Punkte auf den Bildschirmen – und deren Anzeige sieht ungleich chaotischer aus als der Vorgeschmack, den Raab den Besuchern an die Wand wirft.

Es soll ein beispielhafter Ausschnitt des Flugverkehrs über Europa sein, erklärt Raab, und deutet mit seinem Laserpointer auf die Ballungszentren, die die einzelnen Punkte ansteuern: „Rom, Paris, Madrid, Frankfurt, Ballermann.“ Gelächter im Publikum.

In der Tendenz nähmen die orangfarbenen Punkte, sprich: die Flugzeuge über Europa, seit Jahren zu: Erstmals registrierte die DFS 3,35 Millionen Flugbewegungen. So nennen die Lotsen den Start, die Landung und das Durchqueren eines Luftraums. Alle 16 internationalen Flughäfen werden von der Langener Flugsicherung überwacht – also auch Frankfurt, München, Düsseldorf und Berlin. Dort kann kein Flugzeug ohne die Arbeit der DFS aus seiner Parkposition rollen; für jede Flugzeugbewegung muss der Tower auf dem Frankfurter Flughafen grünes Licht geben. Erst, wenn die Maschine in der Luft ist, übernimmt das Area Control Center (ACC) an den verschiedenen Standorten der DFS in Deutschland die Kontrolle. Ab 7500 Metern ist dann das Upper Area Control Center (UAC) verantwortlich.

Ganz Europa ist in Sektoren unterteilt, jeweils zwei Lotsen kümmern sich um einen Sektor. Von Frankfurt nach Hamburg durchfliegt ein Flugzeug beispielsweise fünf Sektoren, die Piloten müssen sich bei jedem Sektor an- und abmelden.

Kollisionen verhindern

Raab unterbricht seinen Vortrag mit einem Video, das Fluglotsen mit Kopfhörern und Mikrofonen an ihren Bildschirmen zeigt. Sie geben den Piloten die angemessene Flughöhe durch, die Richtung und das nächste Flugzeug im Himmel. Kollisionen zu verhindern, ist die wichtigste Aufgabe der Lotsen und ihr täglich Brot. Sie sprechen auf Englisch mit den Piloten, sagen für „three“ aber „tri“ wie in „trinken“ – aber nicht, weil sie es nicht besser könnten.

Im Gegenteil, sie wurden in einem eigenen Funksprechkurs auf diese ungewöhnliche Aussprachevariante getrimmt. Denn ein sauber englisch ausgesprochenes „th“ würde durch die Übertragung zu Zischgeräuschen verzerrt. Dadurch würde der Funkverkehr erheblich gestört und die Sicherheit im Flugverkehr beeinträchtigt. Außerdem rufen sich die Dirigenten der Lüfte diverse Abkürzungen zu, etwa Rolis, PSA, Kerax oder Unoko. Dahinter verbergen sich die unterschiedlichen Anflugpunkte in Frankfurt, zum Beispiel im Nordwesten, Nordosten, Süden oder Westen.

Für den orangen Punkt, der nun auf Raabs Projektor erscheint, geht es von Frankfurt nach Hamburg. Eine Kurzstrecke für das minimalistisch dargestellte Flugzeug. Die Kontrolle der Reise, erklärt Raab, beginnt beim Frankfurter Tower. Sobald die Maschine in der Luft ist, übernimmt die Sicherung in Langen. Auf der Hälfte der Strecke melden die Piloten sich dann bei der europäischen Flugsicherung „Eurocontrol“ in Maastricht an. Vor Hamburg übernehmen die Lotsen in Bremen, die das Flugzeug nach der Landung an den Tower in Hamburg übergeben.

Bei den Langener Fluglotsen herrscht vollste Konzentration.

Nicht nur wegen der Kollisionsgefahr sei von erheblicher Bedeutung, dass genügend Abstand zwischen den Flugzeugen bei Start und Landung besteht. Raab warnt auch vor „Wirbelschleppen“, und erklärt den ratlos dreinschauenden Besuchern, dass jedes Flugzeug so durch die Luft fliegt, dass es hinter sich eine Spur von Luftverwirbelungen hinterlässt. Wenn eine andere Maschine diese Verwirbelungen durchfliege, könne es im schlimmsten Fall abstürzen.

Auch das verhindern die Langener Fluglotsen, und in gewisser Weise lässt sich ihre Arbeit auch vom Mainufer in Frankfurt aus beobachten. Denn wer dort in den Himmel schaut, wird bemerken, dass die Flugzeuge in der Regel in Richtung Westen, also in Fließrichtung des Mains starten oder landen. Denn der Wind zieht in Frankfurt meistens aus dem Westen vom Atlantik her ins Land. „Und Flugzeuge starten und landen im Idealfall gegen die Windrichtung“, sagt Raab. Dadurch hätten die Flieger mehr Auftrieb. Deshalb muss die DFS auch genau im Blick haben, wie die Winde über die Flughäfen hinwegwehen.

Die Aufgaben der Flugsicherung sind also mindestens so komplex wie der flackernde Wirrwarr, den Axel Raab an die Wand projiziert hat. Kein Wunder, dass den Lotsen deshalb auch ein besonderer Sinn für räumliches Denken und eine starke Konzentrationsfähigkeit abverlangt wird. Im Schnitt bestehen den Eignungstest nur fünf Prozent der Bewerber. Auf die kommt es aber umso mehr an.

Verlosung

Die FR verlost eine exklusive Führung durch die Zentrale der Flugsicherung in Langen. Wer miterleben möchte, wie die Fluglotsen in der Radarkon-trollzentrale die Flugzeuge in der Luft begleiten und welche Aufgaben die Mitarbeiter dabei erfüllen müssen, bewirbt sich bis Montag, 15. Juli, 10 Uhr, auf unserer Internetseite https://fr.de/gewinnspiel. Das Losungswort lautet „Flugsicherung“. 

Wenn Sie in Begleitung kommen möchten, nutzen Sie bitte die Zeile „Anmerkungen/Hinweise“. Dort können Sie eintragen, mit wie vielen Personen Sie gerne an der Führung bei der Flugsicherung teilnemen möchten. 50 Personen können insgesamt an der Führung am 24. Juli teilnehmen. Die Führung dauert zwei Stunden und ist nicht für Personen unter 14 Jahren geeignet.  

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