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Sprudelhof im Morgenlicht: Wilhelm Jost hat die Jugendstil-Anlage zwischen 1905 und 1911 erbaut.

Bad Nauheim

Das sind die Pläne für den Sprudelhof

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Die neuen Pläne für das Jugendstil-Anlage bewegen die Bad Nauheimer. Die Bürgerversammlung ist gut besucht.

Die Zukunft des Sprudelhofs bewegt viele Einwohner Bad Nauheims. Es sind so viele, dass der Konzertsaal der Trinkkuranlage am Dienstagabend aus allen Nähten platzte. Dorthin hatte Stadtverordnetenvorsteher Gerhard Hahn (Freie Wähler) zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Es ging um das städtebauliche Konzept für den Sprudelhof, das der Architekt Johannes Peter Hölzinger erarbeitet hat und nach dem sich die Stadt bei der Entwicklung der bekannten Jugendstilanlage richten will.

Etwa 250 Menschen waren gekommen, um sich von dem früheren Professor seine Ideen erläutern zu lassen. Alle Stühle waren besetzt, viele mussten während der fast zweieinhalbstündigen Veranstaltung stehen.

Vor dem Podium, an dem Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos), Hahn und Vertreter der Fraktionen Platz genommen hatten, war Hölzingers Modell aufgebaut: der Sprudelhof en miniature, an seiner Kopfseite die im Halbkreis verlaufenden geplanten Wohnhäuser mit Tiefgaragenstellplätzen, die terrassierten, zum Sprudelhof geneigten Grünflächen und auf der Nordseite die an das Badehaus 2 angebundene Therme mitsamt Hotel dahinter. Alles in Weiß gehalten, nur die kleinen Modellbäume in zartem Gelb. „Geben Sie dem Konzept eine Chance“, sagte Rathauschef Kreß gleich zu Beginn.

Etwa ein Dutzend Bad Nauheimer nutzten die Versammlung, um ihre Fragen zum Sprudelhof und der Therme loszuwerden. Ein Bestandteil von Hölzingers Konzept stach dabei heraus: Mehrere Frager wollten wissen, ob die geplante Wohnbebauung an der Ludwigstraße den Sprudelhof nicht verdecke. Nein, entgegnete Hölzinger, die Häuser ließen einen Durchblick über die Grünflächen hin zum Sprudelhof. Sie seien „keine Mauer, die den Sprudelhof einmauert“.

Was sich der Architekt stattdessen vorstellt, wurde im Laufe des Abends deutlich: Maisonette-Häuser, dreigeschossig, mit einem offenen, fünf Meter hohen Erdgeschoss, das Arkaden ähnelt. „Der Fußgänger kriegt eine Flanierzone“, so Hölzinger. Insgesamt 28 Wohnungen sollen so links und rechts des Sprudelhof-Entrées entstehen. Ein „Schutzmantel für die Madonna Sprudelhof“. Man darf annehmen, dass dort wohlhabende Menschen einziehen werden. Es sind Kreß zufolge die teuersten Grundstücke, die die Kurstadt zu bieten hat. An der Ludwigstraße liegen ansonsten viele schmucke Altbauten, im Norden ein Klinikzentrum.

Dass nun außer einem neuen Thermalsolebad mit Anbindung an das Badehaus 2 Wohnhäuser und ein Hotel mit etwa 100 Zimmern gebaut werden sollen, werde den Bau der Therme nicht verzögern, verspricht Bürgermeister Kreß. Priorität habe das Badprojekt; es soll als erstes verwirklicht werden. Für Ende 2020 peilt Kreß die Eröffnung an.

Die Stadt rechnet mit Kosten von 26 Millionen Euro. Der Betrag umfasse den Abriss der alten Therme, den Neubau, die Anbindung ans Badehaus und den Umzug des Theaters Alte Feuerwache im Sprudelhof, erklärt Erster Stadtrat Peter Krank. Die Stadt muss sich dafür 2018 und 2019 verschulden. „Das wird leicht zu verkraften sein“, sagt der Kämmerer. Man hoffe zudem auf eine Förderung aus dem Landesprogramm „Hessenkasse“ für verschuldete oder finanzschwache Kommunen. 7,3 Millionen Euro seien in Aussicht gestellt. Hölzingers Konzept geht nun in die Gremien. Sollte das Stadtparlament ihm zustimmen, so Kreß, werde man per Ausschreibung nach Architekten für die Planung suchen.

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