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Viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule.

Kreis Offenbach

Laufbus statt Elterntaxi

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Die Freien Wähler im Kreis Offenbach wollen die Elterntaxis eindämmen. Rodgau ist beispielgebend.

Die Freien Wähler (FW) im Kreis Offenbach wollen den Elterntaxis den Kampf ansagen. Im Kreistag haben sie das Projekt „Schulexpress“ angeregt; das sind Laufgemeinschaften, die an Treffpunkten im nahen Umkreis der Schule starten und zu Fuß zur Schule gehen. In Rodgau hat man mit diesem System schon Erfahrung – nur unter anderem Namen: Bereits vor eineinhalb Jahren wurde im Stadtteil Dudenhofen der „Laufbus“ zur Freiherr-vom-Stein-Schule in Betrieb genommen.

„Eltern trauen ihren Kindern oftmals nicht mehr zu, auch kürzeste Wege zu bewältigen“, begründete Natascha Bingenheimer im Kreistag den Antrag ihrer Fraktion, Schulexpress-Haltestellen an den Grundschulen im Kreis Offenbach einzurichten. Der Kreis will zu dem Thema in Kooperation mit der Landesverkehrswacht Hessen aber eine Informationsveranstaltung durchführen. Somit hatte sich der FW-Antrag erst einmal erledigt.

„Wir hatten Eltern, die haben ihre Kinder sogar bis vor die Tür des Klassenzimmers gebracht“, sagt Anke Dick-Follmann, Elternbeiratsvorsitzende der Freiherr-vom-Stein-Schule. Sie initiierte den Laufbus, der im August 2017 in Dudenhofen startete. Das Prinzip ist einfach: Grundschüler treffen sich morgens zu festen Zeiten an ausgewiesenen Haltestellen entlang der Schulwege. Gemeinsam gehen sie dann über eine festgelegte Route zur Schule. Die Gruppe wird von Haltestelle zu Haltestelle immer größer. So kommen die Sprösslinge sicher, ohne das Elterntaxi, zur Schule.

Schulleitung und Elternbeirat hatten gemeinsam die Routen ausgearbeitet, die aus allen vier Himmelsrichtungen an der Freiherr-vom-Stein-Schule zusammenführen. „Im Ortsplan von Dudenhofen sind die Linien verzeichnet sowie tabellarisch die Loslaufzeiten“, sagt Dick-Follmann. Haltestellenschilder, von den Stadtwerken gesponsert, zeigen die Treffpunkte an.

Ältere Kinder übernehmen Verantwortung für jüngere

Die West-Linie ist der Weg, der mit sechs Stationen am weitesten und zugleich am stärksten frequentiert ist. Die Ersten machen sich schon um 7.20 Uhr auf den Weg und sind dann 25 Minuten bis zur Endhaltestelle unterwegs. „Auf der Süd-Linie dagegen starten zwei Kinder, am Ende sind es 15“, sagt Dick-Follmann. Die Älteren würden ganz automatisch die Verantwortung für die jüngeren übernehmen. „Die haben auch die Uhr im Blick.“ In den ersten zwei Wochen führten noch Eltern mit Warnwesten die Kinder zur Schule. Dann lief der Laufbus ohne deren Aufsicht.

Das Ganze habe erst einmal eine Menge Arbeit gemacht, blickt die Elternbeiratsvorsitzende zurück. „Aber es hat sich gelohnt, weil der Laufbus angenommen wird“, sagt sie. Die Aktion läuft jetzt im zweiten Jahr. Von den rund 300 Schülern würden morgens mittlerweile „bestimmt zwei Drittel“ zu Fuß zur Schule kommen. „Die Autos vor der Schule sind morgens viel weniger geworden“, bilanziert Dick-Follmann, relativiert aber auch: „Wenn es regnet, fallen viele Eltern wieder ins alte Muster zurück.“

Weil gegenüber der Freiherr-vom Stein-Schule auch noch ein Kindergarten liegt, war das morgendliche Chaos besonders groß. Die Eltern der Grundschüler mussten sich die wenigen Parkplätze mit den Eltern der Kindergartenkinder teilen. Verbotsschilder konnten nicht aufgestellt werden, weil sonst auch die Kindergarten-Eltern betroffen gewesen wären, die dort halten dürfen. „Manchmal hat die Ordnungspolizei versucht, da Ordnung reinzubringen“, so Dick-Follmann.

Zusammen mit dem Elternbeirat plant sie bereits den nächsten Schritt: Kindergartenkinder sollen im Monat vor ihrer Einschulung schon mit den Grundschülern im Laufbus mitlaufen. „So entsteht ein Wir-Gefühl, und die Kleinen fühlen sich in den ersten Schultagen nicht fremd.“

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