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Stefan Marcinek ist Vorstandsvorsitzender der Gamearea Hessen.
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Stefan Marcinek ist Vorstandsvorsitzender der Gamearea Hessen.

Games-Förderung in Hessen

Gamesbranche Hessen: „Andere Bundesländer sind uns um mehrere Schritte voraus“

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Stefan Marcinek vom Vorstand der Gamearea Hessen spricht im Interview über zu geringe Fördersummen für die Gamesbranche und fehlende Wertschätzung.

Das Land Hessen hat im Frühjahr 2021 die erste Games-Förderung des Landes gestartet. Mit dem Programm Hessen Serious Game sollten Entwicklerstudios unterstützt werden, deren Apps oder Spiele beispielsweise zur Bildung, Gesundheitsförderung, Chancengleichheit oder zum persönlichen Zeitmanagement beitragen. Zunächst war eine Gesamtfördersumme von 200 000 Euro geplant, schlussendlich wurde sie auf 325 000 Euro angehoben. Insgesamt gab es 13 Bewerbungen, von denen sieben eine Förderung bekamen. Die FR sprach mit Stefan Marcinek, Vorstandsvorsitzender des Branchenverbands Gamearea Hessen, über die Förderung und Hessens Chancen im Wettbewerb mit den anderen Bundesländern.

Herrn Marcinek, bei Hessen Serious Games wurden vor kurzem sieben Projekte mit einer Förderung bedacht. Ein guter Schritt oder üben Sie Kritik?

Ein guter, wenn auch kleiner und längst überfälliger Schritt, denn man darf nicht vergessen, dass die Förderung bereits 2018 beschlossen wurde, also mit einigen Jahren Verspätung nun an den Start ging. Auch war die Einreichungsfrist sehr kurz gewählt, weniger als einen Monat. Da sich die Förderung vor allem an junge Studios und Teams richtet, ist eine Einreichungsfrist von nur vier Wochen viel zu kurz, gerade wenn man sich mit diesem Thema, einen Förderantrag stellen, alle benötigten Materialien zusammenbringen und so weiter, kaum auskennt und es zum ersten Mal macht.

Was müsste sich bei diesem Förderprojekt verbessern?

Die Fördersumme von 200 000 Euro ist für eine substanzielle Förderung viel zu wenig. Auch wenn die Förderung für 2021 auf 325 000 Euro aufgestockt wurde, reicht der Betrag natürlich nicht aus. Auch sollte man das Förderinstrument, das zurzeit insbesondere auf Serious Games ausgelegt ist, erweitern und das volle Games-Spektrum abbilden. Aber dies gelingt nur mit einer erheblichen Erhöhung der Förderung.

Und was sind im Allgemeinen Ihre Forderungen?

Wir als Gamearea Hessen fordern schon seit geraumer Zeit einen deutlichen Ausbau der Landesförderung mit einer Aufstockung auf zwei Millionen Euro jährlich. Viele andere Bundesländer sind in der allgemeinen und in der finanziellen Unterstützung der Games-Branche viel weiter. Auch wenn wir in Hessen eine gute Allgemeininfrastruktur zu bieten haben, zeigen hier andere Bundesländer, was man erreichen kann, wenn man nur will. Gerade wenn ich mir als Unternehmen im Games-Bereich überlege, ob ich ein Studio oder eine Niederlassung in einem neuen Bundesland eröffnen will, steht Hessen sicherlich nicht ganz oben auf der Wunschliste.

Warum ist die Förderung in anderen Bundesländern besser?

Eine Förderung kann nur so gut sein, wie die Idee und das Engagement, das dahinter steckt. Natürlich muss ein ausreichend finanzielles Fundament gegeben sein, was in Hessen noch deutlich ausbaubar ist und erweitert werden muss. Wenn ich mir jedoch andere Bundesländer ansehe, die ganz oben mitspielen, also NRW, Bayern und Berlin, dort gibt es, meiner Meinung nach, ein anderes Grundverständnis und damit auch eine deutlichere Wertschätzung der Games-Branche gegenüber. Zum Beispiel gibt es hier regelmäßige Treffen auf höchster politischer Ebene bis hoch zum Ministerpräsidenten. Dies ist eine Signalwirkung, eine Motivation, die man nicht unterschätzen darf, und was Hessen leider etwas vermissen lässt.

Hat Hessen die Games-Förderung etwas verschlafen?

Hessen ist einer der ältesten Standorte für Games. Nicht nur mit Niederlassungen von ausländischen Games-Unternehmen, sondern vor allen Dingen mit einheimischen Studios, die weltweit bekannt sind, wie zum Beispiel Deck 13 oder Crytek. Aber diese Imagestellung verlieren wir auf ganzer Linie mit einer viel zu spät eingesetzten und unterfinanzierten Förderung. Wie bereits erwähnt, sollte sie 2018 kommen, also vor mehr als drei Jahren. In diesem Jahr ging es dann endlich mit deutlicher Verzögerung los. Wir als Gamearea haben schon früh und immer wieder auf das Potenzial einer deutlichen Landesförderung hingewiesen, leider passierte jedoch lange Zeit nichts seitens des Landes.

Ist die Branche der Spieleentwickler vielleicht nicht bedeutend genug angesichts anderer großer Branchen?

Ich glaube, dass man den Vergleich zwischen einzelnen und vor allen unterschiedlichen Industrie- und Wirtschaftszweigen nicht immer ziehen kann. Schauen wir nach Bayern, da ist unter anderem die Autoindustrie sicherlich eine starke Kernindustrie, trotzdem habe ich noch nie gehört, dass ein Herr Söder sagt, „ihr von der Games-Branche, ihr seid unwichtiger“. Ganz im Gegenteil, hier herrscht, wie ich finde, ein völlig anderes Grundverständnis der Games-Industrie gegenüber. Die Spielebranche ist eine Branche, die in ganz viele andere Industrien abstrahlt, die äußerst technologiegetrieben ist. Es geht also nicht nur ums „Spielen“. Und auch wenn wir als Verband sehr zu schätzen wissen, was Hessen bereits getan hat, aber das muss deutlich mehr anerkannt werden und vor allen Dingen auch deutlich mehr unterstützt werden. Denn andere Bundesländer sind uns nicht nur um einen Schritt, sondern gleich um mehrere, voraus.

Interview: Steven Micksch

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