Corona-Hotspot: Der Schriftzug „Bethaus“ sowie ein Kreuz prangen an der Fassade des Gemeindehauses der Evangeliums-Christen-Baptisten in Frankfurt-Rödelheim.
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Corona-Hotspot: Der Schriftzug „Bethaus“ sowie ein Kreuz prangen an der Fassade des Gemeindehauses der Evangeliums-Christen-Baptisten in Frankfurt-Rödelheim.

Hintergrund

Freikirche in Rhein-Main: Strenggläubig, verschlossen und konservativ

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Seit Ende des 20. Jahrhunderts kommen durch die Übersiedlung russlanddeutscher Familien Evangeliums-Christen-Baptisten ins Rhein-Main Gebiet. Sie gelten als sehr konservativ.

Baptisten sind nicht gleich Baptisten“, sagen Jörg Bickelhaupt und Oliver Koch, die im Zentrum Ökumene der beiden evangelischen Landeskirchen in Frankfurt für den interkonfessionellen Dialog und für Weltanschauungsfragen zuständig sind. Die beiden evangelischen Pfarrer weisen darauf hin, dass es zwischen den im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BFG) zusammengeschlossenen traditionellen baptistischen Gemeinden und den Evangeliums-Christen-Baptisten nur vereinzelte Kontakte gibt.

Während der BFG 1942 unter dem Druck der Nationalsozialisten gegründet wurde, entstand die Freikirche der Evangeliums-Christen-Baptisten 1944 in Moskau unter staatlichem Druck. Zunächst schlossen sich die russischen Evangeliums-Christen mit den Baptisten zusammen. Später kamen Teile der Pfingstbewegung, der Mennoniten und der Adventisten hinzu. Im Rhein-Main-Gebiet gibt es Bethäuser in Frankfurt, Hanau, Wiesbaden und Darmstadt.

Übersiedler aus Russland gründeten Gemeinden

Nach Informationen der beiden evangelischen Pfarrer sind die deutschen Gemeinden der Evangeliums-Christen-Baptisten seit Ende des 20. Jahrhunderts durch die Übersiedlung vieler russlanddeutscher Familien entstanden. Sie gelten als strenggläubig, konservativ und verschlossen. Die Frömmigkeitspraxis wird von Männern dominiert, Muslime kritisch gesehen und Homosexualität abgelehnt. Interkonfessionelle Kontakte werden daher ebenso abgelehnt wie ökumenische Beziehungen zu anderen christlichen Gemeinschaften und Kirchen. So beteiligen sich die Evangeliums-Christen-Baptisten etwa in Darmstadt nicht am interkonfessionellen Friedensgebet der Religionen oder an der ökumenischen Nacht der Kirchen.

Reges Gemeindeleben - Frauen tragen Kopftuch

Wer in der Nähe eines Gemeindezentrums oder eines Bethauses der Evangeliums-Christen-Baptisten wohnt, der kann von einem ein sehr intensiven Gemeindeleben berichten. Im Darmstädter Gemeindezentrum wird seit Jahren sehr viel gesungen und musiziert. Frauen tragen lange Röcke und bedecken ihre Haare mit einem Schleier. Hochzeitsfeiern werden nach der kirchlichen Trauung nicht etwa in einem Restaurant weitergeführt, sondern finden oft im Gemeindezentrum statt.

Evangeliums-Christen-Baptisten finden Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden als zu liberal

Der baptistische Pastor Lothar Peitz aus Taunusstein, der Geschäftsführer der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Hessen-Rheinhessen, sagt, dass die Evangeliums-Christen-Baptisten ihre baptistischen Glaubensbrüder und -schwestern in den Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden als „zu liberal“ ansehen. Viele Gemeinden der Evangeliums-Christen-Baptisten seien von einigen Großfamilien geprägt. Beide Strömungen eint jedoch der Glaube an die Glaubenstaufe und die Ablehnung der Säuglingstaufe. Die Evangeliums-Christen-Baptisten in Wiesbaden verstehen sich ausdrücklich als „Teil der weltweiten Christenheit“.

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