Neonazis

Führungskader der neonazistischen Partei „Die Rechte“ verurteilt

  • vonJoachim F. Tornau
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Urteile gegen drei Rechtsextreme. Weitere Verfahren anhängig.

Fast zwei Jahre nach dem Überfall auf eine Gaststätte im mittelhessischen Kirchhain sind zwei führende Funktionäre der neonazistischen Kleinstpartei „Die Rechte“ vom Amtsgericht in Schwalmstadt zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Tim Schmerer (31) aus Neukirchen, Beisitzer im hessischen Landesvorstand, soll für 15 Monate ins Gefängnis. Gegen den hessischen Landesvorsitzenden Mike Guldner (39) aus Willingshausen verhängte das Gericht fünfeinhalb Monate, ausgesetzt zur Bewährung.

Laut Anklage waren die Rechtsextremen am 30. Dezember 2018 in eine Kneipe eingedrungen, in der Schmerer Hausverbot hatte, hatten auf Gäste eingeprügelt und randaliert. An der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung und Sachbeschädigung soll sich auch ein 18-jähriger Parteigänger von „Die Rechte“ aus Schwalmstadt beteiligt haben. Dem jungen Neonazi wurde darüber hinaus zur Last gelegt, einen Pflasterstein ins Fenster des Wohnhauses eines türkischstämmigen Mannes in Neukirchen geworfen zu haben. Gegen ihn erging eine Jugendstrafe von anderthalb Jahren; über eine mögliche Bewährung soll später entschieden werden.

In die Verurteilung von Landeschef Guldner floss außerdem ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz ein: Bei ihm waren 82 verbotene Böller gefunden worden. Das Urteil gegen alle drei Rechtsextremen ist noch nicht rechtskräftig. Den beiden Parteifunktionären droht derweil weiteres Ungemach: Bei der Staatsanwaltschaft in Marburg sind noch zwei weitere Verfahren wegen Körperverletzung anhängig.

Die neonazistische Splitterpartei „Die Rechte“ hat nach Angaben des Verfassungsschutzes bundesweit 550 Mitglieder, in Hessen sollen es gerade einmal zehn sein. Die meisten von ihnen leben wie die Angeklagten im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.

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