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Malen statt demonstrieren: In Frankfurt setzen die „Fridays for Future“ auf Parolen aus Kreide.

Fridays for Future

Fridays for Future: Kreativ für das Klima

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    Jens Joachim
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In Frankfurt und Darmstadt protestieren die „Fridays for Future“ während ihres globalen Aktionstages nicht nur virtuell. Trotz der Pandemie wollen sie auch auf der Straße sichtbar sein.

Die Staatsmacht tritt schnell auf den Plan, aber sie ist relativ entspannt. Als gegen 12 Uhr die ersten sechs Aktivistinnen und Aktivisten der „Fridays for Future“-Bewegung damit beginnen, das Pflaster vor der Alten Oper mit Kreide zu bemalen, werden sie sofort von sechs Polizisten unterbrochen, die ihre Personalien feststellen wollen. Die jungen Leute, die alle Atemschutzmasken tragen, rücken bereitwillig ihre Personalausweise heraus. Kurze Zeit später bekommen sie sie zurück und können weitermalen. „Climate Justice“ schreiben sie auf den Boden und „Corona tötet, Grenzen töten“.

Bundesweit und auf der ganzen Welt ist „Fridays for Future“ an diesem Freitag vor allem im Netz aktiv. Im Livestream der Bundeskoordination der Klimaschutzbewegung sprechen Aktivisten und Wissenschaftlerinnen, Tausende junger Leute posten Fotos ihrer selbst gemalten Protestplakate in den sozialen Netzwerken. Der Frankfurter Ortsgruppe reicht das nicht, sie will auch auf der Straße präsent sein.

„Wir protestieren auf eine Art, bei der wir die Sicherheitsregeln einhalten“, sagt Lu, eine Sprecherin der Gruppe. Drei Stunden lang wolle man an der Alten Oper, auf der Hauptwache und am Mainkai den Boden bunt bemalen. Derzeit stehe die Corona-Pandemie sehr im öffentlichen Fokus, sagt Lu, das sei auch verständlich. Dennoch dürfe man das zentrale Thema von „Fridays for Future“ nicht vergessen, „weil die Klimakrise halt trotzdem immer noch da ist“. Und der Neuanfang nach der Pandemie müsse neben sozialen Aspekten vor allem dringend auf mehr Klimaschutz setzen.

Auch zwei der jungen Leute, die sich vor der Alten Oper mit Kreide austoben, finden es wichtig, trotz des Coronavirus sichtbar zu sein. „Es geht einfach super viel unter gerade“, sagt Joshka, der seine Haare zu einem Irokesenschnitt toupiert hat. Neben dem Klimawandel finde „zum Beispiel die Lage der Flüchtlinge in Griechenland“ zu wenig Beachtung. Jasper, der neben Joshka malt, wirft ein, derzeit würden Versammlungen leider schwergemacht. „Aber so finden wir eben eine andere Lösung.“

Parolen auf dem Pflaster

Während sich vor der Alten Oper immer mehr junge Menschen einfinden, die mit großen Abstand zueinander nach und nach den Platz bemalen, ist auf der Hauptwache recht wenig los. Nur eine Handvoll Menschen schreibt Parolen auf das Pflaster. Die jungen Leute hätten doch recht, sagt ein Radfahrer, der kurz anhält und zusieht. „Wir haben uns alles selber versaut.“

Plötzlich stellt sich eine junge Frau dazu, nimmt sich ein Stück Kreide und schreibt die Parole „Smash Patriarchy, not the Planet“ auf den Boden. Es ist die Frankfurter Soziologin Katharina Hoppe, die sich die Protestaktion anschauen will. „Ich unterstütze das natürlich, dass ‚Fridays for Future‘ hier versucht, trotz der Einschränkungen der Versammlungsfreiheit Aktionen durchzuführen“, sagt Hoppe. Sie hoffe vor allem, dass alles friedlich bleibe.

In Darmstadt hatte die Ortsgruppe von „Fridays for Future“ von Freitagvormittag an zu einem „Aktionsspaziergang“ eingeladen. Vereinzelt zogen die Aktivisten vom Bürgerpark im Norden durch den Herrngarten bis in den Stadtteil Bessungen. Auf den Straßen wurden ebenfalls Botschaften wie „Krisen wie Krisen behandeln“ oder „Act now“ mit grüner Kreidefarbe aufgesprüht. Luisa Emrich, eine der Initiatoren des Bürgerbegehrens „Klimaentscheid Darmstadt“, sagte, seit mehr als einem halben Jahr warte die Initiative nun schon auf eine „klare Aussage der Stadt“, was die rechtliche und inhaltliche Prüfung des Begehrens ergeben habe, das mehr als 5500 Menschen mit ihren Unterschriften unterstützt hatten.

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