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Freiluft-Galerie kehrt zurück

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Seb. Stehr (l.), Martina Sommer und Kurt Liebermeister. Privat © Red

Das wird viele Bad Vilbelerinnen und Bad Vilbeler freuen: Wer in diesen Tagen an der B3-Lärmschutzwand in Dortelweil spazieren geht, kann Künstler Sebastian Stehr bei der Arbeit sehen. Nachdem seine bekannte Freiluft-Galerie wegen eines Workshops komplett übermalt worden war, macht sich der Künstler nun wieder ans Werk.

Auf zwei Jahre harte Arbeit folgte Anfang Juni der Schock für Künstler Sebastian Stehr. Seine Freiluftgalerie zum Thema "Was ist Liebe?" an der Lärmschutzwand in Dortelweil wurde für einen Graffiti-Workshop beim Quellenfest übersprüht. Die Reaktionen darauf folgten. In den sozialen Netzwerken brach ein Sturm der Entrüstung los. Der Bad Vilbeler und vor allem seine Werke waren schließlich nicht nur bei vielen Dortelweilerinnen und Dortelweilern beliebt, sondern auch Radfahrer und Spaziergänger nutzten die großen Werke, um einen Moment innezuhalten.

Jetzt folgt die Rolle rückwärts. Die Galerie soll zurückkehren. Die Organisation zur Umsetzung von Graffiti-Arbeiten, Prävention und Gestaltung liegt beim Stadtmarketing Bad Vilbel. Dessen Vorsitzender Kurt Liebermeister sagt: "Wir haben die Flächen exklusiv für ihn gesperrt, und es wird auch keine Workshops mehr geben, bei denen diese Werke übersprüht werden. Diese Wand bleibt jetzt die Freiluft-Galerie."

Die Aktion rund um den Workshop sei "missverständlich" gewesen. Deshalb habe man zügig das Gespräch mit Sebastian Stehr gesucht. "Wir sind froh, dass er die Arbeit wiederaufgenommen hat."

INSTAGRAM-ACCOUNT

Sebastian Stehr stellt seine Werke bei Instagram auf seiner Seite »indian_t2b« digital aus. Dort gibt es auch Einblicke in die Entstehungsprozesse. Wer den Bad Vilbeler Künstler kontaktieren möchte, schreibt an sebkunst@gmx.de eine E-Mail. wpa

Das erste Werk zum Thema "Was ist Liebe?" hat Stehr bereits wieder angefertigt. "Bis ich wieder 26 Bilder habe, wird das mit Sicherheit ein bis zwei Jahre dauern", bedauert der Künstler, der seit über 30 Jahren malt. Von sich selbst abmalen wolle er nicht. "Das ergibt keinen Sinn. Ich habe bereits mit neuen Texten angefangen." Doch natürlich würde sich so eine Wand nicht in einer Stunde bemalen. "Ich versuche, so oft es geht, hier zu sein.

"Was ist Liebe?" soll Denkanstöße mit auf den Weg geben. Die Kombination aus verfremdeten Selbstporträts und nachdenklichen Texten zeichnet die Schwarz-Weiß-Reihe aus. Die ersten Reaktionen auf sein neues Werk gibt es bereits. "Ich wurde angesprochen, wie schön es denn sei, dass ich wieder da bin. Das freut mich natürlich ungemein." Das gelte auch für die Reaktionen vor zwei Monaten. "Natürlich war es schön, zu sehen, dass viele die Kunst verteidigt haben und wollten, dass sie bleibt." Das sei eine schöne Art der Bestätigung. "Das entschädigt zumindest ein bisschen dafür, dass so viele Werke verloren gegangen sind." Stehr hat ein Ziel vor Augen. "Ich möchte ein Buch veröffentlichen." Das soll den Titel "Was ist Liebe - Philosophische Graffiti - 100 Wände" tragen. Denn: Die Werke sind nicht nur in Bad Vilbel zu sehen. "Ich habe sie in ganz Deutschland verteilt", berichtet Stehr, der unter anderem von einem Bild aus Hamburg berichtet. Zu sehen sind diese auf seinem Instagram-Account. Zwischen 60 und 70 habe er bereits. "In Vilbel kommen ja jetzt wieder neue dazu." Finanzielle Unterstützung erhält er dabei vom Stadtmarketing.

Bei einem Treffen an der Wand ist Kurt Liebermeister sichtlich erfreut, dass die Wand wieder entsteht. Besonders die Augen des Bildes haben es ihm angetan. "Egal, wo man steht, das Kind schaut einen an. Das ist wirklich hohe Kunst."

Stehr nimmt diese lobenden Worte gerne zur Kenntnis. Eine bestimmte Technik wende er dafür nicht an. "Das ist unterbewusst. Es passiert einfach." Er hofft, mit seinen neuen Werken zum Nachdenken anregen zu können. Denn es gehe nicht nur darum, schöne Bilder zu malen. "Ich möchte den Menschen etwas mitgeben."

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Werksausschnitt der versehentich gelöschten Graffiti des Künstlers Sebastian Stehr. Zwei Jahre war die Lärmschutzwand zur B3 in Dortelweil mit den Gemäden geschmückt. Eickhoff © Red

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