Im Dietzenbacher Lager von Galeria Logistik gehen wahrscheinlich im Herbst die Lichter aus.
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Im Dietzenbacher Lager von Galeria Logistik gehen wahrscheinlich im Herbst die Lichter aus.

Dietzenbach

Galeria-Logistik in Dietzenbach droht die Schließung

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Die Geschäftsleitung von Galeria Karstadt Kaufhof will das Lager von Galeria-Logistik in Dietzenbach wahrscheinlich aufgeben. 170 Beschäftigte könnten im Herbst arbeitslos sein.

Hiobsbotschaft für gut 170 Beschäftigte im Dietzenbacher Logistikzentrum des Unternehmens Galeria Karstadt Kaufhof: Die Geschäftsleitung hat ihnen eröffnet, dass der Standort wohl im Herbst schließen wird. Dann werden sie wahrscheinlich nicht nur arbeitslos, sondern werden aus insolvenzrechtlichen Gründen entweder gar keine Abfindungen erhalten oder höchstens zweieinhalb Monatsgehälter – obwohl viele von ihnen schon seit mehr als 25 Jahren im Betrieb arbeiten.

Wie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in einer Pressemitteilung schreibt, war wegen der Verschmelzung von Kaufhof und Karstadt im Lager in Dietzenbach zuerst der Abbau von 50 Beschäftigten geplant. Für sie existierte ein Sozialplan, die Kündigungsfristen liegen im Sommer.

Für die verbliebenen gut 170 Beschäftigten gab es lediglich eine Standortgarantie bis Ende 2020. Sie hofften aber auf Logistik-Geschäfte mit Drittkunden und dem Versandhändler „dress for less“, der in einigen Kaufhof-Filialen Flächen gemietet hat. Diese Hoffnung zerschlug sich aber, genauso wie eine Integration des Galeria-Standortes Dietzenbach in die Firma Fiege-X-Log. Der Dienstleister Fiege gründete mit Karstadt dieses Logistikunternehmen.

Schutzschirmverfahren  eingeleitet

In der Corona-Krise leitete Galeria Kaufhof Karstadt dann Anfang April ein Schutzschirmverfahren ein. Das ist eine Vorstufe eines Insolvenzverfahrens, bei der der Schuldner die Kontrolle über sein Unternehmen behält. In seinem Sog geriet auch Galeria Logistik in ein solches Insolvenzverfahren.

Somit gibt es laut Verdi-Sekretär Matthias Schäfer für die gut 170 Arbeitnehmer bis Ende Juni Insolvenzgeld, dann muss der Arbeitgeber die Löhne entweder wieder selbst zahlen oder Kurzarbeit beantragen. Am 18. Mai teilte die Geschäftsleitung den Beschäftigten im 50 000 Quadratmeter großen Logistikzentrum an der Waldstraße dann mit, dass im Herbst die Schließung droht. Seit Ende Mai finden nun mit dem Gesamtbetriebsrat Gespräche über einen Interessensausgleich statt. Die Geschäftsleitung mache Druck, so Verdi. Es sei zu befürchten, dass erste Kündigungen bereits im Juni zum Ende September ausgesprochen werden, sagt Schäfer. „Der Standort Dietzenbach wird nicht mehr gebraucht.“

Aus Mitarbeiter-Kreisen war am Donnerstag zu erfahren, dass die Belegschaft wütend und verzweifelt ist. Zum einen seien die meisten Beschäftigten schon 25 bis 35 Jahre im Betrieb tätig, zum anderen gebe es viele Mitarbeiter jenseits der 50 Jahre, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben werden. „Wir fühlen uns einfach abgelegt“, heißt es. In der Vorwoche sei eine Betriebsversammlung einberufen worden.

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