Kristallhöhle Kubach

Funkelnde Überraschung in der Tiefe

Sie ist die einzige Kristallhöhle der Bundesrepublik, eine geologische Sensation 70 Meter tief unter der Erdoberfläche. Dass die Höhle in der Nähe Weilburgs überhaupt gefunden wurde, ist dem Zufall und einem engagierten Lehrer zu verdanken.

Weilburg.­ "Herrlich! So etwas Schönes gibt es nicht noch mal!" Das waren der Überlieferung nach die ersten Worte, die von den funkelnden Wänden der Kubacher Kristallhöhle widerhallten. Gesprochen wurden sie vor 35 Jahren, am 15. Oktober 1974, als erstmals ein Mensch die Höhle in der Nähe der mittelhessischen Stadt Weilburg betrat. Umgeben von 350 Millionen Jahre altem Kalkgestein und geschmückt mit unzähligen Kristallen und Tropfsteinen ist sie die einzige ihrer Art in Deutschland. Dass die geologische Sensation 70 Meter tief unter der Erdoberfläche überhaupt gefunden wurde, ist dem Zufall und einem engagierten Lehrer zu verdanken.

Eigentlich hatte der mittlerweile pensionierte Oberstudienrat Karl-Heinz Schröder gemeinsam mit seinen Mitstreitern eine in Vergessenheit geratene Tropfsteinhöhle wiederfinden wollen. Die entdeckten sie zwar nicht, dafür aber die rund 200 Meter lange und 30 Meter hohe Kristallhöhle, die heute unter Naturschutz steht. Rund 40.000 Besucher steigen pro Jahr zu ihr hinab. Ein angrenzendes Museum sowie ein Freilicht-Steinemuseum informieren über die Erdgeschichte und über das Kubacher Höhlensystem, das während der Eiszeit vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren entstand.

Die große Höhlensuche begann Anfang der 1970er Jahre. Damals zog Gymnasiallehrer Karl-Heinz Schröder in den Weilburger Ortsteil Kubach und erfuhr von Nachbarn, dass in einem Hügel 300 Meter von seinem neuen Haus entfernt eine Tropfsteinhöhle existieren sollte. Wo genau, wusste allerdings keiner. Auch nicht, ob es sie wirklich gab, denn die einzigen Berichte darüber stammten von Bergleuten aus dem 19. Jahrhundert. "Da hat mich die Entdeckungs- und Abenteuerlust gepackt", erzählt der heute 77-jährige Schröder. Fortan durchforstete er die Archive der Region, um etwas über die mysteriöse Höhle herauszufinden.

Er stieß dabei auf einen Artikel des "Weilburger Tageblatts" aus dem Jahr 1906, in dem über eine "prächtige Tropfsteinhöhle" berichtet wurde. Laut Schröder war die tatsächlich 1881 entdeckt worden, als in Kubach Phosphorit abgebaut wurde. Doch die Höhle habe die zuständige Bergbaufirma nicht besonders interessiert. Kurzerhand sei der Stollen zu den Tropfsteinen wieder zugeschüttet worden. 1906 aber waren die Zeitgenossen Feuer und Flamme für den "ungehobenen Schatz" und wollten ihn für den Tourismus nutzen. 1907 gab das Bergamt Weilburg ein Gutachten in Auftrag, ließ die Ausmaße der Höhle und die Kosten für ihre Erschließung ermitteln. Schnell war klar: Zu teuer. Das Projekt wurde beerdigt, und die Höhle geriet in Vergessenheit. Wohl auch, weil in dem Gutachten eine wichtige Information fehlte: die genaue Lage der Tropfsteinhöhle. "Ein echter Schildbürgerstreich", meint Schröder.

Im Januar 1973 gründete er gemeinsam mit mehreren Gleichgesinnten die "Interessengemeinschaft zur Erforschung und Erschließung der Kubacher Tropfsteinhöhlen", aus der der "Höhlenverein Kubach" hervorging. Heute gehören ihm rund 300 Mitglieder an. Gemeinsam mit seiner Frau Margrit, den Mitgliedern und mit Unterstützung von Wissenschaftlern, Bohrfirmen und Technik wollte Schröder dem Hügel auf den Grund gehen. Nach Monaten führten die Suchbohrungen zum Erfolg, die Hobby-Geologen fanden zwei Höhlen. Eine davon war die Kristallhöhle.

Viel wusste man von den Hohlräumen in der Tiefe zunächst noch nicht. Zwar wurde eine spezielle Kamera in die Bohrlöcher gelassen, die zeigte aber nur einige wenige Tropfsteine. Schnell wurde klar: "Wir müssen da rein." Es wurde also weiter gebohrt. Noch heute freut sich Schröder darüber, dass die beteiligten Bohrfirmen kostenlos ihre schweres Gerät und ihre Experten einsetzten. Im Frühjahr 1974 konnte dann die erste Höhle betreten werden, im folgenden Oktober war der große Moment für die Kristallhöhle gekommen. Der Bohrmeister hatte die Ehre, als erster Mensch die funkelnde Sensation in der Tiefe zu bewundern. Schröder stieg erst viel später hinab: "Ich habe den Politikern den Vortritt gelassen."

Die Begeisterung war groß über die überraschende Entdeckung. Einig war man sich zudem, dass die einzigartige Kristallhöhle für den Tourismus erschlossen werden sollte. Stadt, Kreis, Land und Höhlenverein investierten gemeinsam insgesamt etwa 2,3 Millionen Mark (rund 1,1 Millionen Euro) und viel Arbeit, bis die Höhle im März 1981 feierlich für Besucher eröffnet wurde. Die Suche nach der Tropfsteinhöhle haben Schröder und der Höhlenverein derweil noch nicht aufgegeben, denn deren Entdeckung ist laut Satzung immer noch oberstes Ziel des Vereins. Seit Ende September wird daher wieder eifrig im Kubacher Untergrund gebohrt. (dpa)

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