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„Der dritte Weg“ bei einer Demonstration im sächsischen Plauen.

Neonazis in Fulda

„Der dritte Weg“ will durch Fulda marschieren

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Die Neonazi-Partei möchte am Samstag in Fulda demonstrieren und an die Bombardierung Dresdens durch die Alliierten erinnern.

Für die Einwohner Fuldas ist es inzwischen schon fast ein gewohntes Bild geworden – allerdings eines, das nur die wenigsten von ihnen liebgewonnen haben dürften. Männer und einige Frauen in grünen und beigen T-Shirts, die in Formation durch die Stadt marschieren. Über ihren Köpfen flatternde Fahnen, auf denen weiß auf grün wahlweise das Symbol von Hammer und Schwert oder die Eichenlaub-umkränzte römische Ziffer drei prangt – das Symbol der neonazistischen Kleinpartei „Der dritte Weg.“

Für den kommenden Samstag mobilisiert „Der dritte Weg“ erneut nach Fulda. Aufhänger für den zweiten Aufmarsch der rechtsextremen Gruppierung in der Stadt ist der Jahrestag der alliierten Luftangriffe auf Dresden. In der Ankündigung, die – wie in rechtsextremen Kreisen üblich – die Opferzahlen der Bombardements um ein Vielfaches übertreibt, ist von einem „zentralen Gedenktag der nationalrevolutionären Bewegung“ die Rede. Großspurige Worte angesichts der gerade einmal 60 bis 90 Teilnehmer, die laut Auskunft der Fuldaer Magistratspressestelle seitens der Veranstalter angemeldet sind.

„Wir sind mehr - Wir sind Fulda“ - Gegendemonstration geplant

Bei der antirassistischen Initiative „Fulda stellt sich quer“ rechnet man mit einem Vielfachen an Gegendemonstranten. Sprecher Andreas Goerke geht davon aus, dass sich bis zu 2000 Teilnehmer dem „dritten Weg“ entgegenstellen werden. Zwei Bündnisse planen Gegendemonstrationen. „Fulda stellt sich quer“ ruft unter dem Motto „Wir sind mehr – wir sind Fulda“ gemeinsam mit rund 80 weiteren Initiativen und Vereinen zum Gegenprotest entlang der Route der Neonazi-Demonstration auf.

Unter der Federführung des Fuldaer Ablegers der „Katholischen Arbeiterbewegung (KAB) hat sich derweil das „Aktionsbündnis für ein demokratisches und weltoffenes Fulda“ gebildet – bestehend aus Parteien und kirchlichen Initiativen. Ihr Konzept sieht vor, in der Fuldaer Innenstadt eine ganztägige stationäre Gegenveranstaltung abzuhalten – so lange, bis „Der dritte Weg“ sein „Gedenken“ beendet hat.

Genauer Ort noch unklar

Allerdings stehen die Organisatoren der Gegenproteste vor dem Problem, dass Ort und Zeit des Neonazi-Gedenkens noch nicht feststehen. Nach Auskunft der Magistratspressestelle hat die Stadt den Anmeldern zwar eine Route angeboten, die diese jedoch abgelehnt haben. Daraufhin legte die Stadt per Auflagenbescheid eine Route fest – und erließ zahlreiche Auflagen, die verhindern sollen, dass die Veranstaltung „ein nationalsozialistisches Gepräge“ erhält. Der Fuldaer Magistrat geht davon aus, dass „Der dritte Weg“ gerichtlich gegen den Auflagenbescheid vorgeht. Dann wird – wie so oft bei Neonazi-Demonstrationen – ein Gericht über die Route entscheiden müssen.

Fest steht nach Aussage der Magistratspressestelle, dass die Demonstration im „innerstädtischen Bereich“ stattfinden werde. Beginnen soll sie laut Ankündigung auf der Homepage des „dritten Wegs“ um 15 Uhr. Beim „Aktionsbündnis für ein demokratisches und weltoffenes Fulda“ geht man davon aus, dass die Veranstaltung bis in die Abendstunden dauern wird. Schließlich hat der „dritte Weg“ einen Fackelzug angekündigt. „Es könnte schwierig werden, unsere Leute so lange zu halten“, sagt KAB-Diözesansekretär Michael Schmitt. Daher plane man für die Gegenveranstaltung ein eigenes Programm mit Reden, Musik und Theater.

Bei „Fulda stellt sich quer“ stellt man sich derweil darauf ein, dass die Anhänger des „dritten Wegs“ frühzeitig anreisen – möglicherweise bereits am Freitagabend. „Es könnte auch sein, dass sie bereits am Vorabend irgendwo Aktionen“ durchführen, erklärt Sprecher Andreas Goerke. Ähnliches hatte sich auch im August 2017 zugetragen, als „Der dritte Weg“ erstmals in Fulda demonstrierte.

Seitens des Polizeipräsidiums Osthessen heißt es, dass man derartige Szenarien im Blick habe. Die Veranstaltung des „dritten Weges“, der am Wochenende mit einem Infostand in Fuldas City präsent war, sei frühzeitig angekündigt worden. Man habe dementsprechend Zeit gehabt, sich vorzubereiten.

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