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Die Zwillinge Laura (links) und Clara mit ihren erworbenen Pferdchen.

Offenbach

Frieren beim Feilschen

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Auch im Winter kommen Besucher auf den Flohmarkt an der Carl-Ulrich-Brücke. Die Atmosphäre ist familiär, finden Aussteller wie Besucher.

Das Feilschen ist in vollem Gange. Gegenstand der Verhandlung: eine getragene, aber noch ansehnliche Lederjacke. Auf der einen Seite Agron Kelmedi, erfahrener Flohmarktaussteller. Auf der anderen Seite eine junge Studentin mit wenig Budget, aber dafür umso mehr Entschlossenheit, den Flohmarkt am Mainufer mit einem neuen Kleidungsstück zu verlassen.

25 Euro möchte Kelmedi für das gebrauchte Kleidungsstück haben. Zuviel für die Studentin. Sie steigt bei 17 Euro in den Handel ein. Die darauffolgende Verhandlung bringt die Flohmarktbesucherin geschickt zum Abschluss, indem sie 20 Euro als ihre absolute Obergrenze definiert. Entweder kaufe sie die Jacke oder gehe nach Hause, so ihre Ankündigung. Kelmedi zögert kurz, stimmt dann aber zu und lässt die Käuferin zufrieden von dannen ziehen.

Die nasse Kälte an diesem Samstagmittag zieht in die Knochen. Der Wind fegt über den Mainuferparkplatz hinweg und trägt kreischende Möwen über die Warenstände des Trödelmarkts hinweg. Nicht viele Aussteller, 20 etwa, sind an diesem Wochenende nach Offenbach gekommen, um ihren Krimskrams anzubieten. Im Sommer seien es weitaus mehr, erzählt Manfred Reißmann, der den Markt seit zehn Jahren organisiert. Rund 150 Stände breiten sich in den warmen Monaten auf dem Parkplatz und dem empor gelegenen Maindamm aus.

Im Winter reicht der asphaltierte Platz am Ufer aus. Schon früh morgens, ab etwa 7 Uhr, drapieren die Verkäufer samstags in Dunkelheit und Kälte ihre Ware auf Tischen und Decken vor ihren Autos, die gleichzeitig als Markierung der Standflächen dienen. Dick eingepackt in Mäntel, Handschuhe und Mützen trotzen sie Wind und Wetter.

Weniger Stände, weniger Konkurrenz

Einen Vorteil hat das Ausstellen im Winter zudem: „Weniger Stände, das heißt für mich weniger Konkurrenz“, sagt Renate Vötsch. Sie gehört zu Reißmanns Stammkunden. Verglichen mit anderen Flohmärkten seien „die Betreiber und die ganze Atmosphäre auf diesem Markt am sympathischsten“, findet Vötsch. Man kenne sich untereinander.

Betreiber Reißmann ist es wichtig, für Aussteller und Besucher ein zuverlässiges Angebot auf die Beine zu stellen. „Ich bin der einzige Flohmarktbetreiber, der die Toiletten selbst reinigt“, sagt er, lacht und zeigt auf das Dixi-Klo ein paar Meter weiter. Da auf dem Parkplatz kein Kanal vorhanden sei, müsse die mobile Toilette herhalten. Dass er diese für seine Kunden besonders sauber hält, ist für ihn Ehrensache.

Auch Agron Kelmedi ist Zuverlässigkeit wichtig. Feilschen sei das eine, jemanden über den Tisch ziehen, das gehe für ihn nicht. „Ich kann den Wert meiner Waren ganz gut einschätzen und würde die Besucher nicht täuschen.“, sagt er. Schließlich wolle er sich ja einen zufriedenen Kundenstamm aufbauen.

Für den Betreiber sei das Besondere am „freundlichen Trödelmarkt am Mainufer“, wie Reißmann den Basar getauft hat, vor allem, dass Betreiber und Aussteller solidarisch miteinander und mit den Besuchern umgehen. Außerdem sei es einer der wenigen Märkte in der Region, bei dem die Tradition „echter“ Trödelmärkte erhalten bleibe.

„Neuwarenverkauf ist bei uns verboten“, erklärt Reißmann. Unter den vielen Dingen, die Keller, Garagen und Dachböden hergeben, mag der ein oder andere Besucher vielleicht ein echtes Juwel finden.

Der Markt liegt an der Mainstraße in Offenbach. Mit der Buslinie 108 gelangt man bis zur Carl-Ulrich-Brücke. Bis März ist der Flohmarkt an der Carl-Ulrich-Brücke samstags zwischen 8 und 14 Uhr. Von April bis Oktober zusätzlich auf dem Maindamm. Wegen anderer Veranstaltungen findet der nächste Flohmarkt erst wieder am 2. Februar statt.

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